Die Schweiz steigert ihre Wettbewerbsfähigkeit

Die Schweiz steigert ihre Wettbewerbsfähigkeit

Lausanne – Nach dem Taucher im Vorjahr ist die Schweiz im internationalen Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit laut dem Lausanner World Competitiveness Report 2019 wieder um einen Platz vorgerückt. Damit liegt unser Land auf Platz vier der Rangliste.

Derweil ist Singapur auf Platz eins geklettert und gilt damit zum ersten Mal seit 2010 als die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt, wie das Lausanner Management-Institut IMD am Dienstagabend mitteilte. Der Aufstieg Singapurs sei vor allem der fortschrittlichen technologischen Infrastruktur zu verdanken. Aber auch durch die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, vorteilhaften Einwanderungsgesetzen sowie einem günstigen Gründungsumfeld konnte der Insel- und Stadtstaat punkten. Hongkong liegt auf dem zweiten Rang.

Demgegenüber ist die vorjährige Nummer eins USA auf Platz drei zurückgefallen. Dies liegt laut IMD am langsam verblassenden Steuereffekt, der Präsident Donald Trump nach seinem Amtsantritt einen Vertrauensvorschuss eingebracht hatte. Mittlerweile sei die Wettbewerbsfähigkeit der grössten Volkswirtschaft der Welt durch höhere Kraftstoffpreise, schwächere Hi-Tech-Exporte und Schwankungen des Dollarkurses wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt worden.

Knapp am Podest vorbei
Die Schweiz stiess in der IMD-Rangliste derweil wieder von Platz fünf auf Platz vier vor. Trotz eines starken Wirtschaftswachstums, der Stabilität des Schweizer Frankens sowie der hochwertigen Infrastruktur hat die Schweiz aber knapp das Podest verpasst. In den Kategorien institutionelle Rahmenbedingungen sowie Gesundheitswesen und Umwelt rangiert die Schweiz indes an der Spitze.

„Einzigartiges Modell“
Die Schweiz sei ein Sonderfall, sagte IMD-Direktor Arturo Bris im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Ihr „einzigartiges Modell“ verhelfe der Schweiz zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Trotz der politischen Wirren und der konjunkturellen Sorgen in Europa sei das Land wettbewerbsfähiger geworden. Demgegenüber hätten mit Ausnahme von Irland die europäischen Staaten stagniert oder seien zurückgefallen.

„Obwohl es an natürlichen Ressourcen mangelt, hat die Schweiz ein Modell entwickelt, das die Wirtschaft stützt“, sagte Bris. Aber auch das exzellente Bildungssystem und die Konkordanz-Kultur seien Gründe für das gute Abschneiden. Dagegen habe die Schweiz bei der Effizienz der Regierungsmassnahmen an Terrain eingebüsst.

„Nichts ändern“
Von einer weiteren Annährung oder gar einem Beitritt zur EU rät der IMD-Chef indes ab: „Ich bin Spanier und tief europäisch, aber ich muss sagen, dass die Schweiz ein grosses Interesse daran hat, den Status quo zu erhalten“, betonte Bris. Die Schweiz sei aktuell in der Lage, alle Vorteile des gemeinsamen Marktes zu nutzen ohne die Kosten zu tragen. „Ich würde daher nichts ändern“, so sein Fazit.

Die meisten anderen europäischen Länder wie Frankreich oder Spanien hätten keine echte Strategie. Die Schweiz hingegen könne auf die Qualität ihrer Institutionen vertrauen. Warnende Worte findet Bris aber in Bezug auf das hohe Preisniveau sowie die Lebenserhaltungskosten hierzulande: „Diese sind sehr hoch und könnten bei steigender Ungleichheit eine Bedrohung für den Wohlstand darstellen.“

Das seit 1989 erhobene IMD-Weltwettbewerbsranking umfasst 235 Indikatoren zu total 63 Volkswirtschaften. Die Rangliste berücksichtigt eine Vielzahl von „harten“ Statistiken wie Arbeitslosigkeit, BIP und Staatsausgaben für Gesundheit und Bildung sowie „weiche“ Daten zu Themen wie sozialem Zusammenhalt, Globalisierung oder Korruption. (awp/mc/pg)

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