Gategroup übernimmt für 130 Mio Franken Inflight Service Group

Xavier Rossinyol
Gategroup-CEO Xavier Rossinyol. (Foto: Gategroup)

Gategroup-CEO Xavier Rossinyol. (Foto: Gategroup)

Kloten – Der Airline-Caterer Gategroup übernimmt das schwedische Unternehmen Inflight Service Group (IFS) und wird damit gemäss eigenen Angaben zum Marktführer im Detailhandelsgeschäft über den Wolken. An der Schweizer Börse legt die Gategroup-Aktie deutlich zu.

Die Übernahme soll den Gategroup-Umsatz um 240 Mio CHF und den EBITDA um 13,4 Mio CHF pro Jahr steigern, wie die frühere Swissair-Tochter am Mittwoch mitteilt. Der Kaufpreis beträgt 130 Mio CHF. Zum Vergleich: Gategroup erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von gut 3 Mrd CHF und einen EBITDA von gegen 170 Mio CHF.

Marktführerin im Bereich Buy-on-Board-Dienstleistungen
Die Transaktion komplementiere das bestehende Geschäftsfeld und mache Gategroup zur Marktführerin im Bereich Buy-on-Board-Dienstleistungen (BoB), heisst es in der Mitteilung weiter. Zusammen mit dem BoB-Geschäft von Gategroup, das rund 270 Mio CHF ausmacht, werden die beiden Firmen in diesem Bereich somit einen Umsatz von gut einer halben Milliarde Franken machen, wie CEO Xavier Rossinyol an einem Call für Investoren erklärte. Dies entspreche bei einem Gesamtmarkt von rund 6 Mrd CHF einem Marktanteil von 9%.

Er betonte dabei vor allem auch den «exzellenten strategischen Fit» der Transaktion und das «starke Synergiepotenzial». IFS sei der führende Buy-on-Board-Anbieter für Fluggesellschaften in Europa und insbesondere auf Skandinavien und das Baltikum fokussiert. Zudem sei es auch für Fähr- und Kreuzfahrtlinien tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 300 Mitarbeiter in fünf Ländern. Bislang war es im Besitz von Fonds, die von Triton beraten werden.

Zugang zu Daten von 175 Mio Passagieren
Mit dem Kauf erhalte die Gategroup die Onboard-Technologie von IFS und die Daten zu Kaufpräferenzen von mehr als 175 Mio Passagieren, heisst es weiter. Buy on Board sei zu einem Schlüsselsegment der Bordverpflegung geworden, weil bereits etwa 50% des Kurzstreckenverkehrs, auf dem es keinen Gratisservice gibt, in Europa von Low Cost Carrier bedient werden.

Gategroup erhofft sich dadurch auch eine beschleunigte Ausweitung der eigenen automatisierten Vorbestellungs- und Vorauswahltechnologie (POPS). Diese biete den Fluggesellschaften die Möglichkeit, Onboard-Shoppinglösungen einfach zu implementieren und Umsätze zu steigern.

Gewinnsteigerung erwartet
Die Transaktion soll gemäss der Mitteilung das Ergebnis je Aktie (EPS) im ersten Jahr um 12% und im zweiten Jahr um 16% steigern (nach Synergien), wobei jährliche Kostensynergien von 6 Mio CHF angepeilt werden. Diese sollen durch die Optimierung der Fertigungskosten und durch die Integration von Gemeinkostenfunktionen innerhalb von 18 Monaten nach der Übernahme erzielt werden. Die Integrationskosten dürften im tiefen einstelligen Mio-CHF-Bereich ausfallen, wie Finanzchef Christoph Schmitz am Investoren-Call sagte.

Die Transaktion braucht noch den Segen der polnischen Kartellbehörden und soll bis Februar 2016 abgeschlossen werden. Sie werde vollständig über die bestehenden Kreditlinien finanziert, hiess es weiter.

Meilenstein in Gateway-2020-Strategie
«Die Transaktion ist viel mehr als nur eine wertsteigernde Akquisition», so CEO Rossinyol. «Sie ist überdies ein klarer Schritt auf dem Weg zur Schaffung des grössten Buy-on-Board-Anbieters in der Luftfahrtindustrie», zeigte er sich begeistert. Die Übernahme stelle einen weiteren Meilenstein in der Gateway-2020-Strategie dar.

Dabei sollen die laufenden Kostensenkungsmassnahmen, die sich plangemäss in Umsetzung befänden, mit Wachstum kombiniert werden. Der Konzernchef betonte auch, dass die Akquisition keine Abkehr vom bisherigen Kurs sei. «Die laufenden Effizienzsteigerungs- bzw. Kostensenkungs-Initiativen sind auf Kurs», betonte er.

Lob von Analystenseite
Am Aktienmarkt wurde die Akquisition mit einem Kurssprung aufgenommen. Phasenweise legte die Aktie um über 8% zu, zum Börsenschluss stand sie 3,96 % im Plus bei 42.05 CHF. Lob gab es auch von Analystenseite: Die Transaktion mache «strategisch Sinn», lobte etwa Helvea Baader. (awp/mc/pg)

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