Konsumentenforum: «Tarifabschläge bei Zusatzversicherungen überfällig»

Franziska Troesch-Schnyder

Franziska Troesch-Schnyder, Präsidentin Konsumentenforum kf.

Bern – Griffige Kostensenkungsmassnahmen im Gesundheitswesen nach dem Nein zu Managed Care, Qualitätssicherheit bei der Revision des Lebensmittelgesetzes oder verstärktes Augenmerk auf die Vermittlung von Alltagskompetenzen an Jugendliche: Das Konsumentenforum kf wird sich auch 2013 als die unabhängige und liberale Schweizer Konsumentenorganisation auf allen Ebenen für die Interessen der Konsumenten einsetzen. Das kf vertritt als Verein und Dachverband von eigenständigen Sektionen und Kollektivmitgliedern eine halbe Million Konsumenten.

Wie Präsidentin Franziska Troesch-Schnyder an der Jahresmedienkonferenz erläuterte, konnten im vergangenen Jahr bei einigen Postulaten des kf Fortschritte zum Nutzen der Konsumenten erzielt werden. Dazu gehört die Ablehnung der Buchpreisbindung genauso wie die sinnvolle Konzentration der Themen Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in einem neuen Bundesamt oder die bei der Post eingeforderten Preiskonzessionen im Bereich Vollmachten. Es galt aber auch, Niederlagen zu verkraften wie die Ablehnung der Managed Care-Vorlage, die Verlängerung des Gentech-Moratoriums oder das Scheitern der Swissness-Vorlage.

Mehr Konkurrenz statt Einheitskasse
Gemäss kf-Vizepräsident Urs Klemm darf das Nein zu Managed Care keinesfalls als Ja zu einer Einheitskasse verstanden werden. Klemm plädierte für mehr Konkurrenz im Gesundheitswesen. Ausserdem seien Tarifabschläge bei den Zusatzversicherungen überfällig. Bei der Revision des Heilmittelgesetzes setze sich das kf für mehr Sicherheit, klare Information und Täuschungsschutz ein. „Alternativmedizinische Produkte dürfen kein Tummelfeld für Konsumententäuschung werden.“ Im Bereich Prävention setzt das kf gemäss Klemm auf den Grundsatz „Prävention ja – Bevormundung der Konsumenten nein.“ So brauche es mehr attraktive Freizeitangebote statt ein Alkohol-Verkaufsverbot ab 22 Uhr.

Jugendliche mit Alltagskompetenzen stärken
Sogenannte Alltagskompetenzen wie das Wissen über Lebensmittel und deren Verwertung oder die Fähigkeit, ein Budget zu erstellen, werden aus Sicht des kf in den neuen Ausbildungsplänen vernachlässigt. Mit der vermehrten Vermittlung dieser praktischen Fähigkeiten könnten laut Franziska Troesch-Schnyder verschiedene Probleme à fonds angegangen werden. So zum Beispiel die Jugendverschuldung oder die Verschwendung von Lebensmitteln. Letztere muss gemäss der kf-Präsidentin auf allen Ebenen bekämpft werden. Das kf habe dafür schon viel Informationsarbeit geleistet und werde dies weiterhin tun.

Vollkostenrechnung beim Einkauf
Durch den Einkaufstourismus entgehen der Schweiz jährlich 8 Milliarden Franken. Die Folgen für den Arbeitsmarkt und die Steuerausfälle sind beträchtlich. Das kf hat gemeinsam mit anderen Konsumentenorganisationen die Preisvergleichs-Plattform Preisbarometer.ch ins Leben gerufen. kf-Geschäftsführer Michel Rudin warnte aber davor, beim Einkauf einseitig den Preis zu berücksichtigen. Mit einem Merkblatt mache das kf in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam, dass Preisvergleiche zwar wichtig seien, andere Faktoren wie Zeit, Ökologie, sozial- und tiergerechte Produktion und Qualität aber beim Kaufentscheid ebenso eine Rolle spielen müssten. Allerdings muss sich die Schweiz auf diesem Gebiet anstrengen. Gemäss Urs Klemm sind grosse Anstrengungen nötig, um die Lebensmittelsicherheit umfassend zu gewährleisten. Mit der Bildung des vom kf seit langem geforderten Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen müssen heutige Defizite beseitigt werden: Der Antibiotika-Einsatz in Obstgärten und Ställen ist zwingend zu reduzieren, und die laufende Revision des Lebensmittelgesetzes ist darauf zu überprüfen, inwieweit sie der Qualitätsstrategie zuwider läuft. Keine Frage ist dies beim Cassis de Dijon-Prinzip: Dieses gehört für Lebensmittel so rasch als möglich wieder abgeschafft. (Konsumentenforum/mc/ps)

Informieren – Beraten – Vernetzen
Das kf bietet eine umfangreiche Dienstleistungspalette an. Nebst der kompetenten und unentgeltlichen Beratung am Telefon oder über E-Mail werden Informations- und Diskussionsveranstaltungen zu aktuellen Themen lanciert. Ein elektronischer Newsletter gehört genauso zum Angebot wie die informative Zeitschrift kf Info. Merkblätter bieten Tipps zu alltäglichen Konsumfragen. Broschüren widmen sich Schwerpunktthemen. Dazu kommt die umfangreiche Internetplattform konsum.ch. Auch im Bereich Social Media hat das kf verstärkte Aktivitäten aufgenommen. Dies nicht zuletzt, um den Dialog mit jüngeren Zielgruppen zu verstärken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.