Verlust von 10 Mrd Franken – Pandemie führt 2020 zu 13 Millionen weniger Logiernächten

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(Foto: Pixabay)

Zürich – Seit dem Sommer hat sich die Lage im Tourismus entspannt, nun wird die Branche wieder ausgebremst. Die Konjunkturforschungsstelle KOF der Universität Zürich erwartet, dass in der Wintersaison rund ein Drittel weniger europäische Gäste in die Schweiz kommen als im Vorjahr. Touristen aus Fernmärkten werden weitgehend ausbleiben. Insgesamt dürften die Logiernächte diesen Winter um 30% zurückgehen. Für das ganze Tourismusjahr 2020 muss die Branche mit einem Verlust von über 10 Mrd. Franken rechnen.

Der Tourismus wurde stark von der Corona-​Krise getroffen. Die Wintersaison wurde jäh unterbrochen und der Start in die Sommersaison war zögerlich. Seit Mitte Juni hat die touristische Nachfrage aber wieder angezogen. Ihre Sommerferien verbrachten die Schweizerinnen und Schweizer häufiger im Inland und viele holten ihre ausgefallenen Ferien vom Frühjahr nach. Somit war die Nachfrage in den Sommermonaten äusserst kräftig. Dennoch konnte die inländische Nachfrage das Fernbleiben der ausländischen Touristen nicht kompensieren.

Die Übernachtungszahlen der ausländischen Gäste lagen 40% unter denen des Vorjahres. Während Touristen aus den Nachbar-​ und Benelux-​Ländern ab Juni wieder vermehrt Ferien in der Schweiz machten, blieb die Nachfrage aus anderen europäischen Ländern verhalten. Aufgrund der Reisebeschränkungen blieben Touristen aus den Fernmärkten weitgehend fern. Vor allem die Berggebiete, das Tessin und Regionen abseits der touristischen Hotspots konnten Gäste anziehen.

Wintersaison 2020/2021: Ein Drittel weniger Touristen aus Europa
Aufgrund der steigenden Infektionszahlen und den damit verbundenen Quarantänevorschriften wird die Erholung der ausländischen Nachfrage derzeit gebremst. Die KOF geht in ihrer Prognose davon aus, dass die Infektionszahlen während der Wintermonate hoch und Reisebeschränkungen innerhalb Europas zumindest vorerst bestehen bleiben. Für die Fernmärkte wird angenommen, dass die Beschränkungen im Frühjahr 2021 schrittweise aufgehoben werden. Somit ist davon auszugehen, dass die Gäste aus diesen Märkten auch im Winter weitgehend ausbleiben. In einem solchen Szenario werden die Übernachtungszahlen der europäischen Touristen in der Wintersaison rund einen Drittel unter dem Wert des Vorjahres liegen und rund die Hälfte des Vorkrisenniveaus betragen.

Die inländischen Gäste werden weiterhin eine Stütze für den Tourismus bleiben. Die Zahl ihrer Übernachtungen dürfte in der kommenden Wintersaison rund 8% über dem Vorkrisenniveau liegen. In der Summe dürften die Logiernächte um 30% zurückgehen.

Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass sich die Pandemie im Herbst und Winter deutlich heftiger zurückmeldet und länger anhält als derzeit angenommen. In einem solchen Negativszenario kommt es zu einem stärkeren Rückgang der europäischen Nachfrage und zu einer empfindlichen Beeinträchtigung der inländischen Nachfrage in den Wintermonaten. Die Logiernächte dürften in diesem Szenario in der kommenden Wintersaison um über 50% unter dem Vorkrisenniveau liegen.

Tourismusjahr 2020: Ein Drittel aller Logiernächte ist weggefallen
Im gesamten Tourismusjahr 2020 sinkt die Zahl der Logiernächte im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert um 33.7%. Während der Einbruch bei der inländischen Nachfrage vergleichsweise gering ausfällt (-14%), sind die Verluste im internationalen Geschäft massiv (-50%). Die Zahl der Logiernächte von Gästen aus den Fernmärkten sinkt dabei um über 70%. Insgesamt wird die Zahl der Logiernächte der ausländischen Gäste Ende 2021 bei knapp 80%, Ende 2022 dann bei 90% des Vorkrisenniveaus liegen. Dieses wird erst Ende 2023 wieder erreicht.

In der Summe führt die COVID-​19-Pandemie zu einem geschätzten Verlust von 13.3 Millionen Logiernächten im Tourismusjahr 2020. Für die Hotellerie resultiert daraus ein Umsatzverlust von 1.6 Mrd. Franken in diesem Tourismusjahr. Für den gesamten Tourismus liegt der Umsatzverlust im gleichen Zeitraum bei über 10 Mrd. Franken. Im nächsten Jahr dürfte der Nachfrageverlust gegenüber dem Tourismusjahr 2019 bei 6.2 Mrd. Franken liegen.

Die Preise in der Hotellerie, für Pauschalreisen und den Luftverkehr sind in diesem Jahr wegen der Pandemie gesunken. Sie werden erst 2022 wieder auf das Vorkrisenniveau zurückfinden. Im Gegensatz dazu sind die Preise im Gastgewerbe leicht angestiegen. Dieser Anstieg bewegte sich im Bereich der normalen Preissteigerungen der letzten Jahre. Somit scheinen sich Aufschläge wegen verminderter Kapazität und Nachlässe wegen geringerer Nachfrage in etwa die Waage zu halten. (KOF/mc/ps)

KOF

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