Coltene wächst schlagartig – Zukauf von SciCan und MicroMega für 195 Mio

Martin Schaufelberger
Coltene-CEO Martin Schaufelberger. (Foto: Coltene)

Altstätten – Coltene macht einen entscheidenden Schritt in Richtung künftiges Wachstum. Für rund 195 Millionen Franken will der Dentalproduktehersteller die beiden Unternehmen Scican und Micromega kaufen. Coltene-CEO Martin Schaufelberger spricht gegenüber AWP von einer Grossakquisition. Kein Wunder, immerhin steigt der Umsatz damit schlagartig um mehr als 50 Prozent an.

«Wir haben die Trends um uns herum genau beobachtet und halten den aktuellen Zeitpunkt für gut, um einen solch grossen Schritt zu wagen,» ergänzte der CEO vor Analysten und Journalisten auf einer Konferenz am Dienstag. Man werde so attraktiver – für Investoren und Kunden.

Gerade die Kunden dürften durch eine veränderte Gewichtung im aktuellen Produktportfolio profitieren, zeigt sich der Manager überzeugt. So ist Scican mit Sitz in Toronto, Kanada, ein spezialisierter Full-Service-Anbieter von Infektionskontrollprodukten und Sterilisationslösungen. Die französische Micromega wiederum entwickelt und produziert Instrumente für die Zahnerhaltung.

Wichtiger Markt erhält mehr Gewicht im Portfolio
Mit der Übernahme wird der Geschäftsbereich Endodontics etwas an Bedeutung gewinnen. Hier bringen die beiden Neuzugänge weitere Produkte, Märkte und Expertise mit in das Unternehmen. Wichtiger aber noch ist der Bereich Infektionskontrolle. Sowohl Schaufelberger als auch der Finanzchef Gerhard Mahrle betonen auf der Konferenz, dass dieses Geschäft immer wichtiger werde.

Das liege nicht zuletzt daran, dass die Regularien auch für Zahnärzte immer strikter werden und diese einer immer intensiveren Dokumentationspflicht unterstellt werden. Um diesen und den Patienten die bestmöglichen Lösungen zu bieten, wäre es essentiell, die entsprechenden Geräte dafür zu haben. Und genau hier komme dann Coltene ins Spiel.

Im Zuge der Übernahme werde man verstärkt auf die bereits vorhandenen Marketing- und Vertriebskanäle sowie die bereits existierenden Produktionsstätten setzen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass kein Personalabbau geplant ist, wie Schaufelberger bereits am Morgen im Gespräch mit AWP erklärt hatte.

Bisher hat Coltene eine Vereinbarung zur Integration der beiden Unternehmen unterzeichnet, die vom gleichen Eigentümer kontrolliert werden. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschafteten sie mit rund 410 Mitarbeitenden einen Umsatz von insgesamt etwa 128 Millionen kanadischen Dollar, was umgerechnet etwa 97 Millionen Franken entspricht. Zum Vergleich: Coltene erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 168 Millionen Franken. Nicht überraschend also, dass Coltene erwartet, den eigenen Gruppenumsatz durch diese Transaktion signifikant zu erhöhen.

Ziel-Marge in mehr als einem, weniger als fünf Jahren erreichbar
Mit Blick auf die Profitabilität rechnet Coltene damit, dass die aufgrund der Akquisition und Integration vorübergehend leicht verwässerte operative Marge wieder gesteigert werden kann. Dies dürfte zwar nicht schon nach einem Jahr der Fall sein, aber es werde auch keine fünf Jahre dauern, erklärte der CEO.

Den Kaufpreis von 195 Millionen Franken will Coltene zu rund drei Vierteln mit Eigenkapital und zu einem Viertel mit Fremdkapital finanzieren. Hierfür werde der Verwaltungsrat den Aktionärinnen und Aktionären anlässlich der geplanten ausserordentlichen Generalversammlung vorschlagen, das Aktienkapital zu erhöhen.

Dies soll durch die Ausgabe von neuen Aktien im Rahmen eines Bezugsrechtsangebots an die bestehenden Aktionärinnen und Aktionäre sowie durch die Ausgabe von neuen Aktien an die Verkäufer von Scican und Micromega im Rahmen einer Sacheinlagekapitalerhöhung geschehen. (awp/mc/ps)

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