KOF erhöht BIP-Wachstumsprognose für 2015 und 2016

Konjunktur
(SP-PIC - Fotolia.com)

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Zürich – Entgegen den Befürchtungen vieler Konjunkturbeobachter konnte die Schweizer Wirtschaft im 2. Quartal 2015 real ihre Produktion leicht steigern. Allerdings sind die Preise der Unternehmen unter Druck geraten, so dass sie im laufenden Jahr bei den Margen einen erheblichen Einbruch erleiden werden. Die KOF rechnet mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0.9% in diesem und 1.4% im nächsten Jahr. Die Arbeitslosigkeit steigt etwas an, die Preise fallen weiter. In der Weltwirtschaft verlangsamt sich der wirtschaftliche Aufholprozess der Schwellenländer gegenüber den Industrieländern.

Weltwirtschaftliches Umfeld
Das Bild der Weltwirtschaft ähnelt zurzeit demjenigen aus dem Jahr 2013, als die Ankündigung der US-Notenbank (Fed), den Ankauf von Anleihen zu reduzieren («Tapering»), starke Verwerfungen an den Finanzmärkten zur Folge hatte. Die Aussicht auf höhere Renditen in den USA führte damals zu massiven Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern und damit zu einer Verschlechterung deren Finanzierungsbedingungen. Darunter litten insbesondere die Anlageinvestitionen, aber auch der grenzüberschreitende Warenaustausch und letztlich die Produktionstätigkeit insgesamt. Ferner werteten sich die Währungen der Schwellenländer stark ab, was einige ihrer Notenbanken zu Zinserhöhungen veranlasste, wodurch die Investitionstätigkeit weiter belastet wurde. Ähnlich präsentiert sich die derzeitige Situation.

Dies liegt aber nicht allein an der US-Notenbank bzw. ihrer noch für dieses Jahr erwarteten erstmaligen Erhöhung der Leitzinsen seit beinahe zehn Jahren. Vielmehr sind hausgemachte Probleme der Schwellenländer und der wirtschaftliche Strukturwandel dafür mitverantwortlich. Brasilien und Russland sind beide in diesem Jahr in eine ausgeprägte Rezession gerutscht. Die Wachstumsrate des chinesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) befindet sich auf Talfahrt. Die Schwäche Chinas, Brasiliens und Russlands wird zudem viele Volkswirtschaften in Zentral- und Ostasien sowie Lateinamerika belasten.

Erholung in Europa geht weiter
Erfreulicher präsentiert sich die Entwicklung im Euroraum, wo die eingesetzte Erholung anhält. Die weitere Lockerung der Geldpolitik («Quantitative Easing»), eine weniger restriktive Fiskalpolitik, die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar und der weiterhin tiefe Ölpreis sind stützende Faktoren. In den USA fasste die Wirtschaft nach einem Taucher im 1. Quartal 2015 wieder Tritt. Die Wachstumsraten dürften in den kommenden Monaten oberhalb des Potenzialwachstums von rund 2.25% liegen.

Entwicklung in der Schweiz
Rechnete die KOF angesichts der starken Frankenaufwertung bisher mit einer kurzen technischen Rezession in der Schweiz, zeigen die neuen offiziellen Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) ein nicht ganz so ungünstiges Bild. Die Schweizer Wirtschaft hat sich – einmal mehr – flexibler und widerstandsfähiger gezeigt, als es angesichts des «Frankenschocks » zu erwarten war. Die Flexibilität hat allerdings ihren Preis: Da viele Produzenten ihre Verkaufspreise nach unten angepasst haben, sind ihre Margen stark geschrumpft. Das Preisniveau für die inländische Produktion ist im ersten Halbjahr 2015 im Vorjahresvergleich um deutliche 0.9% gesunken. Dieser Preiszerfall betrifft vor allem Güter für die Warenexporte. Diese sind im 2. Quartal preisbereinigt gegenüber dem Vorquartal gestiegen, nominal jedoch beachtlich gesunken. Beachtenswert war auch die Abnahme der realen Warenimporte im 2. Quartal.

