Geberit-Aktien gesucht – Zukauf von Sanitec kommt gut an

Logo, Standort Geberit

Zürich – Geberit tätigt einen milliardenschweren Firmenkauf in Skandinavien und übernimmt für 1,29 Mrd CHF den finnischen Sanitärkeramikhersteller Sanitec. Das Ostschweizer Unternehmen steigt damit zum Marktführer bei Sanitärprodukten auf. Die Akquisition kommt bei den Analysten und Börsianern gut an – entsprechend deutlich legen die Papiere am Dienstag zum Handelsstart zu. Dass Geberit zur Finanzierung des Deals keine Kapitalerhöhung durchführen muss, unterstützt den Kurs zusätzlich.

Bis um 09.45 Uhr rücken Geberit Namen um 2,0% auf 295,50 vor; das Tageshoch wurde bei 305,50 CHF notiert. Mit knapp 81’000 Stück wurde bisher bereits ein ein übliches Tagesvolumen umgesetzt. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt notiert derweil 0,48% tiefer.

Geberit rückt nun auch „vor die Wand“
Mit diesem Deal rückt Geberit nun auch „vor die Wand“. War das Sortiment von Geberit bisher vor allem auf den Installateur ausgerichtet, macht man nun mit der Sanitärkeramik der Finnen einen grossen Schritt auf die Endkonsumenten zu. Und diese seien in der Regel die Hauptentscheidungsträger, wenn es um die Ausrüstungs des Badezimmers gehe, meint Martin Flückiger von Kepler Cheuvreux.

Das erweiterte Produktportfolio verändere zwar die DNA von Geberit, es werde aber gleichzeitig die Präsenz in Showrooms in Wachstumsmärkten erhöhen, meint Vontobel-Experte Christian Arnold hierzu. Die Marke „Geberit“ ist in seiner Bekanntheit einzigartig, merkt Sarasin-Experte Oskar Schenker hierzu an. Sanitec fahre hingegen eine Mehrmarkenstrategie, was bei der Verschmelzung der Unternehmen eine Herausforderung darstellen könnte.

Schritt „strategisch positiv“
Der am Berichtstag kommunizierte Schritt hat sich in den Augen von ZKB-Analyst Martin Hüsler in den letzten Jahren mit der Einführung des Dusch-WC und weiterer Produkte bereits abgezeichnet. Er wertet den Schritt als „strategisch positiv“, die überschüssigen Mittel würden so effizient eingesetzt.

Im Vergleich zum gestrigen Schlusskurs sei die angebotene Prämie „signifikant“, meint die Bank Vontobel. Das Timing der Akquisition scheine aber attraktiv. Kepler zufolge ist der Kaufpreis für Sanitec nicht überzogen, und laut ZKB liegen die bezahlten Multiples unter den vergleichbaren Zahlen von Geberit.

Als leichten Nachteil erachtet Hüsler die stärkere Abhängigkeit von Sanitec vom schwierigen europäischen Markt. Sanitec sei stark auf Europa ausgerichtet und erziele 31% des Umsatzes in Zentraleuropa, 25% in Nordeuropa, 17% in Südeuropa und 16% in Osteuropa. Arnold sieht sich die Sache von der anderen Seite an: Nun biete sich für Geberit Wachstumspotential in unterrepräsentierten Märkten.

Beeindruckender „track record“
Die Rentabilität von Sanitec liegt unter derjenigen von Geberit, ist also leicht gewinnverwässernd. Doch der „track record“ der Skandinavier sei beeindruckend: Die operative Marge auf Stufe EBITDA zeigte in den letzten fünf Jahren mit einer Verbesserung von 7,5% auf 14,6% stetig aufwärts. Damit habe Sanitec Mitbewerber wie Villeroy & Boch, Roca oder Rovese abgehängt, betont Arnold. Und durch das Sanitec-Netzwerk und den grösseren adressierbaren Markt könnte der Deal künftig zu einem höheren Umsatzwachstum führen, meint Sarasin-Experte Oskar Schenker. (awp/mc/ps)

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