Klingelnberg ergreift Massnahmen nach Umsatzeinbruch und hohem Verlust

Jan Klingelnberg
Jan Klingelnberg, CEO Klingelnberg AG. (Foto: Klingelnberg)

Zürich – Dem Maschinenbauer Klingelnberg weht insbesondere wegen der Schwäche der Automobilindustrie ein eisiger Wind entgegen. Wegen des zweistelligen Umsatzeinbruchs im ersten Halbjahr 2019/20 muss das Unternehmen ein Kostenprogramm stemmen, was für das Gesamtjahr ein negatives Ergebnis erwarten lässt.

Der Umsatz ging im ersten Semester (per Ende September) um beinahe 11 Prozent auf 88,4 Millionen Euro zurück, wie der Hersteller von Verzahnungslösungen am Dienstag mitteilte. Das Minus wird mit einem weltweiten Rückgang der gesamten Industrieproduktion und insbesondere im Automobilsektor, Belastungen aus dem Brexit und Handelskonflikten sowie mit fehlenden politischen Richtungsvorgaben etwa zur Zukunft der Mobilität begründet.

«Weltweit gehen die Wachstumsraten zurück. In vielen Märkten und wichtigen Branchen haben wir es mit einer einsetzenden Rezession zu tun und die Unsicherheit über die Folgen der Handelskonflikte nimmt eher noch zu», wurde in der Mitteilung CEO Jan Klingelnberg zitiert.

Der Umsatzrückgang kommt nach der Gewinnwarnung von Mitte Oktober nicht überraschend. Vor knapp einem Monat hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es in der Automobilindustrie und im Maschinenbau global zu einer signifikanten Verlangsamung gekommen sei. Deshalb wurde ein umfassendes Kostensenkungsprogramm zur Verbesserung der Effizienz gestartet. Darüber hinaus will das Unternehmen die Kapazitäten anpassen, neue Dienstleistungen anbieten, neue Märkte erschliessen und die Verkaufsorganisation stärken.

Guter Zeitpunkt, um Ineffizienzen anzugehen
«Wir haben uns in der Vergangenheit vor allem auf das Wachstum fokussieren müssen», sagte Klingelnberg an einer Telefonkonferenz. Nun sei ein guter Zeitpunkt gekommen, um dabei entstandene Ineffizienzen auszumerzen. Denkbar seien etwa die Neuausrichtung der Standortzuständigkeiten für Entwicklung und Produktion, die Zusammenführung bislang mehrfach vorhandener Kompetenzen an einzelnen Standorten sowie die Verschlankung des Produktportfolios.

Ob es zu Werkschliessungen kommt und wie viele Mitarbeiter von einem allfälligen Abbau betroffen sein werden, konnte er nicht sagen. Ihm seien wegen der Gesetzeslage in Deutschland diesbezüglich noch die Hände gebunden. Zuerst müssten die Verhandlungen mit den Sozialpartnern geführt und das Massnahmenpaket im Anschluss vom Verwaltungsrat abgesegnet werden. «Die Strukturanpassungen finden vor allem in Deutschland statt», meinte er dazu.

Entsprechend konnte der CEO auch keine Schätzungen zu den mit den Massnahmen verbundenen Kosten abgeben. Immerhin gab er bekannt, dass bereits Leih- und Teilzeitarbeiter im Umfang von rund 30 Vollzeitstellen abgebaut wurden. Sobald weitere Eckpunkte des Programms feststehen, will Klingelnberg informieren.

Betriebsverlust im Semester mehr als verdoppelt
Der schrumpfende Umsatz schlug sich im ersten Semester auch auf den Gewinn nieder. Ein negatives Ergebnis ist im ersten Halbjahr aufgrund der starken Saisonalität des Geschäftsverlaufs zwar Usus, da dann jeweils lediglich 30 bis 40 Prozent des Jahresumsatzes erzielt werden. Der operative Verlust hat sich im Vergleich zur Vorjahresperiode auf 10,0 Millionen Euro allerdings gleich mehr als verdoppelt und auch der Reinverlust erhöhte sich auf 8,1 Millionen kräftig.

Und der Blick nach vorne verspricht keine rasche Besserung. «Die Unsicherheiten werden wohl länger andauern», prognostizierte Klingelnberg. Mit der Gewinnwarnung vom Oktober hatte Klingelnberg für das Gesamtjahr 2019/20 bereits einen Umsatz und einen operativen Gewinn klar unter dem Niveau des Vorjahres in Aussicht gestellt. Nun wurde die Prognose dahingehend präzisiert, dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 15 bis 20 Prozent zurückgehen dürfte. Das operative Ergebnis soll gemäss der Vorhersage positiv ausfallen, allerdings ohne die Kosten für das anstehende Effizienzprogramm.

In Marktkreisen kam das Ergebnis nicht gut an. Die Aktie büsste bis am Mittag über 8 Prozent an Wert ein und kostete damit weniger als die Hälfte als noch zum Börsenstart im Sommer 2018. (awp/mc/ps)

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