e-Commerce: Verdoppelung bis 2020?

Online-Shopping

St. Gallen – Obschon gerade Schlagzeilen der grossen Medienhäuser und Ricardo.ch die Runde machen, der Schweizer eCommerce steckt gerade bei KMU immer noch in den Anfängen. Online wird immer noch als Kanal verstanden und stiefmütterlich behandelt, dabei vergeben sich Detailhandel und B2B Anbieter grosse Chancen, denn der Mensch wird immer mehr online konsumieren, recherchieren und Transaktionen tätigen.

Von Roger Basler, Geschäftsführer der Swiss eCommerce Academy

Das zeigen aktuelle Zahlen der Credit Suisse: 2013 erwirtschaftete der Schweizer Detailhandel noch insgesamt 4.7% des Umsatzes im Onlinehandel. Mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 6.6% zwischen 2009 und 2013 ist der Onlinehandel mittlerweile auf der Überholspur (konsumtechnisch). Im gleichen Zeitraum konnte der Detailhandelsumsatz insgesamt jedoch nur mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp 1% aufwarten. Experten gehen derzeit davon aus, dass sich in den kommenden 5 Jahren, also bis 2020, die aktuellen Onlinenanteile mehr als verdoppeln werden. Hierfür sind verschiedene Szenarien in Betracht gezogen worden, auch mit Ländern mit vergleichbaren Handelsstrukturen so die Autoren der Studie. Der heute auf 5% bezifferte (Inland) Onlineanteil soll so in 5 Jahren bereits 11% ausmachen. Ein Onlineanteil von 10 % bis 15 % ist mittelfristig also durchaus realistisch – positiv dazu äussert sich auch eine Studie der FHNW zum Thema e-Commerce im Jahr 2014.

Aufwand nicht unterschätzen
Dennoch, auch wenn unzählige Onlineshop Anbieter einem glauben machen, dass es „ganz einfach“ ist, einen Onlineshop aufzubauen und damit erfolgreich zu sein, stimmt das in den meisten Fällen nicht. Mit dem Aufbau des eigenen Onlineshops ist es mit Schnellschüssen nicht getan. Wer es alleine versucht, riskiert dabei oft eine unnötige Verlängerung und nicht selten endet der Versuch mit einem Übungsabbruch. Ein schlüssiges Design, umfassende Informationen über die zu verkaufenden Produkten (Produktbilder und Texte brauchen Zeit!) unterstützen den Kaufentscheid der Kunden und ein strukturierter Check out Prozess mit den richtigen Paymentmöglichkeiten reduziert die Anzahl Kaufabbrüche.

Wer Umsatz will, braucht Reichweite
Der Schlüssel zum Erfolg im Onlineverkauf liegt somit einerseits in einer stringenten und allumfassenden Vorbereitung, sowie in der qualitativ hochstehenden operativen Umsetzung im Tagesgeschäft, also das, was nach dem going-live kommt. Denn nun geht es darum, den Onlineshop und das Angebot im Netz bekannt zu machen. Es geht darum, das eigene Produktesortiment lebendig zu halten, Kunden bestmöglich zu betreuen sowie abzuholen und es geht darum, Bestellungen der Kunden zu verarbeiten, auszuliefern und sich allenfalls auch um Retouren zu kümmern. All das bedeutet Aufwand, der nicht unterschätzt werden sollte. Doch wer bereit ist, diese Aufwände auf sich zu nehmen und einen starken Partner an der Seite weiss, kann mit einem Online Verkaufskanal viel Freude und vor allem einen guten Umsatz erlangen. Wer Umsatz will, braucht Reichweite und um Reichweite zu erreichen benötigt man heutzutage einen Mix der richtigen Massnahmen aus Online Marketing, Content Marketing, Display- und Empfehlungsmöglichkeiten (zB Social Media Integrationen oder Kaufbewertungen etc.)

