KOF Winterprognose 2015: Moderates Wachstum

Fernglas
(Bild: © Kurhan - Fotolia.com)

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Zürich – Für die Schweizer Wirtschaft stand das Jahr 2015 im Zeichen der Aufhebung des Mindestkurses, welche zu einem tiefen BIP-Zuwachs (0.7%) führte. 2016 steigt die Produktion voraussichtlich mit 1.1% wieder etwas stärker an. Insbesondere die Exporte stützen das moderate Wachstum. Die Aussichten für den Schweizer Arbeitsmarkt haben sich allerdings eingetrübt: Die Beschäftigung nimmt kaum zu und die Arbeitslosenquote steigt im Laufe des kommenden Jahres auf durchschnittlich 3.6% an.

Die Auswirkungen der Aufhebung des Mindestkurses zu Jahresbeginn waren und sind für die Schweizer Wirt­schaft beträchtlich; sie fielen insgesamt allerdings weniger stark aus als anfänglich befürchtet. Dennoch stag­nierten die nominellen Warenexporte im 3. Quartal dieses Jahres, nach deutlichen Rückgängen in der ersten Jahreshälfte. Die Exporteure senkten dabei wiederholt ihre Preise. Für 2016 rechnet die KOF mit einem robus­ten, aber verhaltenen Zuwachs der Exporte (2.9%), der positiv zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1.1% beiträgt. Der durch die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze ausgelöste Dämpfer wird erst ab Mitte 2016 mehr oder weniger verkraftet sein, und die Wachstumsrate für 2017 dürfte bei 2% liegen. Auch wenn einzelne Förderländer aufgrund des tiefen Ölpreises Rückschläge verzeichnen, wird dieser insgesamt die Kon­junktur weltweit ankurbeln, wovon die schweizerische Wirtschaft indirekt profitieren sollte. Die leicht anziehende Exportwirtschaft und ein weiterhin starker Franken lassen die Importe im kommenden Jahr etwas ansteigen.

Frankenschock
Die anfänglich starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro war ein Schock für Unternehmen, die Güter in den Euroraum verkaufen oder mit Produzenten aus dem Euroraum im Inland und Ausland konkurrieren. Trotz einer derzeit weniger starken höheren Bewertung sind die damit verbundenen Anpassungsprobleme ge­blieben. Da Verlagerungen von Produktionsstätten und ein Abbau von Arbeitsplätzen weiterhin zu erwarten sind, werden sich die Unternehmen mit Investitionen in der Schweiz zurückhalten. Die Ausrüstungsinvestitionen werden sich somit im nächsten Jahr konjunkturell schwach entwickeln (2.3%). Aufgrund von Sondereffekten – Lieferungen von Schienen-und Luftfahrzeugen – bleiben die Wachstumsraten der Ausrüstungsinvestitionen aber positiv. In diesem Jahr ist die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2016 wird sie auf 3.6% gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und auf 4.7% gemäss International Labour Organization (ILO) steigen.

In der Bauwirtschaft dürfte die jahrelange Expansion mit einem Rückgang von 0.7% in diesem Jahr zum Still-stand gekommen sein. Das bereits hohe Niveau, die neuen Zweitwohnungsbeschränkungen sowie die zu er­wartende Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative hinterlassen ihre Spuren. Die KOF erwartet daher eine leicht rückläufige Entwicklung der Wohnbauinvestitionen, die nur teilweise durch eine höhere Aktivität in anderen Segmenten kompensiert wird. 2016 wird mit 0.9% ein leichter Zuwachs des Baus insgesamt zu ver­zeichnen sein.

Privatkonsum stützt
Aufgrund einer wachsenden Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahl sowie steigender Arbeitseinkommen legt der private Konsum weiter zu (2016: 1.6%). Zwar haben die Detailhändler die Aufwertung des Frankens ebenfalls zu spüren bekommen, sie konnten dank reduzierter Beschaffungskosten die Margen jedoch mehrheitlich halten. Im Gegensatz zur Industrie und zum Beherbergungsgewerbe sind die Preisnachlässe hier gering ausgefallen.

In den übrigen binnenwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftszweigen rechnet die KOF mit einem stetigen An­stieg, auch wenn die zu erwartende Stagnation der Steuererträge bei der staatlichen Aktivität Spuren hinter­lassen wird. Die demografische Entwicklung, aber auch die Zunahme der Flüchtlinge, werden dem entgegen­wirken und vor allem im Gesundheits-und Sozialwesen für eine weitere Expansion sorgen.

Die Konsumentenpreise sind schon seit einigen Jahren rückläufig. Die durch die Aufwertung und die Erdölpreis­entwicklung verursachte Vergünstigung der eingeführten Güter trägt dazu bei, aber auch die Binnenteuerung ist negativ. Der Rückgang des Preisniveaus der inländischen Wertschöpfung ist mit rund 1% pro Jahr erheblich und wurde vorwiegend von der Exportwirtschaft verursacht, deren Margen stark geschrumpft oder negativ ge­worden sind. Eine Rückkehr zu anziehenden Preisen ist in die Ferne gerückt (2016: -0.5%), erst 2017 kann ein schwacher Anstieg von 0.2% erwartet werden.

Globale Konjunktur abgeschwächt
Die globale Konjunktur hat sich jüngst abgeschwächt, was in erster Linie den Schwellenländern geschuldet ist. Die brasilianische wie auch die russische Volkswirtschaft leiden unter einer wirtschaftlichen Abkühlung unter anderem aufgrund des tiefen Ölpreises und, im Falle Russlands, aufgrund internationaler Sanktionen. Das Wirt­schaftswachstum in China schwächt sich bereits seit einigen Jahren kontinuierlich ab. Der Börsencrash dürfte einen zusätzlichen Belastungsfaktor dargestellt haben. Die US-Wirtschaft ist zwar nicht immun gegenüber der schwachen Schwellenländerkonjunktur, jedoch sind die USA vor allem von der eigenen Binnennachfrage ab­hängig. Zuletzt verlangsamte sich insbesondere der Zuwachs beim privaten Konsum – der mit Abstand wich­tigsten Nachfragekomponente – gegenüber dem Sommerhalbjahr deutlich. Dennoch setzt sich der Aufschwung in den USA gemäss Einschätzung der KOF mit Wachstumsraten fort, die zunächst noch etwas oberhalb des Potenzialwachstums von circa 2.2% liegen, aber spätestens 2017 auf den Potenzialpfad einschwenken dürften. Damit wurde es für die US-Notenbank (Fed) Zeit, die Leitzinswende einzuleiten, was sie nun getan hat. Positive Signale für die Schweizer Wirtschaft kommen auch aus dem Euroraum, dessen Wirtschaft allmählich wieder wächst.

Weitere Informationen zur Konjunkturprognose finden Sie hier: www.kof.ethz.ch/de/prognosen/konjunkturprognosen. (KOF/mc/ps)

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