KOF Konjunkturumfragen: Geschäftslage entspannt sich deutlich

KOF Konjunkturumfragen: Geschäftslage entspannt sich deutlich
(Unsplash)

Zürich – Der KOF Geschäftslageindikator für die Schweizer Privatwirtschaft, der aus den KOF Konjunkturumfragen berechnet wird, macht im April seinen Rückgang aus dem Vormonat mehr als wett und steigt über sein Niveau von Jahresbeginn 2026. Allerdings sehen die Unternehmen dunkle Wolken aufziehen. In ihren Geschäftserwartungen für das kommende halbe Jahr werden sie den dritten Monat in Folge zurückhaltender.

Im Verarbeitenden Gewerbe erholt sich der Geschäftslageindikator vollständig von dem Rückgang im März. Noch deutlicher steigt der Geschäftslageindikator im Projektierungsbereich, moderater im Grosshandel. Leicht im Aufwind sind zudem der Bereich übrige Dienstleistungen und der Detailhandel. Nicht ganz an die Werte des Vormonats anschliessen kann der Geschäftslageindikator im Baugewerbe und im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Eine deutliche Abkühlung verzeichnet das Gastgewerbe.

Die Geschäftserwartungen trüben sich ein
Die Geschäftserwartungen der Unternehmen mit Blick auf die Entwicklung im kommenden halben Jahr trüben sich jedoch verbreitet ein – besonders ausgeprägt im Gastgewerbe, im Grosshandel und im Verarbeitenden Gewerbe. Etwas weniger stark fällt die Eintrübung bei den übrigen Dienstleistungen, den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Projektierungsbereich aus. Im Baugewerbe bleiben die Geschäftserwartungen gegenüber dem Vormonat unverändert, während sie im Detailhandel leicht günstiger ausfallen.

Die Ertragslageentwicklung bleibt stabil
Die Schweizer Unternehmen trotzen einigermassen den momentan widrigen internationalen Umständen, die Ertragslageentwicklung ist mehr oder weniger stabil oder sie entspannt sich leicht, wie im Grosshandel oder im Verarbeitenden Gewerbe. Für die nahe Zukunft erwarten die Unternehmen jedoch einen Dämpfer bei der internationalen Nachfrage. Im Verarbeitenden Gewerbe fallen die Exporterwartungen weniger positiv aus als zuvor, und das Gastgewerbe befürchtet nun einen Rückgang der Übernachtungen ausländischer Gäste.

Robuste Lieferketten im Verarbeitenden Gewerben
Im Verarbeitenden Gewerbe und im Grosshandel rechnen die Unternehmen häufiger mit steigenden Einkaufspreisen, wenn sie selbst Waren ordern. Im Moment halten aber grundsätzlich die Lieferketten: Im Verarbeitenden Gewerbe sind Klagen über Vorproduktemangel weiterhin selten, im Baugewerbe nehmen sie von einem tiefen Niveau aus leicht zu. Ein Warnsignal sendet jedoch der Grosshandel: Die Unternehmen erwarten häufiger als bisher steigende Lieferfristen und machen sich vermehrt Sorgen über die Warenverfügbarkeit. Dieses Thema dürfte daher in den kommenden Monaten als Risiko im Fokus bleiben.

Preisauftrieb nimmt verbreitet zu, kaum Bewegung bei den Lohnerwartungen
Die Schweizer Unternehmen planen deutlich häufiger als bisher, ihre Preise anzuheben. Diese Tendenz zeigt sich in vielen der befragten Wirtschaftsbereiche. Besonders ausgeprägt ist sie im Grosshandel, aber auch im Baugewerbe, im Detailhandel, im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich ist sie klar erkennbar. Einzig im Gastgewerbe lässt der Preisauftrieb nach. Die Erwartungen der Unternehmen bezüglich der allgemeinen Konsumentenpreisinflation in den kommenden zwölf Monaten sind ebenfalls höher als bisher: nach 0.9% im Januar 2026 erwarten die Unternehmen nun eine Inflation von 1.2%. Die Erwartungen zur Lohnentwicklung bis in zwölf Monaten verändern sich dagegen kaum, die Unternehmen rechnen mit einem Lohnanstieg von 1.2% (Januar 2026: 1.3%). Bewegung zeigt sich im Baugewerbe und im Projektierungsbereich, wo die Erwartungen jeweils von 1.7% im Januar auf 2.2% im April steigen und im Gastgewerbe wo sie von 1.9% im Januar auf nun 1.4% sinken. Alles in allem bewirken die gestiegenen Inflations- und Preiserwartungen derzeit keine Anpassung bei den Lohnerwartungen. (KOF/mc/pg)

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