Migros mit tiefstem Gewinn seit eineinhalb Jahrzehnten

Fabrice Zumbrunnen
Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes. (Foto: MGB)

Zürich – Die Migros hat im vergangenen Jahr unter ihrem abgetretenen Konzernchef Herbert Bolliger das schlechteste Ergebnis seit eineinhalb Jahrzehnten eingefahren. Trotz einem Rekordumsatz brach der Reingewinn um knapp ein Viertel auf 503 Mio CHF ein. Letztmals tiefer war der Reingeiwnn im Jahre 2003 mit 372 Mio CHF gewesen. Damit hat Bolligers Nachfolger Fabrice Zumbrunnen viel Luft nach oben.

Eines stellte der Neue gleich zu Beginn der Bilanzmedienkonferenz am Dienstag in Zürich klar: Der Umsatz habe zwar mit einem Plus von 1,2% erstmals die Grenze von 28 Mrd CHF überschritten. «Das ist erfreulich», sagte Zumbrunnen. «Die Nachfrage nach unseren Produkten und Dienstleistungen steigt.» Die Migros wachse.

Allerdings sei das operative Ergebnis unter Druck. «Damit können wir uns nicht zufrieden geben», sagte Zumbrunnen, der Anfang Jahr das Steuer beim «orangen Riesen» übernommen hat. Der Betriebsgewinn (EBIT) sackte um ein Drittel auf 603 Mio CHF ab. Neben dem Preisdruck im Detailhandel hätten auch Investitionen in neue Marktfelder, Verkäufe von Geschäftsbereichen und Restrukturierungen, sowie Wertminderungen auf das Ergebnis gedrückt.

2017 hat die Migros einerseits neue Unternehmen wie die Fitnesskette Silhouette und den Fischhändler Tipesca gekauft. Andererseits aber auch den Velohändler Probike oder den Abholgrosshandel CCA Angehrn und den Büroausstatter Office World/Iba veräussert. Gleichzeitig wurde die Globus-Gruppe restrukturiert, wodurch die Marken Herren-Globus und Schild verschwunden sind.

Kosten zu steil gestiegen
Die operativen Kosten seien um 533 Mio CHF gestiegen und damit über doppelt stark, wie der Bruttogewinn zugenommen habe, sagte Finanzchef Jörg Zulauf. Deutlich geklettert sind die Ausgaben für das Personal, Unterhalt, Energie, Informatik und Werbung.

Bei den Abschreibungen hat die Migros einen Strich unter die Ära Bolliger gezogen und die Bewertung von gewissen Unternehmen in den Büchern heruntergeschraubt. Zudem führe der Anstieg der Investitionen in den letzten Jahren zu immer höheren Abscheibern, erklärte Zulauf. Aber auch ohne die höheren Abschreibungen seien die Kosten zu stark geklettert.

Einbruch in Industrie und Grosshandel
Den schärfsten Gewinneinbruch gab es bei der Division Industrie und Grosshandel, deren operatives Ergebnis um rund zwei Drittel auf 56 Mio CHF abstürzte. Im Kerngeschäft des genossenschaftlichen Detailhandels, wo die Migros-Läden angesiedelt sind, sackte der EBIT von 542 Mio auf 306 Mio CHF ab.

Insbesondere die Division Handel habe unter dem Marktdruck gelitten. Sorgenkind war hier die Globus-Gruppe. Der operative Verlust der Division konnte indes leicht um 4 Mio auf 83 Mio CHF verringert werden. Denn besser gelaufen seien die Geschäfte dagegen beim Discounter Denner und bei den Migrolino-Läden. Beide hätten die Erwartungen übertroffen, sagte Zumbrunnen. Auf einer Erfolgswelle reite Digitec-Galaxus, der den Umsatz um über 18% verbessert hat. «Das Unternehmen konnte seine Rolle als grösster Onlinehändler der Schweiz ausbauen», sagte Zumbrunnen.

In die Digitalisierung will die Migros weiterhin investieren. Dort gebe es ein grosses Wachstumspotential, sagte Zumbrunnen. Man wolle der grösste Onlinehändler der Schweiz bleiben. Im Internet kratzt die Migros beim Umsatz an der Marke von 2 Mrd CHF. Man wolle den stationären Handel mit dem Onlinehandel vermehrt verknüpfen. So sollen die Abholastandorte von im Internet bestellten Waren erweitert werden.

Gewinnanstieg erwartet
Nach dem Gewinneinbruch 2017 will die Migros heuer wieder mehr verdienen. «Der Gewinn muss steigen. Niemand kann mit diesem Ergebnis zufrieden sein», sagte Zumbrunnen. Dabei hilft, dass die Wertberichtigungen, die 2017 einmalig aufs Ergebnis gedrückt hatten, 2018 nicht mehr anfallen.

«Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr wieder bessere Resultate haben werden», sagte Finanzchef Zulauf. «Die Grössenordnung ist schwierig abzuschätzen.» Eines ist indes klar: Die Migros werde ihr längerfristiges Ziel von 2 bis 4 Prozent Reingewinnmarge bereits 2018 wieder erreichen, nachdem sie im 2017 mit 1,8% Marge darunter geblieben war. «Ich bin zuversichtlich, dass wir das im laufenden Jahr schaffen.» (awp/mc/ps)

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