Zahl der Coronafälle steigt weiter an – Impfpotenzial gemäss Studie ausgeschöpft

Coronavirus
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Bern – Die Corona-Fälle in der Schweiz steigen auf tiefem Niveau weiter an, der R-Wert nimmt zu, die Delta-Variante ist bereits für knapp die Hälfte aller Fälle verantwortlich. Gleichzeitig kommt eine Studie zum Schluss, dass das Impfpotenzial weitgehend ausgeschöpft ist.

Fast 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung verfügt mittlerweile über den zweifachen Impfschutz, wie den Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) am Freitag zu entnehmen war. Weitere rund 12 Prozent haben die Erstimpfung erhalten. Insgesamt sind damit rund 52 Prozent der Gesamtbevölkerung oder rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal geimpft.

Bei einer Befragung für den SRG-Corona-Monitor gaben nun nur noch drei Prozent der von 23’337 online befragten Personen an, dass sie sich sofort impfen lassen wollten. Das zeige, dass das Potenzial an Impfwilligen praktisch ausgeschöpft sei, schrieb das Meinungsforschungsunternehmen Sotomo in seiner Studie.

Impfkadenz geht zurück
Entsprechend nimmt in der Schweiz die Impfkadenz ab: So wurden nach Angaben des BAG vom 1. Juli bis am vergangenen Mittwoch durchschnittlich nur noch 63’680 Impfungen durchgeführt. Im Vergleich zur Woche davor sank die Kadenz damit um 12 Prozent.

Auffallend ist laut Sotomo der Stadt-Land-Impfgraben, eine SVP-Impfskepsis und ein Einkommensgraben bei der Durchimpfung. Ausserdem zeige die Auswertung, dass selbst eine punktuelle Impfpflicht für Gesundheitspersonal nicht mehrheitsfähig sei. So sprachen sich nur 46 Prozent der Befragten für eine solche aus, 50 Prozent waren dagegen.

Fallzahlen steigen
Gleichzeitig steigen die Fallzahlen in der Schweiz seit rund einer Woche wieder an: Am Freitag wurden innerhalb von 24 Stunden 323 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Das sind erneut mehr als doppelt so viele wie am gleichen Tag vor einer Woche mit 158 Fällen.

Und die ansteckendere Delta-Variante ist weiter auf dem Vormarsch: Vor zwei Wochen machte sie im 7-Tages-Schnitt nach einer Schätzung des BAG bereits 44,6 Prozent der Fälle aus. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, stieg vor rund zehn Tagen auf 1,45 und liegt damit weit über den angestrebten 0,8.

Positiv zu bewerten ist, dass die 14-Tages-Inzidenz auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner immer noch tief bei 27,37 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen verharrt. Mit einem Todesfall und sechs Spitaleinweisungen bewegen sich auch diese Kennzahlen weiterhin auf einem beruhigendem Niveau.

50 Tote trotz Impfung
Zur Verunsicherung beitragen könnte die Nachricht, dass in der Schweiz bisher bereits über 50 Personen an Covid-19 gestorben sind, obwohl sie geimpft waren. Eine entsprechende Meldung des Newsportals nau.ch bestätigte das BAG. Demnach hatte 17 der Todesopfer bereits zwei Impfungen hinter sich, 37 Personen seit 14 Tagen eine.

Zu beachten sei jedoch, dass die Spitaleinweisungen oder der Tod «im Zusammenhang mit Covid-19» standen, präzisiert das BAG. Das heisse, dass die Personen positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet wurden. Allerdings könnten auch andere Grunderkrankungen für Spitaleinweisung oder Tod verantwortlich sein.

Vor dem Hintergrund, dass bis Ende Juni insgesamt über 4,4 Millionen Personen mindestens eine Impfdosis und über 3,1 Millionen bereits zwei Impfdosen erhalten haben, sei dies eine geringe Anzahl an Spitaleinweisungen und an Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19, die bei geimpften Personen auftraten, betont das BAG. (awp/mc/pg)

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