Nestlé wächst im 1. Quartal leicht über Erwartungen

Mark Schneider
Nestlé-CEO Mark Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2018 etwas stärker gewachsen als von Analysten erwartet. Vor allem die Volumen legten zu, während die Preise kaum erhöht werden konnten. Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2018 wurde derweil bestätigt.

Organisch, d.h. aus eigener Kraft, legte der Westschweizer Konzern um 2,8 Prozent zu. Ohne das US-Süsswarengeschäftes, das per Ende März bekanntlich an Ferrero verkauft wurde, wäre Nestlé gar 2,9 Prozent gewachsen. Alle Kategorien haben positives Wachstum erzielt, vor allem Produkte für Heimtiere, Kaffee und Nestlé Health Science, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Dem organischen Wachstum wird in Investorenkreisen deutlich mehr Gewicht beigemessen als dem Umsatz in Franken, der auch von Wechselkursveränderungen sowie Zu- und Verkäufen beeinflusst wird. Er wird für die Periode von Januar bis März mit 21,3 Milliarden Franken (+1,3%) ausgewiesen, wobei der Wechselkurseffekt -1,6 Prozent und der Akquisitionseffekt +0,2 Prozent ausmachte.

Beim internen Realwachstum „am oberen Ende der Industrie“
Beim organischen Wachstum waren 2,6 Prozent auf Volumenwachstum (internes Realwachstum RIG) und lediglich 0,2 Prozent auf höhere Preise zurückzuführen. Beim RIG liege man weiterhin am oberen Ende der Lebensmittelindustrie, so Nestlé. Dass die Preiskomponente nur knapp positiv ausfiel, wird vor allem mit der tiefen Inflation in vielen der Emerging-Markets-Länder begründet. Der Konzern war lange bekannt dafür, dass er die Preise aufgrund der starken Marken relativ problemlos erhöhen konnte.

Im Vergleich zum letzten Quartal hat sich das organische Wachstum nun zu Beginn des Jahres aber wieder relativ klar beschleunigt. Allerdings war der Wert mit 1,9 Prozent im vierten Quartal auch so tief wie noch nie in diesem Jahrhundert ausgefallen und ist entsprechend noch immer weit weg von der langjährigen Zielgrösse von 5 bis 6 Prozent (gemäss dem früher gültigen Nestlé-Modell).

Mit den vorgelegten Zahlen hat Nestlé die Schätzungen von Analysten (AWP-Konsens) bei den Wachstumszahlen leicht übertroffen. Diese hatten das organische Wachstum im Durchschnitt bei +2,5 Prozent (Bandbreite 2,2 bis 2,9%) und das interne Realwachstum bei +1,9 Prozent (1,5 bis 2,1%) geschätzt. Beim Umsatz wurde der von Analysten prognostizierte Wert genau getroffen.

Der seit gut einem Jahr amtierende CEO Mark Schneider spricht in der Mitteilung von einem „soliden Start“ ins neue Jahr, bei dem alle Regionen zum Wachstum beigetragen hätten. Das Volumenwachstum habe sich deutlich verbessert, die Preisanpassungen seien dagegen weiterhin gering geblieben.

China wächst dank Neujahrs-Fest stark
Das organische Wachstum betrug von Januar bis März in den Industrieländern 1,5 Prozent und in den Emerging Markets 4,5 Prozent. Nach geographischen Regionen schnitt AOA (Asien etc.) mit 4,5 Prozent am besten ab, vor EMENA (Europa etc.) mit 2,3 Prozent und AMS (Amerika etc.) mit 2,0 Prozent. Bei diesen Werten sind alle Nestlé-Bereiche zusammengefasst. Dies im Gegensatz zur Zonen-Berechnung, bei der das global geführte Geschäft (u.a. Nespresso, Wasser) nicht enthalten ist.

Im Raum AOA hat sich vor allem die Umsatzdynamik in den USA verbessert. Nordamerika sei damit zu positiven Wachstumsraten zurückgekehrt, heisst es. Getrieben worden sei das Geschäft vor allem von einer verbesserten Performance bei Heimtierprodukten, während das verkaufte Süsswarengeschäft auf die Zahlen drückte.

Im Raum EMENA verzeichnete Westeuropa einen positiven RIG, bei allerdings negativen Preisanpassungen. In Zentral- und Osteuropa wurde ein mittleres einstelliges organisches Wachstum erzielt, vor allem dank „starkem“ RIG. Im Raum AOA spricht Nestlé von einem „starken Wachstum“ in China, dies dank dem günstigen Zeitpunkt des chinesischen Neujahres.

Ziele für 2020 in Reichweite
Der Ausblick wie auch die mittelfristigen Ziele wurden bestätigt. Das Management rechnet entsprechend für 2018 weiter mit einem organischen Umsatz-Wachstum zwischen 2 und 4 Prozent sowie einer Verbesserung der (bereinigten) operativen Marge gemäss der Zielvorgabe für 2020. Dannzumal will der Konzern wieder ein mittleres einstelliges Wachstum erzielen.

Die Restrukturierungskosten für dieses Jahr belaufen sich wie früher angekündigt auf rund 700 Millionen Franken. Ein Anstieg sowohl des Gewinns je Aktie bei konstanten Wechselkursen als auch der Kapitaleffizienz wird für 2018 ebenfalls erwartet. Gemäss CEO Schneider kommen die Umsetzung der Portfoliomanagementstrategie sowie die Massnahmen zur Effizienzsteigerung „gut voran“. Er spricht auch von einer „vielversprechende Innovationspipeline“.

Die Nestlé-Aktie reagierte verhalten positiv auf die Zahlen, wobei vor allem das etwas über den Erwartungen ausgefallene organische Wachstum positiv und die schwache Preisentwicklung eher als Enttäuschung aufgenommen wurde. Das Papier schloss 0,2 Prozent höher auf 75,40 Franken, dies in einem stagnierenden Gesamtmarkt. (awp/mc/pg)

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