Gute Konjunktur-Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Konjunktur
(SP-PIC - Fotolia.com)

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Zürich – Die Schweizer Wirtschaft wird sich in den kommenden beiden Jahren positiv entwickeln. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) steigt gemäss der jüngsten KOF Konjunkturprognose 2014 um 2.2%. Die günstige Entwicklung setzt sich 2015 mit einem Anstieg des BIP um 2.3% fort. Die Unternehmen investieren im kommenden Jahr wieder verstärkt in Maschinen und Ausrüstungen. Die Arbeitslosigkeit bleibt stabil bei knapp über 3%. Internationale Konjunktur: Industrienationen erholen sich, Schwellenländer mehrheitlich schwach.

In den meisten Industrieländern verstärkt sich die konjunkturelle Dynamik in den kommenden Monaten, unterstützt durch die weiterhin lockere Geldpolitik der Zentralbanken. Dies gilt einerseits für die USA, andererseits hat auch im Euroraum eine Erholung eingesetzt. Während die KOF für die Industrieländer generell eher eine positive Wirtschaftsentwicklung erwartet, haben sich die Wachstumsaussichten in einigen wichtigen Schwellenländern eingetrübt. Deshalb bleibt die globale Wirtschaftsdynamik trotz der Erholung in den Industrienationen vorerst verhalten.

Schweizer Konjunktur: Breit abgestütztes Wachstum
Für die Schweizer Wirtschaftsentwicklung ist die KOF weiterhin zuversichtlich: Die BIP-Prognose vom Herbst 2013 für die kommenden zwei Jahre wurde praktisch unverändert belassen. Wiederum stark entwickelt sich der private Konsum, der 2014 mit 2.2% wachsen dürfte. Für das übernächste Jahr erwartet die KOF eine nahezu unveränderte Konsumdynamik mit einem Anstieg von 1.9%. Hingegen dürfte der Staatskonsum aufgrund des Sparkurses vieler Kantone im kommenden Jahr nur wenig zunehmen (2014: 0.4%). Im darauf folgenden Jahr wird der öffentliche Konsum wegen der guten Konjunkturentwicklung wieder stärker ausgeweitet (2015: 1.6%).

«Mismatch» am Arbeitsmarkt
Für die nächsten beiden Jahre rechnet die KOF mit einer positiven Beschäftigungsentwicklung: Im kommenden Jahr wird der Stellenzuwachs 1.5% betragen und 2015 aufgrund der positiven Wirtschaftsentwicklung sogar 1.8%. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren dürfte der Stellenaufbau dabei breiter abgestützt sein, da sich in der Industrie die Beschäftigungssituation etwas verbessern wird. Wie bereits in der Herbstprognose ausgeführt, gibt es derzeit einen «Mismatch» am Arbeitsmarkt: Für die offenen Stellen weist ein Teil der arbeitslosen Personen nicht die richtigen Berufsqualifikationen auf. Daher spiegelt sich der von der KOF prognostizierte hohe Beschäftigungsaufbau nicht in einer substanziell reduzierten Arbeitslosenquote wider. Die KOF rechnet nach wie vor mit einer Arbeitslosenquote von durchschnittlich rund 3.1% im nächsten und 3% im übernächsten Jahr.

Geringe Teuerung
Weiterhin sehr moderat entwickeln sich die Preise. Für die beiden kommenden Jahre erwartet die KOF eine nur geringe Teuerung; die Inflationsraten dürften auf knapp 0.3% respektive 0.7% steigen. Ebenfalls relativ schwach dürfte in den kommenden Jahren der Zuwachs der Löhne ausfallen, da infolge der negativen Teuerung der Jahre 2012 und 2013 der Teuerungsausgleich entfällt. Im kommenden Jahr werden die durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen nominal um 0.9% bzw. real nur um 0.4% steigen. Der Zuwachs im darauf folgenden Jahr fällt mit nominal 1.2% und real 0.5% ebenfalls verhalten aus.

Dynamik bei Bauinvestitionen kommt 2015 zum Erliegen
Gestützt auf den hohen Auftragsbestand im Wohnbau, grosse Projektvolumina im Tiefbau sowie durch einen andauernden Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur, entwickeln sich die Bauinvestitionen im nächsten Jahr positiv (2014: 2.0%). 2015 dürfte die Dynamik zum Erliegen kommen. Insbesondere in touristischen Regionen werden die Bauinvestitionen aufgrund der Zweitwohnungsinitiative dann rückläufig sein. Die Ausrüstungsinvestitionen werden dagegen über den gesamten Prognosezeitraum ausgeweitet, nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch in der zuletzt investitionsschwachen Industrie. Insgesamt ist im nächsten Jahr eine Zunahme von rund 3.7% zu erwarten, die sich 2015 auf 7.8% beschleunigt. Zu laufenden Preisen wird der Anstieg geringer ausfallen, da die Preise für Ausrüstungsgüter weiter sinken dürften.

Steigende Exporte
Die KOF rechnet dank der Erholung in den Industriestaaten mit steigenden Exportvolumina. Die Warenexporte werden 2014 um 3.8% zulegen und die Dienstleistungsexporte um 4.7%. Im übernächsten Jahr expandieren die Warenexporte bei einer andauernden Erholung in den Industriestaaten deutlich stärker. Die Importe dürften sich ähnlich wie die Exporte entwickeln. Nach einer Zunahme um lediglich 0.2% im laufenden Jahr beschleunigt sich das Importwachstum im nächsten Jahr auf 3.2% und 5.9% im Jahr 2015.

Keine schnelle Zinserhöhung zu erwarten
Der Schweizerfranken hat in den letzten Wochen gegenüber den meisten Währungen aufgewertet, allerdings kaum gegenüber dem Euro. Entsprechend tendiert der Franken/Euro-Wechselkurs immer noch deutlich über dem von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) festgesetzten Mindestkurs. Angesichts des erwarteten niedrigen Preisniveauanstiegs hat die SNB genügend Freiraum, die Geldpolitik expansiv zu belassen und den Zeitpunkt für die Aufhebung oder Anpassung des Mindestkurses mit Bedacht zu wählen. Eine Zinserhöhung dürfte erst gegen Ende des Prognosezeitraums erfolgen.

Aufgrund dieser Entwicklungen rechnet die KOF damit, dass die schweizerische Volkswirtschaft mit 2.2% im kommenden und 2.3% im übernächsten Jahr wachsen wird. Auch pro Kopf wird die Wirtschaftsleistung bei anhaltend hohem Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahren zunehmen. (KOF/mc/pg)

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