Givaudan im ersten Halbjahr klar unter Erwartungen

Gilles Andrier

Givaudan-CEO Gilles Andrier.

Vernier – Der weltgrösste Aromen- und Riechstoff-Hersteller Givaudan hat im ersten Semester 2011 aufgrund des starken Frankens einen deutlichen Umsatzrückgang erlitten, in Lokalwährungen legte er hingegen klar zu. Aufgrund der stark gestiegenen Rohstoffkosten, die nur verzögert an die Kunden weitergegeben werden können, sind ausserdem die Margen deutlich gesunken. Für die weitere Zukunft gibt sich der Genfer Konzern aber zuversichtlich und bestätigt entsprechend die Mittelfristziele.

Der Konzern-Umsatz sank in der Berichtsperiode um 8,8% auf 2,01 Mrd CHF, in Lokalwährungen (LW) stieg er allerdings um 4,3%. Die Verkäufe im Bereich Riechstoffe fielen um 8,8% auf 927 Mio (+3,9% in LW), in der Division Aromen lag das Minus ebenfalls bei 8,8% auf 1,08 Mrd (+4,7% in LW). Die Bruttomarge des Konzerns ging infolge der stark angestiegenen Rohstoffkosten auf 43,0 von 46,8% zurück. Givaudan habe «in Zusammenarbeit mit den Kunden erfolgreich Preiserhöhungen vorgenommen». Diese hätten im Laufe des zweiten Quartals begonnen, Wirkung zu zeigen, so das Unternehmen in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Analystenschätzungen deutlich verfehlt
Der EBITDA (auf vergleichbarer Basis) wird mit 382 (529) Mio CHF ausgewiesen, die entsprechende Marge mit 19,1 (24,1)%. Der starke Franken habe keine signifikanten Auswirkungen auf die Margen gehabt, heisst es. Der Konzerngewinn betrug noch 120 Mio nach 200 Mio im Vorjahr. Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Schätzungen der Analysten (AWP-Konsens) deutlich verfehlt. Diese hatten den Umsatz auf 2,03 Mrd, den EBITDA auf vergleichbarer Basis auf 448 Mio und den Reingewinn auf 171 Mio CHF geschätzt.

Riechstoffe: Schwellenmärkte treiben Wachstum

Bei den Riechstoffen sei das Wachstum durch die «sehr positive Entwicklung» im Geschäftsbereich Konsumgüter, insbesondere in den Schwellenmärkten, sowie im Bereich der Ingredienzien angetrieben worden. Die Verkäufe im Bereich Luxusparfümerie sanken dagegen in Lokalwährungen um 0,4%. Der leichte Umsatzrückgang sei vor dem Hintergrund der starken Vergleichszahlen zu sehen. Die gute Entwicklung in Lateinamerika habe den Rückgang in Nordamerika nicht ausgleichen können, heisst es. Im Aromengeschäft hätten die fortgesetzten Kostensteigerungen für Ingredienzien wie Zitrus- und Ölderivate die Rentabilität beeinträchtigt, so Givaudan. Die Division arbeite aber weiter daran, um diesen negativen Einfluss durch Preiserhöhungen und Produktivitätsverbesserungen zu kompensieren. Ein positiver Effekt sollte in der zweiten Jahreshälfte zum Tragen kommen.

Finanzlage «weiterhin solide»
Die Finanzlage per Mitte 2011 wird als «weiterhin solide» bezeichnet. Die Nettoschulden stiegen zwar gegenüber Ende 2010 um gut 240 Mio auf 1,58 Mrd CHF an. Diese Zunahme sei aber in erster Linie auf die Dividendenausschüttung im zweiten Quartal zurückzuführen. Der Verschuldungsgrad lag bei 33%, im Vergleich zu 28% am Jahresende 2010. Einen konkreten Ausblick für das laufende Jahr gibt Givaudan nicht. Der Konzern geht davon aus, dass die Produktionskosten im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um etwa 15% steigen werden. Man werde den Anstieg an die Kunden weitergeben, wobei 2011 die Hälfte der Auswirkungen wettgemacht werden können sollten.

«Anhaltend starke Geschäftsdynamik»
Für die mittlere Zukunft gibt sich Givaudan sonst zuversichtlich und bestätigt entsprechend die vor einem Jahr neu aufgestellten Fünfjahresziele. Hauptziele dabei sind ein organisches Wachstum von 4,5 bis 5,5% pro Jahr (erwartetes Marktwachstum 2–3%) sowie eine dauerhaft «branchenführende EBITDA-Marge». Ausserdem soll der freie Cashflow bis 2015 auf 14–16% des Umsatzes gesteigert werden. Sobald der angestrebte Verschuldungsgrad von 25% (derzeit 33%) erreicht ist, soll mehr als 60% davon an die Aktionäre ausgeschüttet werden. «Givaudan verzeichnet eine anhaltend starke Geschäftsdynamik mit einer gut gefüllten Projektpipeline und einer weiter gestiegenen Geschäftsabschlussrate. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir unsere ehrgeizigen mittelfristigen Ziele erreichen werden», wird CEO Gilles Andrier in der Mitteilung zitiert. (awp/mc/upd/ps)

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