Generikafirmen stellen in Coronakrise unentgeltlich Medikamente zur Verfügung

Generikafirmen stellen in Coronakrise unentgeltlich Medikamente zur Verfügung
Dr. Axel Müller, Geschäftsführer Intergenerika

Liestal – Die vom Preisüberwacher Stefan Meierhans in einem Kommentar auf blick.ch vom 20. April formulierte Kritik an angeblich zu hohen Generikapreisen ist gemäss Interegenerika nicht nur kontraproduktiv, sie zeuge zudem von mangelnder Sensibilität angesichts der aktuellen Corona-Krisenlage und sei als Beleg zu bewerten, dass sich Monsieur Prix nicht auf der Höhe der aktuellen Entwicklungen befinde.

Preisüberwacher macht mit Coronakrise Politik
„In den aktuellen Krisenzeiten, in denen wir alle mit Lieferengpässen zu kämpfen haben und sich die Generikahersteller mit allen Kräften einsetzen, die Medikamentenversorgung aufrecht zu erhalten, kommen die Angriffe des Preisüberwachers zum absolut falschen Zeitpunkt. Während die Politik die Zeichen der Zeit erkannt hat, und die Versorgungssicherheit angesichts der seit langem prekären und sich weiter verschärfenden Lieferengpässe klar als Priorität vor den Preisen setzt, giesst der Preisüberwacher mit seinen überholten Argumenten unnötigerweise Öl ins Feuer“, sagt Dr. Axel Müller, Intergenerika-Geschäftsführer.

Sich zuspitzende Versorgungslage
Eine der aktuell grössten Sorgen des eh schon strapazierten Gesundheitssystems sind die Lieferengpässe bei teilweise lebensnotwendigen Medikamenten. „Dass wir in der globalen Zuteilung von Arzneimittelwirkstoffen durch globale Zulieferer momentan überhaupt noch berücksichtigt werden, verdanken wir der Tatsache, dass wir im Gegensatz beispielsweise zu Deutschland, noch über faire Preise verfügen. Dort haben die Rabattverträge zu einer dramatischen Mangelversorgung geführt. Sollten die Preise aufgrund des anhaltenden Preisdrucks hierzulande weiter erodieren, würde das auch unsere Position empfindlich verschlechtern. Wer die Schweiz, wie es der Preisüberwacher macht, nur als alleinige Hochpreisinsel sieht, verkennt die aktuelle Lage. So zahlt Indonesien beispielsweise höhere Preise als Europa, um an Wirkstoffe zu kommen. Zudem haben sich die Weltmarktpreise mancher Wirkstoffe teilweise verfünffacht“.

Tiefpreispolitik mit fatalen Konsequenzen
Welche fatalen Konsequenzen diese Tiefpreispolitik haben kann, zeigen Recherchen von PharmaWiki zum Malariamedikament Hydroxychloroquin, welches seit dem Ausbruch der Coronaviruserkrankung Covid-19 an Patientinnen und Patienten getestet wird und auf Intensivstationen verstärkt nachgefragt wird. Während die Mepha Pharma AG in der Schweiz nach schon erteilter Zulassung ein Hydroxychloroquin-Generikum lancieren wollte, das gerade jetzt in der laufenden Coronakrise zur Versorgungssicherheit beitragen könnte, musste sie vorerst auf die Markteinführung verzichten. „Der Grund liegt in der Tiefpreispolitik für Arzneimittel in der Schweiz. Der vom BAG verfügte Preis war so tief, dass eine Vermarktung für das Unternehmen nicht mehr möglich war“, kommt „das grösste und unabhängige Medikamentenlexikon der Schweiz“ zum Schluss. Stattdessen haben nun die Generikafirmen Mepha und Sandoz das Präparat aus dem Ausland besorgt und den Hospitälern unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Mogelpackung Referenzpreissystem
Auch das vom Preisüberwacher angepriesene Referenzpreissystem für Generika, gegen das auch Ärzte-, Apotheker- und Konsumentenvertreter seit Jahren geschlossen opponieren, würde sich als eine Mogelpackung für Patientinnen und Patienten herausstellen. Allfällige Prämiensenkungen für Beitragszahler würden durch Mehrbelastungen bei Zuzahlungen aus dem eigenen Portemonnaie der Patienten in der Apotheke wieder zunichtegemacht werden.

„Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie befinden sich die Generikaunternehmen im Krisenmodus und sind rund um die Uhr für das Wohl des Schweizer Volkes aktiv. Uns liegt nichts ferner, als mit der Coronakrise Politik zu machen. Den unqualifizierten Angriff des Preisüberwachers empfinden wir deshalb als völlig unpassend und konnten ihn nicht unkommentiert stehen lassen“, schliesst Dr. Axel Müller. (Intergenerika/mc/ps)

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