Calida-Chef Reiner Pichler tritt zurück

Reiner Pichler
Reiner Pichler. (Foto: Calida)

Sursee – Calida-Chef Reiner Pichler tritt zurück. „Er wird sich neuen Aufgaben stellen, die ihm mehr Flexibilität in der Arbeitsgestaltung ermöglichen und keine hundertprozentige Präsenz mehr erfordern“, schrieb das Wäscheunternehmen am Freitag in einem Communiqué.

„Wir bedauern den Entschluss von Reiner Pichler ausserordentlich. Er hat in den letzten viereinhalb Jahren die Gruppe sehr erfolgreich geführt“, erklärte Verwaltungsratspräsident Hans-Kristian Hoejsgaard. Mit dem kontinuierlichen Wachstum, der Forcierung der Digitalisierung und insbesondere des E-Commerce-Geschäftes habe Pichler einen wertvollen Beitrag zur Zukunftssicherung von Calida geleistet. Zudem habe er die Gruppe mit dem Verkauf der Marken Eider und Oxbow fokussiert.

Der Verwaltungsrat habe die Suche nach einem neuen Konzernchef eingeleitet. Pichler werde die Gruppe weiterführen, bis ein geeigneter Nachfolger verpflichtet sei, schrieb Calida.

Rote Zahlen wegen Corona
Die Coronakrise hat auch das Innerschweizer Unternehmen in die roten Zahlen gerissen. Ab März blieben die Läden des Bekleidungsunternehmens wegen der Pandemie-Bekämpfungsmassnahmen längere Zeit geschlossen. Der in den letzten Jahren gewachsene Bereich E-Commerce konnte dies immerhin teilweise kompensieren.

Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um satte 18,8 Prozent auf 146,2 Millionen Franken. Operativ resultierte ein Verlust (EBIT) von 4,4 Millionen Franken nach einem Betriebsgewinn von 6,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich erlitt Calida einen Reinverlust von 9,8 Millionen Franken. Im Vorjahressemester hatte der Konzern noch einen Gewinn von 3,9 Millionen Franken eingefahren.

Besser als Gucci oder Louis Vuitton
Dennoch sei Calida besser durch die Krise gekommen als die Konkurrenz, hatte Pichler Ende Juli anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP erklärt. Grosse Player der Branche wie Louis Vuitton, Gucci, Levi’s und Nike hätten alle grössere Einbussen hätten hinnehmen müssen: „Ich habe in unserer Branche bis jetzt noch keinen gesehen, der bessere Zahlen präsentiert hat als wir.“

Pichler führte dies zum einen auf die Investitionen in die Digitalisierung zurück. Zum anderen habe man aber auch auf die richtigen Produktgruppen gesetzt. Dabei habe Calida mit der Forcierung von Loungewear frühzeitig auf den Modetrend zur „Casualisierung“ gesetzt.

Und gerade Loungewear sei nun während der letzten sechs Monate angesichts der Coronapandemie „unglaublich gefragt“ gewesen, hatte Pichler gesagt. Aber auch nachhaltige Produkte, auf die die Gesellschaft seit längerem setzt, seien angesichts der Krise häufiger gekauft worden.

Marktanteile gewonnen
„Wir gewinnen aktuell Marktanteile“, hatte Pichler gesagt. Denn mit dem Anstieg des E-Commerce habe man Neukunden angelockt. Zudem habe seit dem Ende des Lockdowns das Geschäft in den Läden wieder zugelegt. Gleichzeitig wachse der Onlineverkauf zweistellig weiter. Das bedeutet, dass das Geschäft in den Läden seit Ende des Lockdowns nicht auf Kosten des Onlinehandels widererstarkt ist.

„Wenn der Verlauf der Krise weiter positiv ist, werden wir das Jahr 2020 mit positiven Ergebnissen abschliessen“, hatte Pichler Ende Juli gesagt. Dabei kommt dem Unternehmen zu Gute, dass zwei Drittel des Ertrags für gewöhnlich in der zweiten Jahreshälfte erwirtschaftet werden. (awp/mc/pg)

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