Das Rezessions-Gespenst geht um

Rezession
(Foto: Valerie Potapova - Fotolia)

(Foto: Valerie Potapova – Fotolia)

Zürich – Die KOF hat ihre Prognose vom Dezember 2014 angesichts des «Franken-Schocks» aufdatiert. Sie erwartet einen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Sommerhalbjahr 2015. Die Arbeitslosenquote dürfte steigen, die Preise weiter fallen. Die Ökonomen von Safra Sarasin erwarten in den ersten zwei Quartalen des Jahres eine Rezession

Am 15. Januar 2015 hob die Nationalbank den Mindestkurs des Schweizerfrankens zum Euro auf. Daraufhin wertete sich der Franken schlagartig auf und pendelt seither um die Parität zum Euro. Die KOF hat aufgrund der neuen wirtschaftspolitischen Situation ihre modellgestützte Konjunkturprognose vom Dezember 2014 basierend auf der neuen Annahme eines Wechselkurses von 1 Fr./Euro bis Ende 2016 neu berechnet. Zusätzlich wurde berücksichtigt, dass der Ölpreis stärker gefallen ist als in der Dezemberprognose unterstellt (auf 50 Dollar pro Barrel anstatt auf 70 Dollar).

Kurze Rezession im Sommerhalbjahr
Das Resultat dieser beiden veränderten Rahmenbedingungen ist, dass die Schweizer Wirtschaft im Sommerhalbjahr 2015 eine kurze Rezession durchmacht. Allerdings muss betont werden, dass heftige Schocks wie eine abrupte Währungsaufwertung um 20% die Prognosegüte von Konjunkturmodellen beeinträchtigen. Der unmittelbare Effekt der Frankenaufwertung auf die Schweizer Konjunktur wird über die Exporte vermittelt. Diese dürften in der ersten Hälfte des laufenden Jahres stark sinken. Dabei führt der Ölpreisrückgang zu einem Einbruch der Erlöse aus dem grösstenteils von der Schweiz aus administrierten internationalen Handel mit Öl («Transithandel»). Dies betrifft aber nur die Wertschöpfung zu laufenden Preisen und nicht die reale Wertschöpfung.

Sinkende Exporte – BIP-Rückgang von 0,5 % im laufenden Jahr
Letztere sinkt vielmehr, weil die Aufwertung des Frankens sowohl die Warenexporte als auch die Ausfuhren von Tourismusleistungen und Finanzdienstleistungen belastet. Insgesamt erwartet die KOF einen Rückgang der Exporte um 1.4% im laufenden Jahr. Die Firmen reagieren nicht sofort auf die verminderte Nachfrage aus dem Ausland, sondern produzieren zunächst auf Lager. Ab dem 2. Quartal 2015 dürfte dann jedoch die Produktion eingeschränkt werden. Die KOF erwartet eine kurze Rezession im Sommerhalbjahr und für das Gesamtjahr 2015 einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0.5%.

Konsumenten werden zögerlicher
Der aussenwirtschaftliche Schock überträgt sich auf das Inland. Dabei hält sich der private Konsum angesichts sinkender Preise und der Möglichkeit des Einkaufstourismus zunächst noch gut. Investitionen in Ausrüstungen werden aber zunehmend zögerlicher getätigt, weil die Wechselkursanpassung den durch die Zweifel am Fortgang des bilateralen Prozesses bereits gebeutelten Produktionsstandort Schweiz noch unattraktiver gemacht hat. Gleichzeitig trüben sich die Bauinvestitionen ein, was in keinem Zusammenhang zur Frankenaufwertung steht, sondern sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet hat.

Steigende Arbeitslosigkeit
Die angespannte Lage der Unternehmen bedeutet für die öffentliche Hand Steuerausfälle. Daher erwartet die KOF, dass die öffentliche Verwaltung sowie andere überwiegend öffentlich finanzierte Branchen wie das Bildungs- und Gesundheitswesen, welche seit Beginn der Finanzkrise zu den Jobmotoren gehört hatten, zunehmend weniger Arbeitskräfte nachfragen, während im privaten Sektor Arbeitsplätze abgebaut werden. Entsprechend wird für 2015 ein Rückgang der auf Vollzeitäquivalente umgerechneten Beschäftigung um 0.3% und für 2016 ein weiteres Minus von 1.8% prognostiziert. Dabei steigt die Quote der registrierten Arbeitslosen von 3.2% im Jahr 2014 auf 3.4% im laufenden und 4.1% im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote gemäss internationaler Definition (die auch Ausgesteuerte berücksichtigt) liegt mit 4.4% (2015) und 4.9% (2016) höher.

Die Verschlechterung der Beschäftigungssituation drosselt den Lohnauftrieb und lässt nächstes Jahr das gesamte Arbeitnehmereinkommen stagnieren. Darauf reagieren die Privathaushalte in zunehmendem Mass mit Konsumzurückhaltung trotz sinkender Preise. Für die Teuerung, gemessen am Landesindex der Konsumentenpreise, werden für das laufende und das kommende Jahr negative Raten von -1.5 und -0.4 erwartet.

Auch Ökonomen von Safra Sarasin erwarten Rezession
Auch die Ökonomen von Safra Sarasin haben ihre Konjunktur-Prognosen für die Schweiz nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB drastisch gesenkt. Sie rechnen nun in den ersten zwei Quartalen 2015 mit negativen Wachstumsraten und sprechen – entsprechend der üblichen Definition für zwei Quartale mit negativen Wachstumsraten in Folge – von Rezession in der Schweiz. Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose für das reale BIP-Wachstum knapp im Plus.

Detailhandel, grenznahes Gewerbe, Export und Tourismus stark betroffen
Der Detailhandel und das Gewerbe in grenznahen Bereichen dürften unter den veränderten Wechselkursrelationen besonders leiden. Im Exportsektor seien insbesondere Firmen betroffen, welche in einem preissensitiven Umfeld operierten – in erster Linie der Tourismussektor. Mit dem Wegfall der Wechselkursuntergrenze vermindere sich für Unternehmen die Planungssicherheit, was eine Abschwächung der Investitionen nach sich ziehen dürfte.

Jahreswachstum von 0,4 %
Die Entwicklung des Frankens ging für die Prognostiker der Basler Privatbank zwar “durchaus in die richtige Richtung”, die Schnelligkeit der Aufwertung stelle die Wirtschaft allerdings vor eine starke Belastung. Sie erwarten daher im ersten und zweiten Quartal negative Quartalswachstumsraten und haben ihre Jahreswachstumsprognose auf 0,4% (von 1,4%) gesenkt.

Divergierende Konjunkturtrends
Mit anderen Worten, heisst es weiter, schwäche sich die hiesige Konjunktur in einer Phase ab, in der die Euroland-Konjunktur etwas an Fahrt gewinne. Die divergierenden Konjunkturtrends würden sich in der Schweiz in den nächsten Monaten in enttäuschenden Stimmungsindikatoren und steigenden Arbeitslosenquoten niederschlagen. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.