«Gemeinsam aus der Pandemie»: Bund und Kantone setzen auf nationale Impfwoche

«Gemeinsam aus der Pandemie»: Bund und Kantone setzen auf nationale Impfwoche
(Bild: zvg)

Bern – Konzerte von Sophie Hunger, Kaffee am Hauptbahnhof Zürich und Promi-Inserate: Bund und Kantone setzen in der kommenden nationalen Impfwoche alle Hebel in Bewegung, um Zögernde von den Vorteilen der Impfung zu überzeugen. Die Kampagne lässt sich der Bund rund 100 Millionen Franken kosten.

«Mit der Impfwoche wollen wir wirklich noch einen Schritt vorwärtsmachen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. Mit der Impfoffensive werde ein «last call» gemacht. Es sei eine «gute Sache».

Bundespräsident Guy Parmelin ergänzte, mit der Impfwoche solle in erster Linie informiert werden. Das Virus zu besiegen, sei im Interesse der gesamten Gesellschaft. Die Überzeugungsarbeit sei harte Arbeit, aber sie lohne sich. Mit der Impfwoche würden auch Geimpfte die Gelegenheit haben, ihre Frage beantwortet zu bekommen.

Informieren sollen etwa Inserate von über achtzig Persönlichkeiten aus Sport, Kultur, Wirtschaft und Politik. Zudem wird eine Konzerttour stattfinden, die mit einer Impfberatung und Impfmöglichkeiten begleitet wird. Musikerinnen und Musiker wie Stefanie Heinzmann, Danitsa, Stress, Dabu, Kunz, Baschi, Anna Rossinelli und Sophie Hunger werden in verschiedenen Städten der Schweiz spielen.

In allen Kantonen finden weitere lokale Veranstaltungen wie beispielsweise eine Impfnacht oder ein Livestream mit Expertinnen und Experten statt. In Zürich soll es am Hauptbahnhof Kaffee und Berliner geben, wie die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli sagte.

Kantone sind «topmotiviert»
Laut Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), läuft die Impfkampagne in allen Kantonen mit Hochdruck. Die Impfung werde ab nächster Woche in einer neuen Art und auf neuen Kanälen wahrzunehmen sein. «Wir sind topmotiviert für die Impfwoche», sagte Engelberger. Ziel sei es, die Impfung näher zu den Menschen zu bringen.

Der Aufwand, ungeimpfte Menschen zu überzeugen, werde zwar grösser, er lohne sich aber trotzdem. «Denn jede Impfung zählt», sagte Engelberger. Je mehr Menschen geimpft seien, desto besser. Angaben über eine bestimmte Zielvorgabe bei den Impfungen machen Bund und Kantone denn auch nicht.

Wie viele zusätzliche mobile Beratungs- und Impfstellen in den Kantonen unterwegs sein werden, ist noch nicht klar. Erst 13 Kantone hätten ihre Programme bereits eingereicht, begründete der Bundesrat.

Die nationale Impfwoche ist Teil der Impfoffensive, welche der Bundesrat Mitte Oktober beschlossen hatte, um die Impfquote zu erhöhen. Zwei weitere Pfeiler sind die Aufstockung von mobilen Beratungs- und Impfstellen für einen niederschwelligen Zugang zur Impfung und ein Beratungsangebot mit geschulten Personen für individuelle Gespräche.

Parmelin appelliert an Solidarität
Bundespräsident Guy Parmelin appellierte erneut an die Solidarität der Gesellschaft, um der Pandemie ein Ende zu setzen. «Machen Sie sich immun gegen das Virus, es ist im Interesse von uns allen.» Die Impfung sei das einfachste Mittel auf dem Weg zurück in einen normalen Alltag.

Im Schnitt könne pro 50 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 150 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden, heisst es in einer Mitteilung des Bundesrats. Zudem würden durch die Vermeidung von Schliessungen Kosten gespart, etwa in der Gastronomie und Hotellerie.

Die Schweiz verzeichne mit 73 Prozent der über 12-Jährigen im internationalen Vergleich eine tiefe Impfquote. Die Impfgeschwindigkeit sei zu langsam, um in der kalten Jahreszeit eine weitere starke Infektionswelle verhindern zu können. «Ein zusätzlicher Effort vor dem Winter ist nötig», sagte Berset.

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch innerhalb von 24 Stunden 2607 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig registrierte das BAG 5 neue Todesfälle und 57 Spitaleintritte.

Strenger bei Schnelltests
Künftig gibt es für nasale Antigen-Schnelltests kein Covid-Zertifikat mehr, weil die Testqualität ungenügend sei, hält der Bundesrat in einer Mitteilung fest. Ein Zertifikat gibt es nur noch für Tests mit einem Nasen-Rachen-Abstrich.

Seit 11. Oktober 2021 finanziert der Bund die Tests (Antigen-Schnelltests und Speichel-PCR-Pool-Tests) von Personen, die eine erste Impfung, aber noch kein Covid-Zertifikat erhalten haben. Der Bundesrat hat nun entschieden, dass die Tests für diese Personen bis maximal sechs Wochen nach der Erstimpfung weiterhin übernommen werden.

Der Bundesrat hat im Weiteren die Kostenübernahme für die Antigen-Schnelltests durch den Bund angepasst und von aktuell 47 Franken auf maximal 36 Franken gesenkt. Dem Bund darf weiterhin maximal der Betrag verrechnet werden, der der selbstzahlenden Person in Rechnung gestellt wird.

Schweizer Covid-Zertifikat für Genesene
Der Bundesrat hat weiter die Einführung eines Schweizer Covid-Zertifikats beschlossen. Damit kann die Gültigkeitsdauer des Covid-Zertifikats für genesene Personen im Inland auf 12 Monate verlängert werden. Zudem können auch Personen mit einem aktuellen positiven Antikörper-Test (serologischer Test) ein Schweizer Zertifikat erhalten. Dieses ist 90 Tage und nur in der Schweiz gültig. Die Anpassung tritt am 16. November in Kraft.

Der Bundesrat hat zudem beschlossen, dass auch die Auffrischungsimpfung kostenlos ist. Und schliesslich will die Regierung nicht nur den regionalen Personenverkehr und den Schienengüterverkehr weiter finanziell unterstützen, sondern auch den Ortsverkehr und touristische Verkehrsmittel. Über die zusätzlichen Corona-Kredite von insgesamt 215 Millionen Franken entscheidet das Parlament. (awp/mc/pg)

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