Welcher Online Shop ist nun der richtige für mich?
Ob kleiner Online-Shop oder professionelles Versandhandelsunternehmen – die Anforderungen an Ihr Online-Shop-System sind abhängig von den spezifischen Erfordernissen Ihres Geschäfts. Grundsätzlich stellt sich hier zuerst die Frage: Build or Rent – nutzen Sie den Online-Shop als Software-as-a-Service Lösung (Kurz Saas) oder lassen Sie den Shop von Grund auf aufbauen. Erfahrungen zeigen, dass gerade Startups und kleinere Unternehmen, welche keine komplexen ERP oder Data-Warehouse Prozesse abzubilden haben, gut daran tun, einen Shop als Mietlösung zu evaluieren. Zu den wichtigsten Kriterien zählt zweifellos der Funktionsumfang (Bedienbarkeit von Front- und Backend, Produktdarstellung, Mehrsprachigkeit, intelligente Suche, Suchmaschinenoptimierung, Erweiterbarkeit, u.v.m.), aber auch weitere Punkte wie z.B. die Zielgruppe, Supportvereinbarungen und nicht zuletzt das Budget müssen berücksichtigt werden. Will ein KMU oder eine (Privat-)Person den Schritt in den Online Handel wagen, sind Investitionskosten und laufende Kosten von grosser Wichtigkeit – schliesslich soll bewiesen werden, dass das eCommerce-Projekt auch einen Return on Investment garantiert. Diese Kosten sind erst dann zu beziffern, wenn alle Anforderungen definiert sind. Je nach Grösse, Ausstattung und Nutzung kann ein Haus eher kostengünstig oder eher teuer werden. Aufgrund eigener Erfahrung jedoch kann man sich (grob) an nachfolgenden Werten orientieren:

  • Konzeption und Planung: 20 Prozent
  • Design (auch Designvorschläge): 20 Prozent
  • Installation und technische Umsetzung: 50 Prozent
  • Projektmanagement: 10 Prozent

Dabei nicht inklusive sind: das CI/CD, das Abfüllen des gesamten Shops inklusive Fotografie und Beschreibung, sowie die externen Kosten für Schnittstellen zu Zahlungssoftware und Modulen. Auch können einzelne Punkte je nach Projektziel schwanken. So ist ein B2B-Portal unter Umständen im Design nicht so anspruchsvoll jedoch die technische Umsetzung von Kundenkonditionen, Rechtemanagement und Prozessabläufe sehr komplex. Auch bei einem Privatprojekt muss mit einem Minimalaufwand von 5 bis 8 Tagessätzen gerechnet werden – auch wenn die Software kostenlos verfügbar ist und man auf Software-as-a-Service-Anbieter (SAAS) zurückgreifen kann, so sind der Setup und das Abfüllen immer noch zu tätigen. Der Aufwand für einen eher kleinen Shop der über den privaten Gebrauch hinaus geht, hat einen Aufwand von rund 20 bis 30 Tagessätzen.

Betrieb und Wartung können 400 bis 600 Franken pro Monat kosten
Mit dem Setup des Online-Shops ist es jedoch noch nicht getan. Es braucht ein Budget für Betrieb und Wartung, für Support und Backup sowie Marketing. Betrieb und  Wartung können 400 bis 600 Franken pro Monat kosten, der Support ist Stundenabhängig und beim Marketing sollte man zusätzlich monatlich mit einer mittleren bis hohen dreistellige Summe für die Investition in AdWords, Bannerwerbung (Displaymarketing) und Referral-Plattformen planen. Später kann dies zwischen 10 bis 25 Prozent des Umsatzes betragen. Damit kommen wir auf Initialkosten von bis zu 20 000 Franken sowie laufenden Jahreskosten von 5000 Franken. Wer sich dieser Kosten nicht bewusst ist und diese auch nicht sofort finanzieren möchte, sollte sich im Vorfeld bei Profis und Praktiern gut informieren und die Szenarien entsprechend abwägen.

Roger Basler
ist Unternehmens-Architekt und Geschäftsführer der Swiss eCommerce Academy, welche die erste Praktikerausbildung im eCommerce für KMU lanciert hat: www.swiss-ecommerce-academy.ch

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