Georg Fischer mit 13% weniger Reingewinn im Halbjahr

Yves Serra
Yves Serra, CEO Georg Fischer.

Yves Serra, CEO Georg Fischer. (Foto: GF)

Schaffhausen – Der Industriekonzern Georg Fischer (GF) hat im ersten Halbjahr 2012 einen Rückgang beim Reingewinn und Betriebsergebnis verbucht. Während die Verkäufe in Asien und insbesondere in Amerika zunahmen, hatten die Schwierigkeiten in der Eurozone einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage in Europa. Für die zweite Jahreshälfte rechnet GF mit einem vergleichbaren Ergebnis.

Insgesamt stieg der Umsatz in der ersten Jahreshälfte leicht auf 1,87 Mrd CHF, verglichen mit 1,86 Mrd im Vorjahreszeitraum. Währungs- und akquisitionsbereinigt blieb der Umsatz auf der Höhe des Vorjahres, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Auftragseingang ging dagegen um 4,5% auf 1,87 Mrd CHF zurück. Der Reingewinn verringerte sich um 13% auf 80 Mio CHF, der EBIT ebenfalls um 13% auf 113 Mio CHF. Damit sei das starke Resultat des Vorjahreszeitraumes nicht erreicht worden, schreibt Georg Fischer. Die EBIT-Marge sank auf 6,1% von 7,0% im Vorjahr. Das EBIT-Ergebnis im zweiten Halbjahr 2011 von 105 Mio CHF sei jedoch übertroffen worden.

Damit hat GF die Prognosen der Analysten in der Tendenz leicht unterschritten. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 1,88 Mrd, für den Auftragseingang bei 1,90 Mrd, für den EBIT bei 118 Mio und für den Reingewinn bei 79 Mio CHF.

Währungsexposure deutlich reduziert
Die anspruchsvollen Marktbedingungen in Europa hätten sich nachteilig auf die Auslastung mehrerer Standorte ausgewirkt, schreibt das Unternehmen weiter. Saisonale Effekte und die Finanzierung zweier Akquisitionen im Volumen von 77 Mio CHF hätten im Berichtszeitraum einen negativen freien Cashflow in Höhe von 139 Mio CHF bewirkt. Für das zweite Halbjahr 2012 wird ein deutlich positiver Cashflow erwartet. Die Bilanz sei mit einer Eigenkapitalquote von 41% weiterhin sehr solide geblieben.

Durch den verstärkten Einkauf in Euro und den Anstieg der Produktion in Asien und den USA konnte Georg Fischer das Währungsexposure nach eigenen Angaben deutlich reduzieren.

US-Akquisitionen treiben Umsatz im Bereich Piping Systems
Der Umsatz im Bereich Piping Systems stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 6% auf 645 Mio CHF, bereinigt um die Zukäufe blieb der Wert konstant. Das EBIT lag mit 65 Mio CHF unter dem Vorjahreswert von CHF 80 Mio. Der Hauptgrund hierfür sei eine niedrigere Auslastung der europäischen Standorte gewesen. Die stagnierenden Nachfrage in Europa sowie der sehr kalten Winter zum Jahresanfang hätten sich negativ ausgewirkt. Im Gegensatz dazu hätten neu entwickelte Marktsegmente wie Kühlsysteme, Schiffbau und Bergbau hohe und viel versprechende Wachstumsraten verzeichnet und einen Ausgleich zum Abschwung in der Halbleiter- und Solarzellenproduktion geleistet.

Die beiden US-Unternehmen Harvel Plastics und IPP steuerten hier einen Jahresumsatz von insgesamt über 130 Mio USD zu und würden einen massgeblichen Beitrag zur weltweiten Führungsrolle von GF in den Bereichen Industrie und Versorgung leisten. Diese Zukäufe sowie die Erweiterung der Standorte in China und Malaysia werden in der zweiten Jahreshälfte einen positiven Beitrag bezüglich Umsatz und Gewinn leisten, schreibt der Industriekonzern weiter.

Automotive mit Umsatzrückgang
GF Automotive verbuchte in Lokalwährungen einen Umsatzrückgang um 1%, in Schweizer Franken gerechnet sank der Wert um 5% auf 824 Mio CHF. Das Betriebsergebnis ging um 16% auf 37 Mio CHF zurück. Das Umsatzwachstum in China habe die stagnierende Entwicklung in Europa nicht vollständig ausgleichen können, so GF. Während das Geschäft mit Premium-Automobilherstellern konstant auf hohem Niveau blieb, gingen die Umsätze mit den Produzenten im Kleinwagen-Bereich sowie mit Nutzfahrzeugherstellern zurück.

GF AgieCharmilles hat Produktion in China hochgefahren
Der Werkzeugmaschinenbereich AgieCharmilles verzeichnete eine Umsatzsteigerung von 2% auf 398 Mio CHF, in lokalen Währungen betrug das Plus 4%. Die Ausrichtung der Produktpalette auf die wichtigsten Marktsegmente Elektronik, Mobiltelefone, Luftfahrt und Medizinaltechnik habe zur Umsatzsteigerung beigetragen. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg deutlich um 42% auf 17 Mio CHF.

In China habe AgieCharmilles durch das Hochfahren der Produktion ihre Marktpräsenz weiter festigen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich steigern können, meldet das Unternehmen. Mittlerweile werde der Grossteil der Maschinen in China produziert. Auch in den kommenden Monaten sei durch den hohen Auftragsbestand eine gute Auslastung gewährleistet.

Für 2. Halbjahr vergleichbares Ergebnis erwartet
Für das zweite Semester 2012 zeigt sich das Management überzeugt, dass ein vergleichbares Ergebnis wie in der ersten Jahreshälfte erreicht werden kann. Alle drei Unternehmensgruppen seien gut positioniert, um das Wachstum in Asien und auf dem amerikanischen Kontinent zu nutzen. Georg Fischer verweist darauf, dass die Bereiche Automotive und Piping Systems in der ersten Jahreshälfte Massnahmen zur Kostensenkung in Europa eingeführt haben, die ihre volle Wirkung im zweiten Halbjahr entfalten sollten. Die mittelfristigen Ziele eines ROIC von 15 Prozent und einer EBIT-Marge (ROS) von 8% bis 9% sind unverändert gültig.

Bei der Bilanzpräsentation Ende Februar hatte GF aufgrund der fehlenden Visibilität keine Guidance für 2012 abgegeben.  (awp/mc/pg)

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