Nestlé wächst im ersten Quartal organisch um 2,3%

Mark Schneider
Nestlé-CEO Mark Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé ist im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2017 etwas stärker gewachsen als von Analysten erwartet. Allerdings ging das Wachstumstempo im Vergleich zu den letzten Quartalen weiter zurück. Trotzdem wird der im Februar kommunizierte Gesamtjahresausblick zu Umsatz und Gewinn bestätigt.

Organisch legte der Westschweizer Konzern laut Mitteilung vom Donnerstag um 2,3% zu, wobei 1,3% auf Mengenwachstum (internes Realwachstum RIG) und 1,0% auf Preisanpassungen zurückzuführen waren. Im vierten Quartal 2016 hatte die organische Wachstumsrate noch 2,9% betragen. Stark rückläufig gegenüber den letzten Werten war vor allem die Mengenkomponente (RIG), während die Preiskomponente ganz leicht höher ausfiel.

Der Gruppen-Umsatz für die Periode von Januar bis März lag bei 21,0 Mrd CHF (+0,4%), wobei der Wechselkurseffekt -0,4% und der Netto-Akquisitionseffekt -1,5% ausmachten. Das organische Wachstum in den Industrieländern betrug 0,8% und in den Emerging Markets 4,3%.

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Nestlé die Schätzungen der Analysten (AWP-Konsens) bei der wichtigsten Kennzahl organisches Wachstum leicht übertroffen. Diese hatten das organische Wachstum im Durchschnitt bei +2,1% (Bandbreite 1,5 bis 2,9%) und das interne Realwachstum bei +1,2% (0,8 bis 1,9%) geschätzt. Beim Umsatz wurde ein Wert von 21,25 Mrd CHF erwartet.

Schwieriges Quartal in Brasilien
CEO Mark Schneider zeigte sich in der Mitteilung relativ nüchtern: «Das organische Wachstum im ersten Quartal befindet sich innerhalb der Spanne unserer Prognose für das Gesamtjahr.» Der zusätzliche Tag im Vorjahr (Schaltjahr 2016) und andere jahreszeitliche Einflüsse (u.a. späte Ostern 2017) hätten zu einem «besonders herausfordernden Jahresbeginn» geführt. Analysten schätzen den Effekt daraus auf 100 bis 150 Basispunkte beim organischen Wachstum.

Das Wachstum in Asien und die Robustheit der Konsumausgaben in Europa bezeichnet der CEO als «ermutigend», während die Konsumnachfrage in Nord- und Südamerika schwach geblieben sei.

Im Detail wuchs die Zone AMS (Nord- und Südamerika) organisch lediglich um 0,4%, wobei das interne Realwachstum klar negativ war (-1,4%). Vor allem Brasilien habe ein schwieriges Quartal mit einem gedämpften Ostergeschäft und heiklen Wirtschaftsbedingungen gehabt, so die Mitteilung. Dies habe zu negativen Raten beim organischen Wachstum und beim RIG geführt.

In der Zone EMENA (Europa, Naher Osten und Nordafrika) erreichte Nestlé ein organisches Wachstum von 1,7%, wobei die Preiskomponente bei 0% lag. Westeuropa sei bei leicht negativen Preisanpassungen leicht gewachsen, heisst es hier u.a., wobei sich der Preistrend verbessert habe.

Die für das Gesamtwachstum wichtige Zone AOS (Asien, Ozeanien, Subsahara-Afrika) wuchs organisch 4,5% bei Preisanpassungen von 1,5%. China verzeichnete den Angaben zufolge ein negatives organisches Wachstum auf Grund der (bekannten) Probleme bei Yinlu (Reisbrei und Sojamilchdrinks) und des früheren Datums des chinesischen Neujahrsfestes. Yinlu laste zwar weiterhin auf dem Wachstum, aber die Geschwindigkeit des Rückgangs habe abgenommen, heisst es dazu. Nestlé hat hier den Trend zu neuen Produkten und hin zu E-Commerce etwas verschlafen und versucht seit einiger Zeit den Turnaround.

Zweistelliges Wachstum von Nespresso in Nordamerika
Von den weiteren drei Segmenten Waters, Nutrition und ‹Übrige Geschäfte› (Nespresso, Health Science, Skin Health) wuchs vor allem letzteres organisch mit 5,8% stark, wobei hier die Preisanpassungen negativ waren (-0,6%). Nespresso habe ein mittleres einstelliges organisches Wachstum erzielt, wobei das Wachstum in Nordamerika zweistellig gewesen sei, so die Mitteilung.

Der neue CEO hatte im Februar neue Wachstums- und Effizienzinitiativen und entsprechend mit 500 Mio CHF deutlich erhöhte Restrukturierungskosten für das laufende Jahr angekündigt. Hier spricht er in der heutigen Mitteilung nun von «guten Fortschritten», ohne allerdings konkreter zu werden. Der ebenfalls im Februar neu aufgestellte Ausblick wird derweil bestätigt.

Der Konzern will demnach weiterhin ein organisches Wachstum zwischen 2% und 4% erreichen. Wegen der höheren Kosten geht er allerdings lediglich von einer stabilen operativen Ergebnismarge bei konstanten Wechselkursen aus. Üblicherweise bzw. gemäss dem alten Nestlé-Modell wurde hier jeweils eine Verbesserung angestrebt. Gesteigert werden soll hingegen der (nachhaltige) Gewinn je Aktie bei konstanten Wechselkursen und die Kapitaleffizienz.

Die News wurden relativ gut aufgenommen. Die Aktie startete denn auch klar im Plus, fiel dann aber etwas zurück und schloss mit +0,5% auf 75,60 CHF eetwas fester als der Gesamtmarkt (SMI +0,3%). Analysten sprachen von einem relativ guten Jahresstart angesichts der Spezialfaktoren. (awp/mc/upd/ps)

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