Comparis gegen Angriff auf die Wahlfranchisen

Felix Schneuwly

Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte von comparis.ch. (Bild: Felix Schneuwly/Twitter)

Zürich – Der Bundesrat will 2 Franchisenstufen streichen und die Maximalrabatte auf den verbleibenden Wahlfranchisen kürzen. Die Folgen dieses Angriffs auf die Eigenverantwortung der Versicherten wären höhere Prämien für alle Versicherten, insbesondere aber für junge Erwachsene. Obwohl das Parlament eigentlich die jungen Erwachsenen durch tiefere Prämien entlasten will.

Der Bundesrat schlägt vor, die Krankenversicherungsverordnung (KVV) zu ändern: er möchte die Wahlfranchisen von 1000 und 2000 Franken für Erwachsene in der obligatorischen Grundversicherung streichen. Versicherte werden nur noch zwischen den Franchisenstufen 300, 500, 1500 und 2500 wählen können. Ausserdem dürfen Krankenkassen heute einen Prämienrabatt von bis zu 70 Prozent auf die Wahlfranchisen gewähren. Dieser Rabatt soll für die 1500er- und 2500er-Franchisen auf 60 respektive 50 Prozent gekürzt werden. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch wehrt sich im Interesse der Versicherten gegen diese Verordnungsänderungen und fordert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf, den Entwurf fallen zu lassen.

Bevormundung des Bürgers
Es liegt in der Verantwortung des einzelnen Versicherten, die für ihn geeignete Franchisenstufe zu wählen. Überlegungen bei der Wahl sind etwa die Einschätzung über den persönlichen Gesundheitszustand und die eigene finanzielle Situation. Je gesünder ein Versicherter ist, desto höher ist in der Regel seine gewählte Franchisenstufe, so dass sein Prämienrabatt höher ausfällt.

Das BAG möchte durch das Streichen von 2 Franchisenstufen das Prämiensystem vereinfachen und die Transparenz verbessern. «Eine simple Einschränkung bei den Wahlfranchisen bedeutet aber vielmehr die Bevormundung des Versicherten», hält Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte von comparis.ch fest. «Denn jeder Versicherte ist fähig, zwischen verschiedenen Franchisenstufen zu unterscheiden. Ausserdem verschwinden Versicherungsprodukte, die der Kunde nicht will, früher oder später sowieso aus dem Angebot», so der Experte.

Höhere Prämien für alle Versicherten
Die Aufhebung der Wahlfranchisen und Rabattkürzungen hat ausserdem einen unerwünschten Nebeneffekt. «Versicherte reagieren auf Rabattkürzungen erfahrungsgemäss, indem sie tiefere Franchisenstufen wählen», meint Schneuwly. Bezahlen Versicherte weniger medizinische Leistungen selber, werden diese Leistungen über die Grundversicherung abgerechnet und erhöhen das Prämienvolumen insgesamt. Die Prämien steigen folglich für alle Versicherten. «Das fragile Gleichgewicht von Solidarität und Eigenverantwortung wird gefährdet», folgert Schneuwly.

Gerade junge Erwachsene werden mit Rabatt-Kürzungen bestraft: Sie wählen häufig die höchste Franchisenstufe, weil sie gesund sind und dementsprechend von dem höchsten Prämienrabatt profitieren wollen. Das stehe im Widerspruch zum Ziel des Parlaments, die Prämien für junge Erwachsene zu senken, so Schneuwly.

Prämienrabatt  
Der Prämienrabatt von aktuell bis zu 70 Prozent gilt nur für den Betrag der Wahlfranchisen minus der obligatorischen Mindeststufe von 300 Franken. Ein Beispiel: Bei einer 2500er-Franchise werden 70 Prozent auf 2200 Franken gewährt – die Krankenkassen können ihren Versicherten somit einen Maximalrabatt von 1540 Franken auf die Prämie geben. (comparis.ch/mc/ps)

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