Dätwyler rutscht wegen Devestitionen 2019 in die roten Zahlen

Dätwyler rutscht wegen Devestitionen 2019 in die roten Zahlen
Dätwyler-CEO Dirk Lambrecht. (Foto: Dätwyler)

Altdorf – Der Industriekonzern Dätwyler hat 2019 den Umsatz stabil gehalten. Wegen des Verkaufs der Teilbereiche Nedis und Distrelec ergab sich indes ein Verlust. Dennoch wird eine unveränderte Dividende ausgeschüttet.

Der Umsatz blieb mit einem Minus gegenüber dem Vorjahr von 0,1 Prozent bei 1,36 Milliarden Franken praktisch stabil. Die fortgeführten Geschäftsbereiche, das heisst die Division Sealing Solutions und der verbleibende Teil aus der Division Technical Components, Reichelt, legten dagegen um 2,6 Prozent auf 1,09 Milliarden zu. Ohne den negativen Einfluss der Währungen hätte hier gar ein Plus von 5 Prozent resultiert, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Gewachsen ist das Restgeschäft von Dätwyler insbesondere dank zweier Akquisitionen, ansonsten hätte sich organisch gesehen ein knappes Minus von 0,6 Prozent ergeben. Die verbleibende Division Sealing Solutions sah sich laut Dätwyler mit einer «nachlassenden Konjunkturdynamik und entsprechend schwierigen Märkten» konfrontiert. Der Handelsstreit zwischen den USA und China habe zudem insbesondere in der Automobilindustrie zu einem Abbau von Lagerbeständen und einer rückläufigen Nachfrage geführt.

Hoher Buchverlust
Die Division Technical Components verschwindet bekanntlich mit dem Verkauf von Nedis und Distrelec. Kurz vor Weihnachten wurde angekündigt, dass man sich künftig auf das margenstarke Dichtungsgeschäft fokussieren und die Distributionsbereiche für elektronische Komponenten deshalb verkaufen werde. Bereits 2018 liess Dätwyler durchblicken, dass das Geschäft mit den Elektronikteilen, das schon länger mit schwachen Margen kämpfte, Fortschritte machen müsse oder zur Disposition gestellt werde. Im August 2019 wurde dann die Division offiziell ins Schaufenster gestellt.

Für die beiden Teil-Unternehmen Distrelec und Nedis wurde mit der deutschen Investmentgruppe Aurelius bereits ein Käufer gefunden, der Abschluss der Transaktion soll noch im ersten Quartal 2020 erfolgen. Als Distributoren von elektronischen Komponenten haben Distrelec und Nedis 2018 zusammen mit rund 850 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 300 Millionen Franken erwirtschaftet. Für den Verkauf des Onlinedistributors Reichelt will sich Dätwyler derweil Zeit nehmen, um einen guten Verkaufspreis zu erhalten.

Dies war beim Verkauf von Distrelec und Nedis nicht der Fall, denn daraus resultierte ein hoher Buchverlust von 670 Millionen Franken. 420 Millionen Franken davon entfielen auf Goodwill, 50 Millionen auf Währungseffekte, 180 Millionen auf Abschreibungen und 20 Millionen auf Restrukturierungskosten, wie Dätwyler bereits im Januar wissen liess. Und ein Teil dieser Kosten wurde bereits mit dem Geschäftsabschluss 2019 verbucht.

Stabile Dividende trotz Verlust
Entsprechend präsentieren sich denn auch die Gewinnziffern für das vergangene Jahr rot. Der operative Verlust (EBIT) lag bei 40,3 Millionen Franken und der Reinverlust bei 86,6 Millionen. Hier sind Wertberichtigungen und Einmalkosten für die Umstrukturierung des Konzerns von insgesamt 190,0 Millionen enthalten sowie Anlaufkosten für ein neues Healthcare-Werk in den USA von 9,2 Millionen, also insgesamt knapp 200 Millionen.

Das fortgeführte Geschäft hat einen um diese Faktoren bereinigten EBIT-Gewinn von 168,7 Millionen Franken erzielt, wobei die entsprechende Marge auf 15,5 Prozent um 180 Basispunkte zurückfiel.

Den Aktionären soll eine unveränderte Dividende von 3 Franken je Inhaberaktie und von 0,60 Franken je Namenaktie ausbezahlt werden. Dätwyler begründet dies mit der «soliden Ertragskraft und den vielversprechenden Perspektiven».

Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2020 heisst es, dass für das fortgeführte Geschäft, also die Division Sealing Solutions inklusive Reichelt, ein Umsatzwachstum von 2 bis 5 Prozent angestrebt werde sowie eine EBIT-Marge von über 15 Prozent.

In der Jahresrechnung 2020 wird zudem durch die Dekonsolidierung von Distrelec und Nedis ein nicht liquiditätswirksamer Verlust von 415,3 Millionen aus der Goodwill-Ausbuchung und von 53,4 Millionen aus der Realisierung der kumulierten Währungsumrechnungsdifferenzen der veräusserten ausländischen Gesellschaften anfallen, insgesamt also knapp 469 Millionen. (awp/mc/ps)

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