Deloitte CFO-Umfrage: Aufschwung verstärkt sich weiter

Deloitte CFO-Umfrage: Aufschwung verstärkt sich weiter
Michael Grampp, Chefökonom bei Deloitte Schweiz. (Foto: Deloitte)

Zürich – Rosige Aussichten für Schweizer Unternehmen: Die Finanzchefs sehen die Konjunkturentwicklung so positiv wie noch nie seit 2009. Mit den voraussichtlich höheren Erträgen soll stärker investiert werden. Die CFOs fühlen sich gemäss der neuen Deloitte-CFO-Umfrage weitgehend sicher – als wachsendes Risiko sehen sie aber den Fachkräftemangel. Auf europäischer Ebene geht der Wirtschaftsaufschwung weiter, es klaffen aber Unterschiede: Grossbritannien leidet zurzeit im Schatten der Brexit-Wolken, Frankreich steht hingegen unter dem Einfluss des Macron-Hochs.

Die Schweizer CFOs haben die Entwicklung der Konjunktur seit Beginn der Umfrage 2009 noch nie so positiv eingeschätzt. Der Optimismus ist seit dem Frankenschock stetig gestiegen. 88% sehen die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft in den nächsten 12 Monaten positiv und nur 3% rechnen mit einer Rezession. Die finanziellen Unternehmensaussichten für die nächsten 12 Monate bleiben etwas unter dem Rekordwert vom Herbst 2017, erreichen aber immerhin das zweitbeste Ergebnis seit dem der Freigabe des Wechselkurses durch die Nationalbank. Mehr als zwei Drittel (68%) sind optimistisch, nur 11% rechnen mit schlechteren Ergebnissen. Mit nur kleineren Veränderungen bleiben die Unternehmensaussichten damit seit Ende 2016 äusserst positiv.

«Die Abschwächung des Schweizer Frankens und der anhaltende Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone unterstützen die Schweizer Exportindustrie. Diese hatte ihre Wettbewerbsfähigkeit zuvor, trotz der Herausforderungen der Finanzkrise und dann des Wechselkursschocks, grösstenteils erhalten oder sogar steigern können. Sie profitiert nun besonders stark vom verbesserten Umfeld und wirkt belebend auf die Schweizer Wirtschaft», sagt Michael Grampp, Chefökonom von Deloitte Schweiz.

Umsätze und Margen im Plus
Laut der bei 100 Schweizer CFOs von mittleren und grösseren Unternehmen durchgeführten Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte sollten die Umsätze in den kommenden zwölf Monaten mehrheitlich steigen. Über drei Viertel (77%) rechnen mit einem Wachstum, nur 12% befürchten einen Rückgang. Die Zahlen liegen damit auf ähnlich hohem Niveau wie in der Vorperiode. Angestiegen sind hingegen die Margen-Erwartungen: Inzwischen rechnen 46% mit steigenden Margen, im Herbst 2017 waren es noch 41% gewesen.

Die von den CFOs wahrgenommene Unsicherheit nimmt seit dem Frankenschock laufend ab: Waren es Anfang 2015 noch 81%, die eine hohe Unsicherheit im finanziellen und wirtschaftlichen Umfeld wahrnahmen, sind es aktuell noch 45%. Trotzdem zeigen sich die Unternehmen vorsichtig, denn die Risikobereitschaft ist leicht gesunken. Bei der Einschätzung der wichtigsten Handelspartner der Schweiz hat sich die Reihenfolge verschoben und Frankreich hat Deutschland als Land mit der tiefsten wahrgenommenen Unsicherheit abgelöst. Als vergleichsweise unsicher gelten nach wie vor Grossbritannien und die USA. An die Unsicherheiten in der Zusammenarbeit mit China haben sich die meisten CFOs gewöhnt, nur 15 Prozent gehen von hohen politischen Unsicherheiten aus.

«Innerhalb Europas haben sich die Unsicherheiten wieder etwas intensiviert, man denke nur an die unsichere politische Situation in Italien und die erneute Umschuldungsdiskussion in Griechenland. Eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Risiken einzelner Länder ist daher unabdingbar», erläutert Alessandro Miolo, Leiter CFO-Programm bei Deloitte Schweiz.

