Lonza H1: Arch treibt Umsatz – Profitabilität hält vorerst nicht mit

Richard Ridinger
Lonza-CEO Richard Ridinger.

Lonza-CEO Richard Ridinger.

Basel – Der Lifesciencekonzern Lonza ist im ersten Halbjahr 2012 akquisitionsbedingt stark gewachsen, die Profitabilität konnte mit der Entwicklung jedoch nicht Schritt halten. Das Unternehmen selbst sieht ein «solides» erstes Semester und bestätigt vor diesem Hintergrund die eigene EBIT-Prognose für das Gesamtjahr.

Der Umsatz von Lonza sprang in den ersten sechs Monaten – hauptsächlich durch die Akquisition von Arch – um 65% auf 1,96 Mrd CHF. Der EBIT verbesserte sich dagegen lediglich um 24% auf 168 Mio CHF, die entsprechende Marge ging auf 8,6% nach 11,4% im Vorjahr zurück. Der Reingewinn schliesslich verminderte sich als Folge des gestiegenen Finanzaufwands gar um 3% auf 94 Mio, wie das Unternehmen am Mittwoch schreibt. Alle Schlüsselkennzahlen liegen damit über den durchschnittlichen Prognosen der Analysten.

Lonza habe in allen Märkten eine grundlegend gute Nachfrage gesehen. Gleichwohl stünden die Margen bei Niacin sowie im Chemical Custom Manufacturing weiterhin unter Druck. Vor dem Hintergrund eines schwierigen makroökonomischen Umfelds sowie der anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf eine potenzielle Rezession in allen Sektoren hat die Gruppe nach eigener Einschätzung ’solide› Ergebnisse geliefert

Erste Einschätzungen des neuen CEO
Die Gesamtstrategie von Lonza habe weiterhin absolute Gültigkeit, betont der seit 85 Tagen amtierende neue CEO Richard Ridinger. Er habe aber ein paar wichtige Chancen identifiziert, die dem Unternehmen dazu verhelfen würden, auf einen profitablen Wachstumsweg zurückzukehren.

Zu diesen wichtigen Chancen gehörten eine stärkere Konzentration auf die Zielmärkte, eine kurzfristige Kostensenkung durch «VispChallenge» und die Integration von Arch sowie langfristige betriebliche Verbesserungen. Weitere Chancen beinhalteten eine starke Konzentration auf das Cash- sowie das Portfolio-Management. Im Zuge des neuen Grundsatzes «Focus and Deliver» verpflichte sich Lonza zu einer schrittweisen Steigerung des Wachstums, der EBITDA-Marge und der Kapitalrendite, heisst es weiter.

Integration von Arch auf Kurs
Im neu umsatzstärksten Geschäftsfeld Microbial Control nahmen die Verkäufe dank Arch um gut 450% auf 865 Mio CHF zu. Die Integration sei voll auf Kurs. Lonza bekräftigt die anvisierten Kostensynergien in Höhe von 50 Mio USD ab Ende des zweiten Jahres sowie das Ziel von 40 Mio USD zusätzlichem Umsatz aus den Cross-Selling-Aktivitäten ab dem dritten Jahr. 50% der Synergien würden bereits im laufenden Jahr erreicht.

Custom Manufacturing verzeichnete eine stabile Nachfrage, was zu einer hohen Kapazitätsauslastung in den chemischen und biologischen Anlagen sowie zu einer starken Projekt-Pipeline geführt habe. Der Umsatz des Bereichs erhöhte sich um 5% auf 597 Mio, die EBIT-Marge dagegen verringerte sich auf noch 9,9% nach 17,3%. Hier belastete unter anderem die neue Biologics-Anlage für die Produktion im Grossmassstab in Singapur. Life Science vermochte die Kapazitätsauslastung auf hohem Niveau zu halten. Der Umsatz nahm um knapp 5% auf 379 Mio zu die EBIT-Marge verbesserte sich geringfügig auf 6,6% nach 6,4%.

EBIT-Prognose 2012 bekräftigt
Auf Basis der Halbjahreszahlen bekräftigt Lonza den Ausblick für das Gesamtjahr 2012. So soll der Betriebsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 10 bis 15% wachsen. Wichtige Projekte, welche auf nachhaltige Markt- und Gewinnergebnisse abzielen würden seien auf Kurs. Dazu gehören gemäss Lonza die Integration von Arch, VispChallenge wie auch die Überprüfung der Corporate-Strukturen. Allerdings könne die Volatilität der derzeitigen makroökonomischen Situation in einigen Teilen der Welt stets einen negativen Effekt auf alle strategischen und betrieblichen Bemühungen haben, warnt das Management.

Weiterhin hohe Priorität geniesst die Bilanz-Struktur und die Schuldenreduktion. Die Nettoverschuldung belief sich zur Jahresmitte auf 2,53 Mrd CHF, entsprechend einem Verschuldungsgrad von 108%. Der operative freie Cash Flow betrug in der Berichtsperiode 289 Mio CHF nach 66 Mio im Vorjahr. Die nötigen Massnahmen zur Senkung der Investitionsausgaben und strikte Bemühungen, das Nettoumlaufvermögen zu reduzieren, seien eingeleitet und würden fortgeführt. Die Refinanzierung der Überbrückungskredite aufgrund der Akquisition von Arch schreitet planmässig voran. Eine Kapitalerhöhung sei dazu nicht vorgesehen, gab das Management Entwarnung.

Wieder mittelfristige Ziele
Neu setzt sich Lonza auch wieder mittelfristige Ziele: so soll die EBITDA-Marge bis zum Geschäftsjahr 2015 auf 20% steigen; heute liegt dieser Wert bei 16,6%. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.