Kuoni steigt aus Reiseveranstalter-Geschäft aus

Peter Meier

Kuoni-CEO Peter Meier. (Foto: Kuoni)

Zürich – Die Kuoni Gruppe verabschiedet sich vom Reiseveranstalter-Geschäft und positioniert sich ausschliesslich als Dienstleister für die globale Reiseindustrie. Neben Kuoni Schweiz will die Gruppe auch die Aktivitäten in Grossbritannien, Benelux, Hongkong und Indien, sowie in Skandinavien verkaufen. Für die Geschäftsbereiche mit einem Jahresumsatz von über 2 Mrd CHF und 3’800 Mitarbeitern wird ein Käufer gesucht. Die Aktie reagiert mit Gewinnen auf die Ankündigung.

«Wir beginnen mit dem heutigen Tag mit der Suche nach potenziellen Käufern», sagte Kuoni-CEO Peter Meier am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Noch seien keine Gespräche geführt worden, der Verkauf soll aber noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Als potenzielle Käufer kämen globale Konkurrenzunternehmen, lokale Gesellschaften oder Beteiligungsgesellschaften in Frage.

Dabei sei ein Verkauf als Gesamtpaket oder auch der Verkauf einzelner Ländereinheiten denkbar. Eine Preisvorstellung wollte der Kuoni-CEO «aus taktischen Gründen» nicht nennen. Für Kunden und deren Buchungen in der Schweiz werde sich aber nichts ändern.

Nächste Runde der Restrukturierung
Damit geht die Restrukturierung bei Kuoni in eine nächste Runde. Bereits 2012 hatte sich die Gruppe von den Reiseveranstalteraktivitäten in Italien, Spanien, Niederlande, Belgien und Russland verabschiedet. Ein Jahr später folgte der Verkauf des Frankreich-Geschäfts.

Der geplante Verkauf der verbliebenen Aktivitäten in diesem Bereich unterscheide sich deutlich von der zuvor erfolgten Abstossung der verlustbringenden Reiseaktivitäten, so Meier weiter. «Wir glauben an die Zukunft dieser Geschäfte und sie können sich in einem anderen Rahmen gut entwickeln.» Die raschen Veränderungen des Marktumfeldes verlangten aber nach klaren Prioritäten in der Unternehmensentwicklung.

Fokussierung auf Reisedienstleistungen und Asien
Die Gruppe wird in ihrer künftigen Form noch drei Divisionen umfassen. Zu den Kerngeschäften gehören Global Travel Distribution (GTD, ehemals FIT) genannt. Das Unternehmen tritt dabei als Grossist und Anbieter von Hotelübernachtungen und weiteren Reisedienstleistungen für im B2B-Geschäft auf. Die Leitung der Division wird Ivan Walter übernehmen, wie Kuoni heute ebenfalls mitteilte.

Mit der Sparte Global Travel Services (GTS) wird Kuoni weiterhin als Veranstalter von Gruppenreisen auftreten. In beiden Divisionen liegt der Fokus auf dem Ausbau der Geschäftsfelder im asiatischen Raum.

Mit der Division VFS Global schliesslich tritt Kuoni als Outsourcing-Partner für inzwischen 45 Regierungen an. Kuoni betreibt für diese 1’400 Visa-Antragszentralen in 117 Ländern. Kuoni schätzt den weltweiten Marktanteil von VFS auf 50%. Beinahe 70% des Umsatzes in dieser Sparte macht der Konzern dabei im asiatisch-pazifischen Raum. Geplant sei die Erweiterung des Angebots auf verwandte Gebiete und digitale Lösungen.

Aktie gesucht
Gleichzeitig vermeldete die Gruppe am heutigen Mittwoch auf provisorischer Basis einen gegenüber dem Vorjahr knapp gehaltenen Nettoumsatz für 2014 von 5,5 Mrd CHF. Die drei verbleibenden Divisionen trugen auf pro-forma Basis 3,4 Mrd CHF zum Umsatz bei, was etwa 60% des Gesamtumsatzes entspricht. (vgl. auch separate Meldung)

An der Börse wurden die heutigen Ankündigungen gut aufgenommen. Bis am Nachmittag gewinnen die Kuoni-Aktien um 6,7% auf 333 CHF. Auch die Analysten begrüssen den Schritt mehrheitlich. Allerdings stelle der Verkauf des Reiseveranstalter-Geschäfts im laufenden Jahr im derzeitigen Umfeld eine Herausforderung dar, so der Experte von J.B Safra Sarasin. (awp/mc/upd/ps)

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