Swiss-Chef Hohmeister in Lufthansa-Führung

Harry Hohmeister

Harry Hohmeister steigt im Lufthansa-Konzern auf, bleibt aber Chef der Swiss. (Foto: Lufthansa Group)

Frankfurt am Main – Der Chef der Fluggesellschaft Swiss, Harry Hohmeister, wird in den Vorstand des Mutterkonzerns Lufthansa berufen. Der 49-Jährige übernimmt die Verantwortung für Verbund-Airlines und Logistik. Wolfgang Mayrhuber gab zunächst bekannt, er kandidiere nicht als Verwaltungsratspräsident, nahm die Ankündigung am Abend aber wieder zurück.

Das Amt des Swiss-Chefs behält Hohmeister, wie deren Mutterkonzern am Montagabend bekannt gab. Seinen neuen Job tritt er am 1. Juli an. Neben Hohmeister stösst Bettina Volkens zur Lufthansa-Konzernleitung. Sie übernimmt das Ressort Personal und Recht. Dieses gehörte bisher Hohmeisters neuem Verantwortungsbereich an. Volkens ist nach Finanzchefin Simone Menne die zweite Frau in der Lufthansa-Führung.

Der bisherige Chef der Abteilung, Stefan Lauer, tritt auf Anfang Juli ab. Damit vergrössert sich die Konzernleitung von vier auf fünf Mitglieder.

Pirouette um Kandidatur Mayrhubers
Beim Aufsichtsgremium – in der Schweiz Verwaltungsrat – legte die Lufthansa nur einen Tag vor der Generalversammlung eine spektakuläre Pirouette hin. Der 66-jährige frühere Vorstandsvorsitzende (Konzernchef) Mayrhuber hatte nach Kritik aus Aktionärskreisen erklärt, dass er für das Amt des Aufsichtsratschefs nicht zur Verfügung stehe, wie das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung für die Börse mitteilte.

Dann muss es gelungen sein, sowohl Kritiker als auch Mayrhuber umzustimmen. In einer weiteren Pflichtmitteilung erklärte das Kontrollgremium am Abend: «Nach der heutigen Bekräftigung des Wunsches zur Kandidatur Wolfgang Mayrhubers durch den Aufsichtsrat sowie der Ankündigung wichtiger Investoren, für Wolfgang Mayrhuber zu stimmen, hat Herr Mayrhuber sich bereit erklärt, an seiner Kandidatur zur Wahl in den Aufsichtsrat unverändert festzuhalten.»

Multi-Verwaltungsrat
Während sich deutsche Investoren an Fehlentscheidungen Mayrhubers aus seiner Zeit an der Unternehmensspitze störten, kritisierte die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) vor allem die Vielzahl der Verwaltungsratsmandate des Österreichers, der unter anderem Infineon, BMW und Munich Re beaufsichtigt.

Weiterhin störte sich ISS an der aus ihrer Sicht zu kurzen «Abkühlzeit» zwischen Vorstandsposten und Kontrolltätigkeit und riet ihren Kunden – meist grosse Fondsgesellschaften und andere institutionelle Anleger – zum «Nein» für den Personalvorschlag.

Vorwürfe wegen strategischer Fehler
Mayrhuber sollte nach zehn Jahren dem scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Jürgen Weber folgen, hatte der Aufsichtsrat vorgeschlagen. Der Österreicher wird aber für strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe in seiner Zeit als Vorstandschef in den Jahren 2003 bis 2010 verantwortlich gemacht. Den aktuellen Sparkurs mit harten Einschnitten auch beim Personal hätte Mayrhuber deshalb nicht glaubwürdig vertreten können, so die Kritik.

Mayrhuber sollte ursprünglich bereits 2011 in den Lufthansa-Verwaltungsrat wechseln, hatte dann aber gemäss der deutschen Grundsätze für eine gute Unternehmensführung zwei Jahre Wartezeit eingehalten. Dies war der ISS aber noch zu kurz.

Drastisches Sparprogramm eingeleitet
Das Hin und Her fällt für das Unternehmen in eine schwierige Phase. Der aktuelle Lufthansa-Chef Christoph Franz hat auf seinem Sanierungskurs Sparmassnahmen auch an der Konzernspitze angekündigt. Den Aktionären will er eine Nullrunde bei der Dividende zumuten und im Unternehmen rund 3’500 von derzeit 117’000 Stellen streichen.

Die Verbund-Airline Lufthansa umfassen unter anderem Swiss, Austrian Airlines und Germanwings. (awp/mc/upd/pg)

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