Weltpolitische Lage verunsichert
Am meisten Sorgen bereiten den Finanzchefs die wachsenden geopolitischen Unsicherheiten, aber auch interne Herausforderungen. Regulierung und Fachkräftemangel werden als zunehmende Risiken eingeschätzt. Die Währungsrisiken haben sich hingegen weitgehend entschärft. Die Finanzchefs zeigen sich sehr investitionsfreu­dig: Rund die Hälfte (48%) rechnet mit einer Zunahme der Investitionen, das ist der dritte Anstieg in Folge und der höchste Wert nach dem Frankenschock. Bei den Mitarbeitenden scheint die Planung etwas zurückhaltender, denn nur 40 Prozent geht von steigenden Zahlen aus – ein erneuter Rückgang zur vorhergehenden Umfrage.

Rückstand bei der Digitalisierung
Die Digitalisierung spielt heute in den Schweizer Unternehmen eine wichtige Rolle. Dies gilt insbesondere bei der Verbesserung von Prozessen (56%) und der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen (51%). Die Investitionen in digitale Technologien sollen in der Schweiz noch deutlich zunehmen, wie 63 Prozent der Befragten angaben. Dies gilt insbesondere für weitere Verbesserungen in der Organisation und bei den Abläufen, wo 80% der Schweizer CFOs eine Zunahme erwarten. Der Einsatz disruptiver Technologien scheint hingegen noch weniger verbreitet, ein knappes Fünftel der Befragten plant in diesem Bereich keinerlei Investitionen und nur 43% wollen mehr ausgeben.

«Digitalisierung steht bei den meisten Unternehmen zwar weit oben auf der Prioritätenliste, vielen CFOs ist aber noch nicht bewusst, dass nicht nur bestehende Abläufe verbessert werden, sondern dass Ertragsmodelle komplett auf den Kopf gestellt werden. Die Schweiz gehört international nicht zu den digitalen Spitzenreitern und hat vor allem bei der Gründerkultur, der Investitionsbereitschaft und den Patenten einen Aufholbedarf. Um ihren Wettbewerbsvorteil zu wahren, müssen Schweizer Unternehmen neue Wachstumschancen nutzen und den Spielraum für Digitalisierung voll ausschöpfen», sagt Alessandro Miolo.

Wirtschaftsmotor Europa brummt
Die Ergebnisse der CFO Befragung in 19 anderen Ländern zeigt ebenfalls ein positives Bild. Der Wirtschaftsauf­schwung in Europa ist intakt. Die Unternehmensaussichten sinken im Vergleich zum Herbst 2017 zwar leicht, bleiben aber deutlich positiv. Umsatz- und Margenerwartungen verbessern sich im europäischen Durchschnitt weiter, auch die Investitionserwartungen und die Prognosen zu den zukünftigen Mitarbeiterzahlen sind positiv.

Allerdings existieren erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Frankreich gehört in der Umfrage durchgehend zu den optimistisch eingestellten Ländern, Grossbritannien ebenso konsequent zu den pessimistischsten. Der wichtigste Schweizer Handelspartner – Deutschland – zeigt sich weitgehend zuversichtlich, ein gutes Zeichen für die wiedererstarkte Schweizer Exportindustrie.

Es bleiben gleichwohl einige Risiken vorhanden: Ein Anstieg des Protektionismus sowie Cyberattacken stehen europaweit klar im Vordergrund. Aus deutscher Sicht sind die grössten Risiken Fachkräftemangel und Geopolitik. Frankreich sieht die grössten Risiken in Europa selbst mit der EU-Steuer- und Sozialpolitik sowie potenziellen Wachstumshemmungen. Italien sieht Risiken dagegen vor allem im eigenen Land, in Form einheimischer Regulierungen und politischer Unsicherheit. Die grössten britischen Risiken sind eine einheimische Wachstumsschwäche und die Folgen des Brexit.

Brexit vs. Macron
«Der Beschluss über den Brexit und die Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten haben grossen Einfluss auf die Wirtschaft und die Stimmung bei den Unternehmen in den jeweiligen Ländern. Wie diese Auswirkungen langfristig ausfallen, ist aber noch unsicher. Macrons erste vermeintliche Reformerfolge wirken sich zwar positiv aus, gleichzeitig steigen aber die Erwartungen: Ohne rasche wirtschaftspolitische Erfolge kann die Stimmung bald wieder kippen. Weniger als ein Jahr vor dem erwarteten EU-Austritt Grossbritanniens ist das genaue Prozedere noch immer unklar, so dass auch Unsicherheit über das zukünftige Unternehmensumfeld hoch bleibt», erläutert Michael Grampp. (Deloitte/mc/ps)

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