Clariant will „klein, aber fein“ bleiben

Conrad Keijzer
Clariant-Konzernchef Conrad Keijzer. (Foto: Clariant)

Muttenz – Clariant nach Hariolf Kottmann strebt nicht mehr unbedingt nach Grösse. Dem Muttenzer Spezialchemiekonzern genügt es, dort Spitze zu sein, wo man vertreten ist. Das „Coronajahr“ schliesst Clariant dank dem Verkauf eines Firmenteils mit einem Gewinnsprung ab.

Clariant scheint mit dem bevorstehenden Abgang von Hariolf Kottmann auch das Streben nach Grösse abhanden gekommen zu sein. Der langjährige CEO und zuletzt Verwaltungsratspräsident hatte immer darauf gedrängt, Clariant mittels Fusionen oder Übernahmen in eine neue Kategorie zu katapultieren.

Das neue Management will nichts davon wissen. „Grosse Transaktionen stehen nicht auf unserer Agenda“, betonte der seit Januar amtierende Firmenchef Conrad Keijzer am Donnerstag. Keijzer wollte aber nicht auf die Rolle des Grossaktionärs Sabic bei diesem Meinungsumschwung eingehen.

Die Spannungen zwischen dem Investor aus Saudi Arabien und Kottmann waren ein offenes Geheimnis – gerade auch mit Blick auf die Strategie. Am Ende komplimentierten die Saudis Kottmann mit einem Winkelzug aus dem Unternehmen. Oder um bei der offiziellen Sprachregelung zu bleiben: Der heute 65-Jährige tritt nicht zur Wiederwahl an.

Mr. Clariant
Mit dem Rückzug von Hariolf Kottmann endet im April eine Ära. „Mr. Clariant“ prägte die Geschicke des Unternehmen während mehr als einer Dekade zunächst als CEO und in den letzten zwei Jahren zusätzlich als Verwaltungsrats-Präsident massgeblich. Einige sagen, ohne Kottmann wäre Clariant kaum noch unabhängig.

Kottmann kam im Herbst 2008 zu Clariant. Als Konzernchef musste er sich von Anfang an als Restrukturierer behaupten. Er trimmte das Unternehmen auf die profitablen Bereiche – andere wurden abgestossen.

Doch nicht nur als Sanierer konnte Kottmann punkten. Einen grossen Deal fädelte Kottmann 2011 ein, als Clariant den deutschen Südchemie-Konzern übernahm. Danach hatte Kottmann ein weniger glückliches Händchen mit grossen Transaktionen: Der 2017 pompös angekündigte Zusammenschluss mit dem amerikanischen Huntsman-Konzern scheiterte am Widerstand von Investoren.

Danach fand Kottmann in Sabic einen neuen Ankeraktionär. Damit wurde verhindert, dass das Unternehmen in Einzelteile zerschlagen wird. Doch zu neuer Grösse fand Clariant unter Kottmann auch so nicht zurück: 2018 wurde ein grosser Deal mit dem neuen Grossaktionär auf Eis gelegt.

Gewinnsprung zum Abschied
Das neue Managementteam um Keijzer will künftig kleinere – und (hoffentlich) feinere – Brötchen backen. Für einen Spezialchemiker sei es am wichtigsten, sich in den einzelnen Subsegmenten von den Mitbewerbern abzuheben. „Und das ist heute der Fall. In den von uns bearbeiteten Märkten sind wir typischerweise die Nummer eins oder die Nummer zwei“, sagte Keijzer.

Kottmann verabschiedet sich derweil mit einem Gewinnsprung. Trotz einem Umsatzrückgang um 12 Prozent auf 3,86 Milliarden Franken – Coronavirus und der starke Franken lassen grüssen – vervielfachte Clariant in 2020 den Reingewinn auf 799 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es nur 38 Millionen gewesen.

Der Löwenanteil des Gewinns stammte aber mit 723 Millionen aus dem Verkaufserlös für den Bereich Masterbatches. Das war die letzte grosse Transaktion, die Kottmann bei Clariant zu Ende bringen konnte.

An der Schweizer Börse verloren die Clariant-Valoren am Donnerstag 2,6% auf 18,70 Franken. (awp/mc/ps)

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