Richemont startet schwach ins Weihnachtsquartal

Johann Rupert
Johann Rupert, Executive Chairman Richemont.

Johann Rupert, VR-Präsident Richemont.

Genf – Der Luxusgüterkonzern Richemont ist im ersten Halbjahr 2015/16 zwar gewachsen, doch der Start ins Weihnachtsquartal ist missglückt. Während sich Schmuckstücke der Marken Cartier und Van Cleef & Arpels einer guten Nachfrage erfreuen, leiden die Uhrenhäuser unter der nach wie vor schwachen Nachfrage in Asien. Die Anleger sind enttäuscht und die Aktie verliert stark an Wert.

Den Umsatz steigerte Richemont in den Monaten April bis September in Euro um 15% auf 5,82 Mrd, wie es in der Mitteilung vom Freitag hiess. In Lokalwährungen legten die Verkäufe dagegen nur noch um 3% zu. Diese Entwicklung kommt einer weiteren moderaten Wachstumsverlangsamung gleich, nachdem Richemont im September für die ersten fünf Monate ein Wachstum von 16% in Euro und von 4% zu konstanten Währungen publiziert hatte.

Die Abschwächung im September zog sich auch weiter ins neu angelaufene Quartal hinein: Im Monat Oktober sank der Umsatz in Euro um 1% und zu konstanten Kursen um 6%. „Die Oktober-Zahlen sind nicht gut“, gab CFO Gary Saage an einer Telefonkonferenz unumwunden zu. Nach wie vor belaste die Schwäche im asiatischen Markt den Absatz und im zweiten Halbjahr sei mit einem anhaltend „herausfordernden“ Marktumfeld zu rechnen, liess Verwaltungsratspräsident Johan Rupert verlauten.

Nachfragerückgang im Grosshandel
In Hong Kong und Macau sowie in China macht Richemont vor allem der schwache Grosshandel (-6% in LW) zu schaffen, wogegen sich die eigenen Shops (+13%) gut entwickeln. Das grosse Wachstum in den Cartier-, Piaget- oder IWC-Boutiquen habe im ersten Halbjahr in Festlandchina sogar den Rückgang im Grosshandel kompensiert und im Halbjahr seit langem wieder zu einem Wachstum in Lokalwährungen (+1%) geführt, so Saage.

Nach Regionen büsste Asien-Pazifik 17% an Umsatz ein, Amerika (+1%) blieb in etwa stabil, aber Europa (+24%) und Japan (+44%) legten kräftig zu. Der Boom in Europa sei dem schwachen Euro und dem damit verbundenen stark wachsenden Konsum von Touristen geschuldet, sagte der Finanzchef. Auch Japan profitiere immer mehr von konsumfreudigen, chinesischen Touristen.

Tiefere Währungsverluste
Unter dem Strich kletterte der Gruppengewinn im Halbjahr um deutliche 22% auf 1,10 Mrd EUR. Mit ein Grund dafür ist die volatile Entwicklung der Hedging-Positionen. Auf Währungsabsicherungen resultierte diesmal mark-to-market ein Verlust von nur 8 Mio, nachdem Absicherungsgeschäfte das Ergebnis vor Jahresfrist mit 239 Mio belastet hatten. Der Betriebsgewinn erhöhte sich mit höheren Verkaufs- und Vertriebskosten (+22%) sowie höheren Marketingaufwendungen (+7%) noch um 6% auf 1,39 Mrd EUR. Die Marge ging um 2 Prozentpunkte auf 24% zurück.

Stark entwickelt sich das Schmuckgeschäft: Der Umsatz wuchs um 18% auf 3,18 Mrd EUR, dies bei einer immer noch hohen Margen von 34,7% (VJ 36,3%). Derweil gab Cartier-CEO Stanislas de Quercize „aus persönlichen Gründen“ seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Laut Pressemeldungen sind wohl gesundheitliche Gründe dafür verantwortlich. Auf de Quercize folgt Anfang 2016 Cyrille Vigneron, aktuell Präsident von LVMH Japan.

Die Verkäufe der Uhrmacher legten lediglich um 8% auf 1,75 Mrd zu, bei einer mit 23,0% (28,4%) deutlich tieferen Marge. Im Bereich Other (Montblanc, Alfred Dunhill, Lancel, Chloé) nahm der Umsatz um 17% auf 895 Mio zu. Die Sparte schreibt aber immer noch Verlust (11 Mio).

Aktie bricht ein
Vor Analysten bekräftigte Saage das Versprechen, die Dividende „in guten wie in schlechten Jahren“ nachhaltig zu erhöhen. Die Nettocashposition, die sich um 487 Mio auf 4,76 Mrd EUR erhöhte, dürfte genügend Spielraum dafür bieten. Kommt hinzu, dass Richemont den aus der bereits abgeschlossenen Yoox Net-A-Porter-Fusion erwartete Gewinn per Ende März auf 530 Mio EUR veranschlagt.

Die Aktie ist am Freitag dennoch stark unter Druck gekommen und verliert bis Handelsschluss in einem leicht negativen Gesamtmarkt 5,66 Prozent auf 81,70 Franken. (awp/mc/pg)

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