EU-Experte: Macrons Wahl „gute Nachricht für die Schweiz“

Schweiz Frankreich

Brüssel – Am Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU dürfte die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten wenig ändern. Er ist ebenso EU-Befürworter wie sein Vorgänger François Hollande. Trotz allem findet Gilbert Casasus, Europa-Spezialist der Universität Freiburg, Macrons Wahl „eine gute Nachricht für die Schweiz“.

Denn Hollande habe nicht die Durchschlagskraft gehabt, die man von einem französischen Präsidenten habe erwarten können, sagte er zur Nachrichtenagentur sda. Marcon hingegen sieht Casasus als einen starken Mann: „Macron bedeutet die Stärkung des deutsch-französischen Tandems.“ Dieses Tandem werde eine neue Dynamik auslösen. „Die EU wird aufs Gaspedal drücken“, was sich gemäss Casasus positiv auf ganz Europa auswirken wird – und natürlich auch auf die Schweiz.

Zwar werde mit Macron auch der Druck auf die Schweiz steigen, aber das sieht Casasus mit Blick etwa auf das institutionelle Rahmenabkommen durchaus auch positiv. Macron dürfte auf ein Rahmenabkommen drängen, „und ein solches stärkt die Beziehung zwischen der Schweiz und der EU“, sagte der Professor für Europastudien.

Gutes bilaterales Verhältnis
Nicht zu vergessen: Mit dem Brexit, dem Ausscheiden der Briten aus der Union, sei die Schweiz nunmehr von den drei wichtigsten Ländern innerhalb der EU umgeben: Deutschland, Frankreich und Italien. „Ein gutes Verhältnis zu diesen Partnern ist sehr wichtig.“ Er hoffe daher, dass Macron bald zu einem Staatsbesuch in die Schweiz komme. „Denn wir müssen ein gutes bilaterales Verhältnis mit Frankreich pflegen“, sagte Casasus und verwies auf die starke wirtschaftliche, aber auch kulturelle Verflechtung zwischen den beiden Ländern.

Neue Impulse innerhalb der EU
Auch innerhalb der EU werde das Tandem Merkel-Macron neue Impulse setzen, ist Casasus überzeugt. Er sieht zudem Frankreich als einen wichtigen Vermittler zwischen Süd und Nord – dies sowohl zwischen nicht-europäischen Regionen wie dem Maghreb und der EU aber auch innerhalb der EU.

So etwa dürfte die Kritik der südlichen EU-Staaten am deutschen Handelsbilanzüberschuss bei Macron auf offene Ohren stossen. „Bereits im Wahlkampf hatte er dies ja thematisiert“, sagte Casasus. Daher werde der neue französische Präsident hierbei wesentlich dezidierter als Hollande gegenüber Deutschland auftreten. (awp/mc/pg)

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