Kühne+Nagel: EU-Kartellbusse lässt Gewinn einbrechen

Reinhard Lange

Kühne+Nagel-CEO Reinhard Lange.

Schindellegi – Der Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im ersten Quartal einen massiven Gewinneinbruch erlitten. Der Reingewinn nach Minderheiten sank um 56% auf 67 Mio CHF. Dieser Rückgang gründet zum grossen Teil auf einer kürzlich ausgesprochenen Kartellbusse der Europäischen Union von umgerechnet 65 Mio CHF. Der Konzern spricht in der Mitteilung vom Montag von «unbefriedigenden» Ergebnissen.

Der Umsatz blieb mit 4,83 Mrd CHF praktisch stabil (+0,3%) und der aussagekräftigere Bruttogewinn stieg um 3,0% auf 1,50 Mrd. Der operative Gewinn (EBITDA) sank hingegen um 39% auf 153 Mio und der EBIT um 49% auf 100 Mio. Vor der Kartell-Busse wird ein EBITDA von 218 Mio und ein Reingewinn von 133 Mio CHF ausgewiesen. Die Zahlen blieben sowohl beim Umsatz als auch beim Reingewinn vor Abzug der Kartellbusse hinter den Konsensschätzungen zurück. Einzig auf Stufe Bruttogewinn wurden die Markterwartungen leicht übertroffen.

Ratenerhöhungen schmälern Marge
Dass die von der EU-Kommission verhängte Kartellbusse bereits in voller Höhe verbucht wurde impliziert gemäss Finanzchef Gerard van Kesteren nicht, dass der Entscheid akzeptiert wurde. Ob Rechtsmittel eingelegt werden, sei Gegenstand von Abklärungen und werde innerhalb der nächsten vier Wochen entschieden. Die dem Umsatz hinterherhinkende Gewinnentwicklung erkläre sich auch mit rückläufigen Gewinnmargen in der See- und Luftfracht. «Vor allem in der Seefracht ist die Marge ein Thema», sagte van Kesteren zu AWP mit Blick auf die zuletzt starken Ratenerhöhungen der Reeder. Sollte auch die dritte Erhöhungsrunde durchgehen, sie ist auf den 1. Mai angesetzt, würde die Frachtrate für einen TEU-Container auf der Linie Asien-Europa auf 4’000 USD steigen. Zu Jahresbeginn lag diese noch bei kaum mehr als 1’000 USD.

Die Verrechnung der höheren Frachtraten an die Kunden von Kühne + Nagel ist nach den Worten van Kesterens «ziemlich gut gegangen», wenngleich die Marge gelitten habe. Der «Margin Squeeze» werde im zweiten Quartal 2012 den Höhepunkt erreichen, bevor sich die Profitabilität im zweiten Semester wieder normalisieren dürfte.

Wachstum über Gesamtmarkt
Kühne+Nagel ist es erneut gelungen, schneller als der Gesamtmarkt zu wachsen. So sei in der Seefracht das Containervolumen um 9% gesteigert worden, während der Markt ersten Indikationen zufolge nur um 3-4% zugelegt habe. Die EBITDA-Marge im Verhältnis zum Bruttogewinn sei jedoch um 5,6 Prozentpunkte auf 30,3% gefallen. Das Betriebsergebnis verringerte sich um 15% auf 95 Mio CHF. Im Geschäftsbereich Luftfracht konnte Kühne+Nagel die Tonnage um 4% steigern, während der internationale Luftfrachtmarkt um 3% geschrumpft sei. Die EBITDA-Marge ging jedoch von 32,3% auf 26,5% zurück und das Betriebsergebnis lag mit 54 Mio CHF um 14% unter Vorjahr.

Kühne+Nagel hat zwar den Gesamtmarkt hinter sich zurückgelassen, muss aber seine eigenen Erwartungen teilweise zurückschrauben. Die Luftfrachtsparte dürfte im laufenden Jahr um 6 bis 8% wachsen, sagte van Kesteren. Bis dato peilte das Unternehmen ein Wachstum von 8 bis 10% an. Für die Seefracht wurde die eigene Wachstumsprognose auf «10% plus» belassen.

Einstellungsstopp verhängt
Als Konsequenz der aus den im ersten Quartal 2012 gewonnenen Erkenntnissen hat Kühne+Nagel zuletzt das Kostenmanagement verstärkt. «Wir haben einen Einstellungsstopp verhängt», konkretisierte der Finanzchef gegenüber AWP. Dieser werde «sicher bis Ende 2012» Bestand haben. Von einer Überreaktion auf den jüngsten Gewinneinbruch kann aber nicht die Rede sein, betonte van Kesteren. «Das machen wir jedes zweite Jahr», erklärte er mit Verweis auf das zuletzt sehr starke Wachstum des Unternehmens. So sei im Laufe des letzten Jahres die Zahl der Vollzeitstellen um 5’500 knapp 72’000 gewachsen. «Jetzt werden wir einmal kurz innehalten», so van Kesteren. Den erwarteten Einsparungseffekt könne er zum heutigen Zeitpunkt jedoch noch nicht beziffern. (awp/mc/upd/ps)

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