Cassis: Impfung des Bundesrates sichert Krisenführung

Cassis: Impfung des Bundesrates sichert Krisenführung
Bundesrat Ignazio Cassis, Vorsteher EDA. (Foto: Schweizerische Bundeskanzlei)

Bern – Bei der Impfung des Bundesrates gegen Covid-19 ist es laut Bundesrat Ignazio Cassis darum gegangen, die Krisenführung der Schweiz zu sichern. Der Bundesrat habe dabei bewusst auf eine mediale Aktion verzichtet, betonte Cassis in einem Interview mit den CH-Media-Zeitungen.

Ab Mitte Januar hatten erste Bundesräte, ohne dass darüber zuvor informiert worden war, eine Covid-Impfung erhalten. Kritik in der Öffentlichkeit wurde insbesondere laut, weil keiner der Bundesräte über 75 Jahre alt ist.

„Wir haben nur sieben Minister, nicht 21 wie andere Länder. Würden plötzlich vier Bundesräte krank und zwei davon wären nicht arbeitsfähig, wäre nicht einmal ihre Vertretung gesichert“, verteidigte Cassis die Impfung des Bundesrates. Es sei enorm wichtig, dass die Führung des Landes in solchen Zeiten garantiert sei. Man habe zudem zugewartet bis der zweite Impfstoff zugelassen gewesen sei.

Der ehemalige Tessiner Kantonsarzt betonte, dass er die Diskussion um die Indikatoren, namentlich den R-Wert und die epidemiologische Kurve, in den Bundesrat eingebracht habe. Er kenne sich aufgrund seines beruflichen Hintergrunds da „wahrscheinlich ein bisschen besser aus“ als seine Kolleginnen und Kollegen.

Schweizer Weg nicht gescheitert
Die Schweizer Coronapolitik sei nicht gescheitert. Aber in einer Krise dieses Ausmasses komme die Eigenverantwortung an ihre Grenze. „Der Liberalismus hingegen wird meines Erachtens sogar gestärkt“, so Cassis. Bis zu dieser Krise hätten viele Menschen geglaubt, es sei normal ins Ausland reisen zu können, oder zuhause machen zu können, was man wolle. Inzwischen habe man gelernt, dass das so nicht stimme und man immer für die Freiheit kämpfen müsse.

Jetzt, da die Virusmutationen für grosse Unsicherheit sorgten, sei es aber nicht mehr möglich gleichzeitig Freiheit und Leben zu schützen. Es bestehe die Gefahr einer dritten Welle. In dieser Situation habe man den Schutz des Lebens allem voranstellen müssen.

Angesprochen auf die im internationalen Vergleich überdurchschnittlich grosse Zahl von Todesopfer in der zweiten Welle, erklärte Cassis, dass man darauf nicht stolz sein könne. „Die Situation verlangt grosse Demut und Flexibilität im Krisenmanagement“, so Cassis.

Zu früh für eine Bilanz
Die Gesamtmortalität sei der vielleicht solideste und wichtigste Indikator für den Verlauf einer Epidemie. Man werde aber erst am Ende der Krise bewerten können, ob die Massnahmen erfolgreich gewesen seien oder nicht. Es sei gut möglich, dass andere Staaten später eine höhere Übersterblichkeit haben würden als die Schweiz derzeit. Die Medizingeschichte zeige, dass wohl erst in drei bis fünf Jahren gesicherte und analysierte Zahlen zur Verfügung stünden.

Der Schweizer Aussenminister betonte, dass der Bundesrat auch im Coronajahr 2020 am Europa-Dossier weitergearbeitet habe. Am 11. November habe man die Position zum institutionellen Abkommen (InstA) festgelegt. Danach sei die EU mit anderen Geschäften beschäftigt gewesen. Doch jetzt komme Bewegung rein. Die Gespräche hätten inzwischen begonnen. Einen Übungsabbruch wolle der Bundesrat nicht. (awp/mc/pg)

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