Feintool trotzt dem starken Franken

Heinz Loosli

Heinz Loosli, CEO Feintool. (Foto: Feintool)

Lyss/Jena – Die Industriegruppe Feintool hat im ersten Halbjahr 2015 trotz des seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses erstarkten Frankens den Umsatz mehr oder weniger gehalten. Während der Verkauf grosser Feinschneide- und Umformanlagen unter der Frankenstärke und aufgeschobenen Aufträgen leidet, läuft die Produktion von Bauteilen für die Automobilindustrie auf Hochtouren. Feintool erhöht die Umsatzprognose für 2015 und die Aktie gewinnt an Wert.

In der Berichtswährung Franken sank der Umsatz um 0,5% auf 244 Mio CHF wobei in Lokalwährungen ein Plus von 4,3% resultierte, wie Feintool am Mittwoch mitteilte. In der Teilefertigung (System Parts) erhöhten sich die Verkäufe um 3,2% auf 212 Mio CHF (+8,8% in LW), im Investitionsgütergeschäft (Fineblanking Technology) sanken sie dagegen sowohl in Franken als auch in Lokalwährungen um je gut 15% auf 39,8 Mio.

Erfreuliche Entwicklung der Automobilindustrie
Die Automobilindustrie als Absatzmarkt von Feintool habe sich insgesamt erfreulich entwickelt, erklärte CEO Heinz Loosli am Standort Jena vor Analysten und Medienvertreter. Das Werk in Jena steuert nach einer Produktion im vergangenen Jahr von 85 Mio Lamellen-Teilen für Autogetriebe im laufenden Jahr auf einen neuen Rekord zu und strebt 2016 die Marke von 100 Mio Stück an.

Insgesamt habe sich die Automobilproduktion in Europa gegenüber dem tiefen Vorjahresniveau leicht erholt, so Loosli weiter. Das Feinschneidegeschäft der Feintool wuchs in Europa im Halbjahr in Lokalwährungen um 6,3% mit einer EBIT-Marge von 8,7%. Beim Umformen von Teilen wuchs der Umsatz um 5,7% (Marge: 5,9%).

Stabil gute Entwicklung in den USA
„Überraschend gut hat sich der Automarkt in den USA gehalten, nachdem wir zunächst mit einer Abschwächung gerechnet haben“, erklärte der CEO mit Blick nach Cincinnatti und Nashville, wo die Produktionskapazität fürs Teilegeschäft bis 2018 deutlich ausgebaut wird. Im Halbjahr stieg der US-Umsatz um beinahe 15% (Marge: 8,8%).

Die Teileproduktion in Asien mit Produktionen in Japan und neu in China ist mit einem Halbjahresumsatz von 21,4 Mio CHF (+4,6% in LW) noch relativ klein. Allerdings nahm der Absatz in China um 40% zu und zahlreiche Nominationen und Bemusterungen für neue Aufträge dürften das Produktionsvolumen künftig weiter in die Höhe treiben, wie Heinz Loosli ausführte.

Loosli bereiten die derzeitigen Wirren an den chinesischen Börsen sowie die Yuan-Abwertung und die damit verbundene Angst vor einer „harten Landung“ der Konjunkturentwicklung in der Volksrepublik wenig Sorgen. Im Automarkt dürfte gemäss dem CEO am ehesten der Verkauf von Mitteklasse-Wagen darunter leiden, während die Teile von Feintool hauptsächlich in teureren Autos von Audi oder Mercedes mit komplexen Getrieben eingesetzt werden. Ausserdem sei Feintool in China noch klein und könne daher wenig verlieren.

Profitabilität unter Druck
Deutlicher drückten die Wechselkurseffekte auf die Ergebnisentwicklung durch. Der Betriebsgewinn sank auf Stufe EBITDA um 7,6% auf 28,3 Mio CHF (-1,6% in LW) und auf Stufe EBIT gar um 16% auf 14,6 Mio (-9,0%). Die entsprechenden Margen belaufen sich auf 11,6% (EBITDA) bzw. auf 6% (EBIT). Das Konzernergebnis brach um 38% auf 7,4 Mio ein.

Ausblick erhöht
Im Ausblick zeigt sich Feintool zuversichtlich und erwartet für die zweite Jahreshälfte eine grundsätzlich positive Geschäftsentwicklung. Basierend auf den heutigen Rahmenbedingungen scheine ein Umsatz von rund 500 Mio CHF und eine EBIT-Marge zwischen 6 und 7% realistisch, hiess es. Noch im April wurde mit einem etwas tieferen Jahresumsatz zwischen 460 und 480 Mio CHF und einem EBIT von 27 Mio gerechnet.

Mittelfristig hält das Unternehmen an der Zielsetzung eines Umsatzes von 600 Mio CHF und einer operativen Marge von 8% fest. Darüber hinaus peilt Feintool dann eine Umsatzmarke von 800 Mio an. (awp/mc/pg)

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