IWF stellt Schweiz im Umgang mit Pandemie gutes Zeugnis aus

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(Adobe Stock)

Bern – Die Schweiz hat die Covid-19-Pandemie laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bisher gut gemeistert. Für das laufende Jahr rechnet der IWF in der Schweiz mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent und 2022 von 2,8 Prozent.

Im Jahr 2020 schrumpfte die Schweizer Wirtschaft um 2,9 Prozent und damit weniger stark als andere Volkswirtschaften in Europa, wie der IWF in seinem Jahresbericht festhält, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Abfedernd wirkten laut IWF etwa die solide Ausgangslage öffentlicher und privater Haushalte, die wettbewerbsfähigen Exportindustrien wie etwa Pharma und Chemie sowie der grosse und gut kapitalisierte Finanzsektor. Die Reaktion der Politik auf die Pandemie sei «früh, stark und nachhaltig» erfolgt.

Keine starken Ungleichheiten
Dies sei nicht in allen Staaten Europas der Fall gewesen, sagte IWF-Delegationsleiter Mark Horton an einer Online-Medienkonferenz zur Veröffentlichung des Berichts. «So sehen wir derzeit in der Schweiz etwa keine klaren Indikatoren, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer grösser wird, wie wir dies in anderen Staaten tun.»

Die Pandemie habe aber vor allem niedrig qualifizierte Arbeitnehmende getroffen, die in Branchen mit vielen Kontakten arbeiteten, sagte Horton. Auch junge Arbeitnehmende und Frauen seien von den wirtschaftlichen Folgen vergleichsweise stark betroffen. «Es besteht die Gefahr, dass es hier langfristig zu Verschlechterungen kommt, was es zu verhindern gibt.»

Die Massnahme auf dem Arbeitsmarkt sollten laut IWF bis zum «Einsetzen einer nachhaltigen Erholung» aufrechterhalten werden, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Gleichzeitig wies der Bericht aber auch darauf hin, dass eine zu lange Fortführung der Hilfsmassnahmen, notwendige Strukturanpassungen behindern könne. «Es ist uns bewusst, dass wir die Strukturen nicht bewahren sollte», sagte Michael Manz, Leiter der Abteilung Finanzsystem und Finanzmärkte beim Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). «Wir sind aber sehr froh, von externen Experten zu hören, dass wir die Pandemie bisher verhältnismässig gut gemeistert haben.»

Die Unsicherheiten blieben jedoch für die gesamte Wirtschaft hoch, ergänzte Horton, je nachdem wie sich die Pandemie weiter entwickle und wie die Impfungen vorankommen würden.

Expansive Geldpolitik weiterführen
Die Reaktionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Finanzaufsichtsbehörde Finma hätten zur Aufrechterhaltung der Liquidität von Franken und Dollar sowie der Bankkredite beigetragen, hält der IWF im Bericht weiter fest.

Mit Blick auf die weiterhin gedämpften Inflationsaussichten empfiehlt der IWF zudem, die expansive Geldpolitik weiterzuführen. Diese könne auch Devisenmarktinterventionen einschliessen, wenn es zu grossen Kapitalzuflüssen in die Schweiz und einem starkem Aufwertungs-Druck auf den Franken kommt.

Die SNB soll laut IWF aber auch andere Instrumente zur Sicherung der Preisstabilität prüfen. So etwa den Ankauf eines breiteren Spektrums von Vermögenswerten oder Programme zur Kreditvergabe.

Die Nachfrage nach Programmen zur Kreditvergabe bestehe derzeit nicht, sagte Martin Schlegel, stellvertretendes Direktoriumsmitglied bei der SNB, an der Medienkonferenz. «Wir prüfen aber laufend, wie wir uns weiterentwickeln können.» Eine Neuausrichtung der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank oder eine grundsätzliche Überprüfung der Strategie stehe aber nicht an.

Austausch mit der EU
Der IWF weist darauf hin, dass es bei den Gesprächen mit der EU «Fortschritte braucht, um den bisherigen Zugang zum EU-Markt zu gewährleisten». Sobald die Impfungen fortgeschritten seien, könne die Wirtschaft in der EU auch schneller wachsen als erwartet.

Als wichtig erachtet der IWF auch die längerfristige Sicherung der Altersvorsorge. «Das Schweizer Rentensystem ist nicht gut auf die demografischen (Alterung, Lebenserwartung) oder wirtschaftlichen Trends abgestimmt.» Ohne entscheidende Reformen werde die erste Säule bis 2030 erhebliche Finanzierungslücken aufweisen. Es seien weitgehende Reformen erforderlich, einschliesslich einer stärkeren Erhöhung des Rentenalters.

Die Delegation des IWF hat das diesjährige Länderexamen vom 17. März bis am 7. April via Videokonferenz durchgeführt. Vergangenes Jahr fand wegen der Pandemie keine Prüfung statt. (awp/mc/pg)

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