Der mit den starken Preissenkungen einhergehende Druck auf die Gewinnmargen dürfte insbesondere die Maschinen- und Metallindustrie belastet haben. Jedoch könnte die Schwächung des Frankens zu Beginn der zweiten Jahreshälfte der inländischen Wirtschaft etwas Luft verschaffen. Die Margen der Unternehmen sollten sich im Prognosezeitraum stabilisieren und sich sogar leicht regenerieren können.

Für das BIP prognostiziert die KOF für das laufende Jahr eine durchschnittliche Wachstumsrate von 0.9% (Juni: 0.4%). Für das BIP-pro-Kopf ergibt sich angesichts der Bevölkerungszunahme von 1.1% in diesem Jahr somit eine leichte Abnahme (–0.2%). Für 2016 rechnet die KOF mit einer robusten Entwicklung, die in einer Jahreswachstumsrate des BIP von 1.4% (Juni: 1.3%) resultiert. Der stabile Binnenkonsum sowie die positiven Impulse aus dem internationalen Umfeld wirken wachstumsfördernd. Der private Konsum verliert dieses Jahr allerdings etwas an Dynamik (1.2%), 2016 erholen sich die Konsumausgaben wieder mit einem realen Anstieg von 1.7%. Bei den Exporten erwartet die KOF für dieses Jahr eine Zunahme von 1.1%, nächstes Jahr steigt diese auf 4.4%. Die Gesamtimporte dürften 2015 mit 1.6% wachsen, 2016 erhöht sich die Dynamik auf 6%.

Leicht steigende Arbeitslosigkeit
Für die Arbeitslosigkeit bedeutet dies, dass derzeit eine leichte Zunahme der Arbeitslosenquote zu verzeichnen ist, die durch eine ansteigende Jugendarbeitslosigkeit mitverursacht wird. Im 2. Quartal nahm die saisonbereinigte Quote der registrierten Arbeitslosen im Vergleich zum Vorquartal um rund 0.1 Prozentpunkte zu. Für das laufende Jahr erwartet die KOF eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 3.3%, gefolgt von 3.6% im Jahr 2016.

Prognose wenig verändert
Die Entwicklung der Anlageinvestitionen ist insgesamt als schwach zu beurteilen. Für das laufende Jahr rechnet die KOF mit einer Stagnation der Bauinvestitionen, gefolgt von einer Zunahme um 0.7% im Jahr 2016. Die Aussichten für die Ausrüstungsinvestitionen deuten auf ein verhaltenes Wachstum hin (2015: 2.7%). 2016 steigen sie um 3.6%, wobei der Zuwachs stark von Sondereffekten, namentlich der Anschaffung neuer Flugzeuge und neuen Rollmaterials, geprägt sein wird.

Erwartete Wechselkursentwicklung
Nachdem die griechische Schuldenkrise nun vorerst ausgestanden ist, hat sich die Wechselkursentwicklung des Frankens gegenüber dem Euro stabilisiert. Trotz der Turbulenzen auf den asiatischen Finanzmärkten lässt sich seit der zweiten Jahreshälfte eine Abwertung des Frankens beobachten. Die bisherige «Safe Haven»-Funktion des Frankens scheint momentan eine geringere Rolle zu spielen als im Frühjahr. Für die Prognose rechnet die KOF mit einem Kurs des Euro von 1.10 Franken, dieser Wert wird bis zum Ende des Prognosehorizontes beibehalten. Die Teuerung ist weiterhin stark negativ. Dieses Jahr sinken die Preise um 1.1%,  was dem tiefsten Jahreswert seit der Jahrhundertwende entspricht. Auch 2016 sinken die Preise im Jahresdurchschnitt weiter (–0.2%).

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