Emmi mit Wertberichtigung in Italien

Urs Riedener
Emmi-CEO Urs Riedener. (Foto: Emmi)

Urs Riedener, CEO Emmi (Bild: Emmi)

Luzern – Die Milchverarbeiterin Emmi muss für das erste Halbjahr 2014 einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Grund ist ein unbefriedigender Geschäftsverlauf im Jogurtbereich in Italien, der eine grössere Goodwillabschreibung erfordert. Entsprechend wird auch die Gesamtjahresprognose nach unten angepasst. Ausserdem verstärkt Emmi die Position im Bereich Bio-Produkte.

Die angespannte wirtschaftliche Lage in Italien und der unbefriedigende Geschäftsverlauf im Jogurtbereich hätten bei der italienischen Trentinalatte Wertberichtigungen von insgesamt 38,5 Mio CHF erfordert, teilte Emmi am Mittwoch überraschend mit. Davon sind 35,6 Mio ausserplanmässige Abschreibungen auf dem Sachanlagevermögen, während 2,9 Mio im sonstigen Betriebsaufwand enthalten sind. Für die Zukunft von Trentinalatte würden zudem alle Optionen – Weiterführung, Liquidation oder Verkauf – geprüft.

«Wertberichtigung unumgänglich»
CEO Urs Riedener kommentiert den Abschreiber in der Mitteilung folgendermassen: «Die schwierige Entwicklung in Italien machte die Wertberichtigung unumgänglich. Das ist bedauerlich. Es widerspiegelt gleichzeitig die Absicht von Emmi, Massnahmen zu treffen, anstatt ungemütliche Situationen tatenlos auszusitzen.» Neben dem stark negativen Effekt in Italien haben sich Verkäufe von Anlagevermögen – insbesondere einer Liegenschaft in Küssnacht – leicht positiv ausgewirkt. Kumuliert erhöhten diese beiden Sondereffekte den EBITDA um 1,1 Mio, reduzierten aber den EBIT und den Reingewinn deutlich um 34,5 Mio bzw. 35,4 Mio CHF.

Per Saldo sank das Betriebsergebnis (EBIT) von Januar bis Juni im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um 41% auf 39,8 Mio CHF und der Reingewinn um 76% auf 9,8 Mio CHF. Bereinigt um diese Effekte wären EBIT und Reingewinn um 14% bzw. 16% gestiegen. Aufgrund der unerwarteten Wertberichtigung wurden die Gewinn-Schätzungen der Analysten deutlich verfehlt, während sie auf bereinigter Basis etwas übertroffen wurden.

Mehr Umsatz erzielt
Der Umsatz konnte derweil um 3,7% auf 1,63 Mrd CHF gesteigert werden (Währungseffekt -1,7%) und lag damit im Rahmen der Prognosen. Ein gutes Wachstum habe man im Heimmarkt Schweiz (org. +0,9%), in den USA, in Spanien, Chile sowie in Tunesien erzielt, heisst es. Organisch resultierte konzernweit ein Wachstum von 4,1%. Der internationale Umsatz belief sich auf 724,0 Mio CHF und stieg damit um 7,1% (organisch 8,4%).

Zweistelliges Wachstum in der Division Americas
In der Division Americas, zu der auch Chile, Spanien oder Frankreich gehören, wuchs Emmi organisch zweistellig (+10,7%), während die Division Europa (Benelux, Deutschland, GB, Italien und Österreich) organisch lediglich 0,9% zulegen konnte. Rückgänge hätten hier das Jogurtgeschäft in Italien und Deutschland sowie der Export von AOP Käse verzeichnet.

Auslandstrategie bleibt unverändert
Für das Gesamtjahr 2014 bestätigt Emmi zwar die Umsatzprognose (3%-4% Konzernwachstum), muss aber die EBIT- und Reingewinnprognosen wegen der ausserordentlichen Effekte deutlich nach unten anpassen. Die im Frühjahr kommunizierte EBIT-Prognose (155-170 Mio CHF) wird auf 117 bis 132 Mio gesenkt, die Reingewinnmarge wird neu bei ca. 2% (bisher 3%) erwartet.

Trotz dem Rückschlag in Italien will Emmi ihre Auslandstrategie fortsetzen und «organisch sowie mit gezielten Akquisitionen wachsen», wie es heisst. Der Konzern hat diesbezüglich denn auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht und – zusammen mit den Semester-Zahlen – eine Erhöhung der Beteiligung an der deutschen Gläsernen Molkerei auf 76% von 24% bekannt gegeben (siehe separate Mitteilung).

Der Innerschweizer Konzern will mit der Mehrheitsbeteiligung der nordostdeutschen Biomilch-Verarbeiterin die Position im Bio-Geschäft stärken. Natürliche, nachhaltig hergestellte Produkte seien ein wichtiger Trend im Molkereigeschäft und dem wolle man in Zukunft «noch stärker Rechnung tragen», heisst es dazu.

Aktie unter Druck
Die Emmi-Aktie verliert in einem wenig veränderten Gesamtmarkt kurz nach 10 Uhr 3,2% auf 323,75 CHF, hat aber bereits einen guten Teil der anfänglichen Verluste (Tagestief 314 CHF) wieder wettgemacht. Die heutigen Kursverluste müssen aber auch in Bezug zu den Gewinnen der letzten Wochen gesetzt werden: vom 8. bis zum 21. August hatte das Papier um fast 16% zugelegt. Die bisher gehandelten Volumen sind sehr hoch, bereits ist das Eineinhalbfache eines üblichen Tagesvolumens der letzten Wochen umgesetzt. (awp/mc/pg)

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