Corona-Situation stabilisiert sich – Kein Zertifikats-Entscheid

Guy Parmelin
Bundespräsident Guy Parmelin. (Screenshot)

Bern – Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus stabilisiert sich auf hohem Niveau. Aus diesem Grund verzichtet der Bundesrat vorerst auf eine Ausweitung der Covid-Zertifikatspflicht. Gleichzeitig füllen sich die Intensivstationen. Eine Aufstockung scheint dieses Mal kaum möglich.

Die Zahl der Corona-Fälle sei in allen Altersgruppen stabil oder leicht rückläufig, schreibt die wissenschaftliche Taskforce des Bundes in ihrer neuesten epidemiologischen Lagebeurteilung vom Mittwoch. Einzig bei den Kindern unter 12 Jahren werde ein Anstieg beobachtet.

Am Mittwoch wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) innerhalb von 24 Stunden 3202 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Der 7-Tagesschnitt der Neuinfektionen habe sich damit in den letzten zwei Wochen bei durchschnittlich rund 2500 pro Tag stabilisiert.

Gleichzeitig registrierte das BAG drei neue Todesfälle. Diese Zahl lag in den letzten zwei Wochen jeweils zwischen eins und sechs pro Tag. Auch die Hospitalisierungen seien stabil und beträfen hauptsächlich Erwachsene im Alter von 35 bis 64 Jahren. Neu meldete das BAG 84 Spitaleinweisungen.

Weil diese Zahl in den vergangenen Wochen nicht mehr anstieg, verzichtete der Bundesrat am Mittwoch auf einen Entscheid für eine Ausweitung der Zertifikatspflicht. Man wolle vorerst die weitere Entwicklung der Pandemie abwarten und hoffe auf eine gute Organisation der Spitalkapazitäten durch die Kantone, teilte die Landesregierung nach ihrer Sitzung mit.

Noch 190 Betten frei
Die Intensivstationen (IPS) sind mittlerweile zu 77,6 Prozent ausgelastet, wobei Covid-Patienten 31,1 Prozent ausmachen. Voll sind die IPS in den Kantonen Schaffhausen, Nidwalden und Glarus. Zwischen 80 und 90 Prozent ausgelastet sind sie in den Kantonen Aargau (81,2), Basel-Stadt (91,3), Solothurn (88,2), St. Gallen (86,7), Thurgau (89,7), Wallis (90,5), Zug (87,5) und Zürich (87,2).

Insgesamt stehen in der Schweiz 866 Intensivbetten zur Verfügung, davon sind im Moment 190 noch frei. Allerdings könnten aufgrund vom fehlenden Fachpersonal nie alle zertifizierten Betten auch tatsächlich betrieben werden, teilte die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) auf Anfrage mit.

Personal fehlt
Nach Angaben der Gesundheitsdirektorinnenkonferenz (GDK) würde das Personal in der Schweiz für die konstante Betreuung von 750 bis 800 IPS-Betten reichen. Denn die Spezialistinnen und Spezialisten könnten auch nicht mehr zu Sondereinsätzen aufgeboten werden.

Das bestätigt die Geschäftsführerin des Pflegeberufsverbandes, Yvonne Ribi, auf Anfrage. Gegenüber dem SRF-Nachrichtenmagazin «10vor10» hatte sie erklärt, dass es mittlerweile zehn bis 15 Prozent weniger Pflegeexpertinnen Intensivpflege gebe, als noch zu Beginn der Pandemie.

Die Zahl beruhe auf Schätzungen von Expertinnen aus der Intensivmedizin, die täglich mit der Personalplanung zu tun hätten. Und im Gegensatz zu den vorherigen Wellen stehe auch weniger Zusatzpersonal zur Verfügung. «Werden trotzdem mehr Patienten auf den Intensivstationen hospitalisiert, muss mit Qualitätseinbussen gerechnet werden, sagte Ribi auf Anfrage.

Impfaufrufe
Gleich wie die Bundespräsident Guy Parmelin und die Kantone appellierte deshalb auch sie an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Diese Massnahme helfe am meisten, das Pflegepersonal zu entlasten und so eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Parmelin sagte vor den Medien, jede und jeder habe das Recht, anders zu denken. Aber es beunruhige ihn, wenn Mitbürgerinnen und Politiker verunglimpft würden, weil sie anderer Meinung seien. Die Schweizer Politik baue auf die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin. Und diese müssten sich fragen, was sie selbst dazu beitragen könnten, um die Pandemie und die wirtschaftliche Krise zu beenden.

Die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli ging sogar soweit, Impfgegnern zu empfehlen, «eine Patientenverfügung ausfüllen, worin er bestätigt, dass er im Fall einer Covid-Erkrankung keine Spital- und Intensivbehandlung will. Das wäre echte Eigenverantwortung», sagte Rickli gegenüber den Tamedia-Zeitungen. (awp/mc/pg)

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