Lindt & Sprüngli erwartet keine grundlegende Umwälzung des Geschäfts

Lindt & Sprüngli erwartet keine grundlegende Umwälzung des Geschäfts
Dieter Weisskopf, CEO Lindt & Sprüngli. (Foto: (PPR/Gaetan Bally)

Kilchberg – Geschlossene Läden und abgesagte Familienfeste: Der Lockdown wegen der Corona-Pandemie hat Lindt & Sprüngli ausgerechnet zur Osterzeit das Geschäft verdorben. Die Folgen davon dürften zwar in den Zahlen noch nachhallen. Doch langfristig erwartet das Lindt-Management kaum Veränderungen.

Finanzchef Martin Hug jedenfalls erwartet keine allzu grossen Umwälzungen im Schokoladengeschäft: „Das ’new normal‘ wird für uns erstaunlich ähnlich aussehen wie das ‚old normal'“, sagte er an einer Telefonkonferenz vom Dienstag.

Lindt hat wegen der Coronakrise in der ersten Jahreshälfte 2020 zum ersten Mal seit über 25 Jahren einen organischen Umsatzrückgang in der Höhe von 8,1 Prozent verbucht. Insgesamt setzte der Premiumschokoladenhersteller noch 1,53 Milliarden Franken um.

Hug zeigte sich allerdings überzeugt, dass das Minus hauptsächlich daher rührte, dass viele Verkaufskanäle geschlossen oder praktisch geschlossen waren – wie etwa die eigenen Shops oder der Reisedetailhandel. „Die Nachfrage blieb trotzdem stark.“ So habe sich das Geschäft im Juni nach dem Lockdown wieder etwas normalisiert.

Onlinewachstum strategische Priorität
Auch sei die Excellence-Linie, die typischerweise für den Konsum zu Hause gedacht sei, zweistellig gewachsen. Das Onlinegeschäft verdoppelte sich, wenn auch auf kleinem Niveau. Inzwischen steuere es 4 Prozent zum Gesamtumsatz bei, sagte Hug. Online sei eine strategische Priorität und man rechne weiter mit dynamischen Wachstum.

Die Onlinestrategie von Lindt beruht im Wesentlichen auf drei Pfeilern: Der Verkauf über die Onlinekanäle des Detailhandels, über Onlineplattformen wie Alibaba oder Amazon und über den eigenen Onlineshop. Vor drei Jahren habe man eine entsprechende E-Commerce-Initiative lanciert, die nun erste Früchte trage, sagte Hug. Noch war dieser Kanal allerdings zu klein, um die Einbussen aus den stationären Läden auszugleichen.

Dabei war es mehr der Produktemix als die Menge der verkauften Schokolade, der auf den Umsatz drückte. Sprich: Lindt konnte weniger der für das Unternehmen lukrativen Geschenkschokolade verkaufen. Auch auf die hohen Margen über die Verkäufe in eigenen Shops musste das Unternehmen zeitweise verzichten. Und weiter beteiligte sich Lindt auch an Rabattaktionen, um vor allem die Osterware trotz Lockdown doch noch loszuschlagen.

Beschleunigte Reorganisation in USA
Lindt will nun zwar seine Investitionspläne für dieses Jahr etwas zurückfahren: So sollen noch etwa zwischen 230 bis 250 Millionen Franken investiert werden. Zuvor peilte Lindt gegen 300 Millionen an. Einige Investitionen würden einfach etwas später getätigt, sagte Hug weiter. Insgesamt hält das Unternehmen aber an seinen Plänen fest. Die Werbeausgaben sollen mindestens auf dem Niveau von 2019 liegen.

Zudem wurde die Restrukturierung in den USA beschleunigt. Die geplante Schliessung einer Fabrik der US-Tochter Russell Stover werde sieben Monate vorgezogen, sagte der Lindt-Finanzchef. Die Schliessung war ursprünglich für 2021 geplant.

Das Coronavirus hat nämlich auch stark in den Gewinnzahlen von Lindt gewütet: Der Betriebsgewinn sackte um rund 86 Prozent auf 17,1 Millionen Franken ab, die entsprechende Marge schrumpfte auf 1,1 Prozent. Unter dem Strich half eine Steuergutschrift, es blieben 19,7 Millionen Franken nach 88,1 Millionen im Vorjahr.

Für das Gesamtjahr stellt Lindt nun eine Marge von 10 Prozent in Aussicht. Bis sie aber wieder auf den 15 Prozent von 2019 angekommen ist, soll es bis 2022 oder 2023 dauern. Beim Umsatz dürfte es derweil schneller gehen: Dank Aufholeffekten soll das Wachstum 2021 über der langfristig angestrebten Bandbreite von 5 bis 7 Prozent liegen.

An der Börse allerdings dominierte am Dienstag die Enttäuschung: Die Lindt-Namenaktien verloren bis Handelsschluss bei einem leicht rückläufigen Gesamtmarkt 4,0 Prozent. (awp/mc/ps)

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