Ernährungsinitiative wird gemäss Hochrechnung klar abgelehnt

Ernährungsinitiative wird gemäss Hochrechnung klar abgelehnt
(Bild: © Christian Schwier / AdobeStock)

Bern – Die Schweiz erhält keine erhöhten Ziele für die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Gemäss der zweiten Hochrechnung von gfs.bern im Auftrag der SRG von 13 Uhr haben die Stimmenden die Ernährungsinitiative mit einem Nein-Anteil von 72 Prozent verworfen.

In den bisher ausgezählten Kantonen Aargau und Glarus verwarfen je gegen 75 Prozent der Stimmenden die Initiative. Die aufgegriffene Themen seien zwar durchaus mehrheitsfähig gewesen, sagte Politologe Lukas Golder im Schweizer Fernsehen SRF. Aber der Fehler sei, dass die Initiative zu viel zu schnell gewollt habe.

Ein Netto-Selbstversorgungsgrad von siebzig statt wie heute bei 45 Prozent, und das innerhalb von zehn Jahren: Das hätte die Ernährungsinitiative verlangt. An dieser Vorgabe hätten sich die Land- und Ernährungswirtschaft sowie die Konsumentinnen und Konsumenten ausrichten müssen.

Sauberes Trinkwasser für alle
Weiter hätte der Bund dafür sorgen müssen, dass alle im Land mit Lebensmitteln und mit sauberem Trinkwasser versorgt sind. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft hinter der 2021 abgelehnten Trinkwasserinitiative.

Das kleine Komitee musste den Abstimmungskampf weitgehend alleine bestreiten. Denn Umweltverbände hatten sich nach anfänglicher Unterstützung von der Initiative distanziert. Greenpeace Schweiz zum Beispiel gab eine Stimmfreigabe aus, und Stimmfreigabe beschlossen auch die Grünen. Alle anderen Parteien empfahlen ein Nein.

Abstimmungssieger sind die grossen Parteien, der Bauernverband, die Nahrungsmittelindustrie und das Gewerbe. Sie argumentierten, die geforderte Erhöhung des Selbstversorgungsgrads sei utopisch und nur durch drastische Eingriffe in Konsum und Produktion machbar. Die Initiative wolle Konsumentinnen und Konsumenten zu einer hauptsächlich veganen Ernährung zwingen.

Die Initiative schwäche die einheimische Produktion, mache Lebensmittel teurer und führe zu mehr Einkaufstourismus, machte die Gegnerschaft zudem geltend. Die Schweizer Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete wies darauf hin, dass ohne grasfressende Nutztiere zwei Drittel der Landwirtschaftsflächen nicht für die Ernährung genutzt werden könnten. (awp/mc/ps)

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