Detailhändler setzen 2026 auf Profilierung statt Preiskampf

Detailhändler setzen 2026 auf Profilierung statt Preiskampf
Preisbewusstsein und ein selektives Konsumverhalten dürften den Wettbewerbsdruck in der Schweiz erhöhen. (Pexels)

Zürich – Der Schweizer Detailhandel erwartet gemäss einer Studie 2026 nur noch ein moderates Umsatzwachstum. Angesichts der Konkurrenz durch Action, Rossmann, Temu und Co. wollen sich die Schweizer Unternehmen primär über Sortimente, Mehrwerte und Effizienz statt über die Preise differenzieren.

Es herrscht ein raues Klima: Für den Detailhandel erwartet die Grossbank UBS im laufenden Jahr nur noch ein moderates preisbereinigtes Umsatzwachstum von 0,8 Prozent, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten «Retail Outlook» hervorgeht. Im Jahr 2025 waren es der Schätzung zufolge etwa 1,8 Prozent.

Belastend wirken der Studie zufolge eine Abschwächung am Arbeitsmarkt und geringere Reallohnzuwächse. Aber auch der anhaltende Abfluss von Umsätzen ins Ausland durch den Onlinehandel dürfte den Schweizer Detailhändlern weiter zusetzen.

Mehr Druck
Der Wettbewerbsdruck habe deutlich zugenommen, sagte Retail-Berater Martin Hotz an einer Medienkonferenz. Er komme nicht nur von klassischen stationären Anbietern, sondern zunehmend auch aus dem digitalen Raum.

Neue Marktteilnehmer wie der niederländische Billig-Discounter Action oder die deutsche Drogerie-Kette Rossmann sowie der chinesische Onlineanbieter Temu verschärfen dem «Retail Outlook» zufolge die Preiskonkurrenz, insbesondere im Non-Food-Bereich. Die Situation erinnere an den Markteintritt von Aldi und Lidl vor rund 20 Jahren, als diese zunächst über den Preis einstiegen und später zusätzliche Leistungselemente aufbauten, sagte Hotz.

Ein Patentrezept für Schweizer Detailhändler gebe es nicht, jedes Unternehmen müsse seine eigene DNA analysieren und entscheiden, wo seine Stärken liegen. «Unternehmen tun gut daran, die Entwicklungen etwa rund um Temu nicht nur als ‚billigen Ramsch‘ abzutun und alles schlechtzureden, sowie darauf zu hoffen, dass der Ofen bald aus ist», sagte Hotz. «Die Gefahr ist da, und sie wird nicht kleiner.»

Besseres Marketing
Konkret setzen die Managements der Detailhändler 2026 laut einer Umfrage vor allem auf drei Hebel: die weitere Digitalisierung, eine Verbesserung der Sortimentsleistung sowie eine höhere Marketingeffizienz. Es gehe nicht um kosmetische Anpassungen, sondern darum, Sortiment, Preisstrategie und Leistungsversprechen grundlegend zu hinterfragen, sagte Hotz. Gerade der stationäre Handel verfüge dabei über Potenzial. Physische Läden könnten Erlebnisse und Emotionen bieten, die im digitalen Raum oft fehlten.

Die UBS-Studie untermauert den Druck: Rund 40 Prozent der Handelsunternehmen gaben in einer Umfrage an, dass der Konkurrenzdruck in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, planen viele Händler in den kommenden Jahren verstärkte Marketingaktivitäten zur Steigerung der Markenbekanntheit und zur Erschliessung neuer Kundengruppen.

Rund die Hälfte erwägt zudem neue oder weiterentwickelte Produkte. Preissenkungen stehen hingegen nicht im Vordergrund.

Wachstum fällt nicht mehr in den Schoss
An Bedeutung gewinnen auch strategische Partnerschaften und Kooperationen zwischen Händlern, Lieferanten und Herstellern. Knapp die Hälfte der Unternehmen sieht darin einen wichtigen Hebel zur Stärkung der Resilienz.

Nach einer Phase nahezu automatischen Wachstums durch Pandemie-Effekte und inflationsbedingte Preiserhöhungen müsse Wachstum heute wieder aktiv erarbeitet werden, heisst es in der Studie. Gefragt seien weniger, aber relevantere Angebote mit klarer Differenzierung und echtem Mehrwert für die Konsumenten. (awp/mc/pg)

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