Der Ceneri-Basistunnel ist eröffnet

Ceneri-Basistunnel
Höchstgeschwindigkeiten im Ceneri-Basistunnel. (Foto: ATG)

Bern – Am Freitag um 11.33 Uhr hat der erste Güterzug den Ceneri-Basistunnel von Norden nach Süden durchfahren. Damit ist der neue Tunnel offiziell eingeweiht. In ihrer Rede lobte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga den weitsichtigen Entscheid der Schweizer Bevölkerung, die vor 28 Jahren an der Urne das Eisenbahnbaugrossprojekt „Neat“ gutgeheissen hatte.

Das Signal zur Durchfahrt des ersten Zuges durch den neueröffneten Tunnel gab SBB-CEO Vincent Ducrot gemeinsam mit dem CEO der Erbauerin AlpTransit AG (ATG), Dieter Schwank. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga – ganz tessinerisch in Rot-Blau gekleidet – durchschnitt das rote Band, begleitet von den Worten „Viva il treno, viva il Ticino, viva la Svizzera!“.

Kurz vor 11 Uhr hatte die Bundespräsidentin gemeinsam mit dem Tessiner Bundesrat und Aussenminister Ignazio Cassis in einem Sonderzug von Norden her den Festplatz in Camorino erreicht. Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi fuhr in einem Tilo-Zug von Locarno her vor. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie musste die Gästezahl im Festzelt auf 45 beschränkt werden.

In 15 Minuten von Bellinzona nach Lugano
In ihrer Rede unweit des Ceneri-Nordportals erzählte Simonetta Sommaruga von ihrer Kindheit. Damals habe sie fast alle Ferien im Tessin verbracht, und zwar in Bellinzona, also im Sopraceneri – obwohl der Heimatort ihrer Familie im Sottoceneri liege.

„Die Reise nach Lugano dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Sie führte über den Berg, den Monte Ceneri“, erinnerte sich Sommaruga. Statt über den Berg gehe es jetzt durch den Berg. „Wer von Bellinzona nach Lugano fährt, braucht nur noch 15 Minuten.“

Der Ceneri-Tunnel stärke den öffentlichen Verkehr – „und er stärkt das Tessin“, fuhr die Bundespräsidentin fort. Der Tunnel bringe die Schweiz näher zusammen.

Sommaruga lobte weiter den „weitsichtigen“ Entscheid der Schweizer Bevölkerung, die sich 1992 an der Urne für die Neat ausgesprochen hatte. Viele Länder würden die Schweiz um deren „intelligente Verlagerungspolitik“ beneiden.

Raum für weitere Tunnel-Zufahrt
Der Ceneri-Basistunnel sei zusammen mit Gotthard und Lötschberg „das Herzstück des wichtigsten Bahnkorridors zwischen Nordsee und Mittelmeer“, fuhr Sommaruga fort. Einer der vielen Pfeiler des Bahn-Viadukts vor dem Nordportal nenne man „la Ballerina“, erzählte die Bundespräsidentin. Dieser Pfeiler sei etwas schmaler als die anderen, und er drehe sich leicht.

La Ballerina sei extra so gedreht, dass spätere Generationen eine weitere Zufahrt zum Ceneri bauen könnten. „Das ist klug, weitsichtig, vorausschauend: So wollen wir weiterhin unsere Verkehrspolitik gestalten“, schloss die Bundespräsidentin.

Mit Leichtigkeit von Locarno nach Lugano
Der Tessiner Bundesrat Ignazio Cassis bezeichnete die Tunnelerbauerin AlpTransit Gotthard AG als „Klebestoff“, der die Schweiz zusammenhalte. So verbinde der Ceneri-Basistunnel das Reich des Luganeser Stadtpräsidenten Macro Borradori (Lega) mit jenem von Mario Branda (SP), Stadtpräsident von Bellinzona.

Dank den schnelleren Verbindungen ab Mitte Dezember könne man künftig zwischen dem Festival del Film in Locarno und dem Estival Jazz in Lugano munter hin- und herhüpfen, prophezeite Cassis.

Mit der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels von Camorino im Norden bis Vezia im Süden ist die Neat vollendet. Sie gilt als grösstes Infrastrukturvorhaben, das die Schweiz je in Angriff genommen hat. Die Kosten belaufen sich auf rund 23 Milliarden Franken. (awp/mc/pg)

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