Clariant leidet unter Konjunkturabkühlung

Hariolf Kottmann

Clariant-CEO Hariolf Kottmann.

Basel- Der Spezialchemiekonzern Clariant kann wegen der weltweiten Konjunkturabkühlung und des starken Frankens an seinen Jahreszielen nicht länger festhalten. Das Basler Unternehmen schraubt die Prognosen für den Umsatz um 10% herunter, hält aber an den mittelfristigen Zielen weiter fest. Die europäischen Konkurrenten Bayer und BASF bekräftigten hingegen zuletzt die Ziele für das laufende Jahr. Der US-Chemiekonzern DuPont hat seine Prognose gar erhöht.

Clariant erwartet für das Gesamtjahr 2011 neu einen Umsatz von 7,0 Mrd bis 7,2 Mrd CHF und eine EBITDA-Marge vor Einmaleffekten zwischen 12,8% und 13,2%. Im vergangenen Juni veranschlagte das Unternehmen für das laufende Jahr noch einen Umsatz von 7,8 Mrd bis 8,0 Mrd CHF sowie eine EBITDA-Marge von 13,5 bis 14,5%.

Mittelfristziele unverändert

Der mittelfristige Ausblick auf die EBITDA-Marge vor Einmaleffekten bis 2015 bleibt unverändert. «Wir bestätigen unseren mittelfristigen Ausblick einer EBITDA-Marge vor Einmaleffekten von mehr als 17% für 2015», sagte Konzernchef Hariolf Kottmann bei einer Telefonkonferenz am Montag. Der Umsatz soll 2015 bei mehr als 10 Mrd CHF liegen, betonte der CEO. Der starke Franken gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung und dem US-Dollar schlägt sich gegenwärtig deutlich in den Büchern nieder. War Clariant zuletzt noch von einen Wechselkursverhältnis beim EUR/CHF-Paar von 1,21 bis 1,25 und beim USD/CHF von 0,87 ausgegangen, liege den neuen Zielen nun ein Kurs beim EUR/CHF von 1,14 und bei der US-Währung von USD/CHF 0,80 zugrunde.

Organisches Wachstum im H2 im tiefen einstelligen Bereich

In den ersten beiden Monaten des zweiten Halbjahrs 2011 wirkten sich zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die das operative Geschäft negativ beeinflussten, auf den Umsatz aus. Im Juli und August sei die Nachfrage zwar insgesamt robust geblieben, eine reduzierte Nachfrage in den USA und Europa sei jedoch sichtbar. Das organisches Wachstum in der zweiten Jahreshälfte beziffert Konzernchef Hariolf Kottmann auf einen «niedrigen einstelligen Bereich». Clariant geht denn auch gegenwärtig nicht von einem so deutlichen Geschäftsrückgang wie Ende 2008 aus. «Wir erwarten keinen Kollaps bei der Nachfrage», sagte Kottmann. Das erwartete organische Wachstum in der zweiten Jahreshälfte beziffert die Unternehmensführung auf einen niedrigen einstelligen Bereich.

Restrukturierung auf Kurs
Hinsichtlich der Übernahme der Süd-Chemie sieht sich Clariant auf Kurs. Ebenso verlaufe das Restrukturierungprojekt GANO (Global Asset Network Optimization) – es umfasst die Überprüfung und Verlagerung der weltweiten Produktionsstandorte – wie gewünscht. «Bei GANO und der Süd-Chemie-Integration laufen wir auf Hochtouren», so Kottmann.

Aktie schmiert ab
Die Titel stehen nach der neuen Zielsenkung unter deutlichem Abgabedruck. Am Mittag geben Clariant um mehr als 15% nach. Der Gesamtmarkt (SPI) reduziert sich um 3,0%. Nach Ansicht von Experten kommt die Gewinnwarnung nicht völlig überraschend. Hätten doch zuletzt zahlreiche exportorientierte Unternehmen unter der sich abschwächenden Konjunktur und dem starken Franken gelitten. Aus Sicht der Experten der Credit Suisse dürfte die reduzierte Richtlinie ein generell negatives Vorzeichen für den gesamten Chemiesektor sein.(awp/mc/upd/ps)

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