Drastischer Sparkurs bei Lufthansa

Christoph Franz

Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz.

Berlin – Die Lufthansa will einen drastischen Sparkurs einschlagen und dabei das Ergebnis im Passagiergeschäft um fast eine Mrd EUR jährlich verbessern. Betroffen ist auch ihre Tochtergesellschaft Swiss. Unter den Mitarbeitern herrsche weitgehend Einigkeit darüber, «dass ein simples ‹weiter so› für eine stabile und sichere Zukunft unseres Unternehmens nicht reichen wird», heisst es in dem Brief von Passagier-Chef Carsten Spohr, der nach Angaben eines Konzernsprechers am Freitag an die Mitarbeiter der Lufthansa verschickt wurde.

Die Airline arbeite unter «erschwerten Rahmenbedingungen», erklärte Spohr und verwies auf die Luftverkehrsteuer, den Emissionshandel und die Nachtflugverbote sowie die immer stärker werdende Konkurrenz durch Billigflieger und die zunehmend auf den Markt drängenden Fluggesellschaften aus den Golf-Staaten. Der Lufthansa-Konzern hatte im vergangenen Jahr insgesamt einen Verlust von rund 13 Mio EUR gemacht. «Unsere Rendite ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken», schreibt Spohr. «Im Jahr 2011 haben wir gerade noch ein Prozent unseres Umsatzes als Gewinn erwirtschaften können. Dass diese Marge in einer so investitionsintensiven Branche wie dem Luftverkehr nicht ausreicht, bedarf keiner weiteren Erläuterung.»

Zehn Massnahmen geplant
Die Konzernleitung habe sich deshalb drei Ziele gesetzt, erklärte Spohr: Zum einen wolle die Lufthansa in den Märkten in, von und nach Europa ihre Marktanteile sichern. Zudem sollten über 25 Jahre alte Flugzeuge nicht mehr eingesetzt werden, unter anderem, um den Treibstoffverbrauch zu senken. Drittens wolle das Unternehmen trotz der erforderlichen Milliarden-Investitionen in neue Flugzeuge nicht zu hohe Schulden machen. Der Brief führt zehn Massnahmen auf, mit denen die Fluggesellschaft den Gewinn ab 2014 deutlich steigern will. «Das wird jetzt nach und nach alles beschlossen und umgesetzt», sagte ein Lufthansa-Sprecher am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Verlustbringende Strecken sollen gestrichen werden
Vorgesehen ist demnach unter anderem die Streichung verlustbringender Strecken. Die Anzahl der Flugzeuge soll entgegen bisheriger Planungen bis 2014 nicht steigen. An den Flughäfen Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Strassburg und Köln werden die Geschäfte mit der hauseigenen Billigtochter Germanwings zusammengelegt. Auf Interkontinental-Flügen will Lufthansa in vielen Fällen nur noch zwei Klassen – Business Class und Economy Class – anbieten und keine First Class mehr. Gleichzeitig will die Lufthansa laut Spohr die Einführung einer Premium-Economy-Class prüfen.

Konzernweites Sparprogramm
Spurlos wird das Lufthansa-Sparprogramm an der Swiss nicht vorbeigehen: Auch am Standort Schweiz und bei der Swiss werden die Kosten überprüft. Die Schweiz sei ein relativ teurer Standort, hatte Lufthansa-Chef Christoph Franz Ende März in der «SonntagsZeitung» gesagt. «Wir werden uns daher überlegen müssen, in welchem Umfang und wo wir es uns noch leisten können, personalintensive Leistungen zu erbringen», sagte Franz. In Deutschland würden Jobs wegfallen, in der Schweiz sei es Sache der Swiss, Massnahmen vorzuschlagen. Ziel sei letztlich, das Volumen im Konzern zu bündeln.

Swiss hält am Flottenausbau fest
Am geplanten Flottenausbau und -ersatz will die Swiss dennoch festhalten. Swiss-Sprecherin Susanne Mühlemann sagte auf Anfrage denn auch, dass auch die Swiss Ertragssteigerungsmassnahmen erarbeite. Swiss-CEO Harry Hohmeister hatte im März in der «NZZ am Sonntag» angekündigt, 100 Mio CHF einsparen zu wollen. Auf der Kostenseite sollte dieser Betrag bis 2015 mit einem Einstellungsstopp in der Administration und Strukturüberprüfungen erreicht werden und auf der Einnahmeseite mit Effizienzsteigerungen bei der Flotte. Um die hohen Kerosinpreise zu kompensieren, zieht Hohmeister Aufschläge von 15 bis 20 CHF auf Ticketpreisen für Europaflüge in Betracht.

Gewerkschaft kündigt Widerstand an
Die Gewerkschaft Verdi hat Widerstand gegen die Sparpläne angekündigt. Man befürchte Personalabbau und Lohnkürzungen, sagte eine Verdi-Sprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. «Da werden wir einen Riegel vorschieben», fügte sie hinzu. Der Konzern wolle seinen operativen Spielraum erhöhen, darunter dürften aber nicht die Mitarbeiter leiden, die die Qualität miterarbeitet hätten. Von einem Treffen mit Konzernvertretern am 10. Mai erhofft sich die Gewerkschaft mehr Klarheit über die Pläne des Unternehmens. (awp/mc/ps)

 

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