Corona-Pandemie schiebt das Onlinegeschäft von Nestlé an

Corona-Pandemie schiebt das Onlinegeschäft von Nestlé an
Nestlé-CEO Marc Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Bei Nestlé hat die Coronakrise das Onlinegeschäft kräftig angekurbelt: Inzwischen nimmt der Nahrungsmittelriese mehr als jeden zwölften Franken über das Internet ein. Das hilft dem Nahrungsmittelkonzern neben anderen Faktoren auch, trotz Krise weiter zu wachsen.

Ob Tierfutter, Kaffee oder Vitamine: Während des Lockdowns zur Eindämmung der Coronapandemie bestellten Konsumenten viele Produkte lieber online. Das sorgte dort für einen kräftigen Wachstumssprung: Bei Nestlé stiegen die Onlineverkäufe in der ersten Jahreshälfte 2020 um knapp 50 Prozent. Damit steuern sie inzwischen mehr als 12 Prozent zum Gesamtumsatz bei, wie der Konzern am Donnerstag mit seinen Halbjahreszahlen mitteilte. Vor der Krise waren es noch weniger als 10 Prozent.

Der Verkauf über das Internet half Nestlé, seine Produkte trotz Lockdown an die Kunden zu bringen. Die Nespresso-Boutiquen etwa mussten zeitweise schliessen. Auch Ende Juni war ein kleiner Anteil noch zu. Dazu litt auch der Ausser-Haus-Kanal – so waren viele Büros mit Kapselmaschinen wegen Home Office verwaist. Dank dem Onlinehandel konnte Nespresso aber dennoch einen „mittleren einstelligen Zuwachs“ erzielen.

Weniger Ausser-Haus-Konsum
Insgesamt wuchs der Konzern im ersten Semester organisch – Zu- und Verkäufe sowie Wechselkursveränderungen herausgerechnet – um 2,8 Prozent – nach einem Plus von 4,3 Prozent im ersten Quartal waren es im zweiten noch 1,3 Prozent. Der Umsatz im Semester sank allerdings wegen des Verkaufs der Hautpflegesparte sowie des US-Glacégeschäfts sowie wegen des starken Frankens um 9,5 Prozent auf 41,2 Milliarden Franken.

Angetrieben wurde das organische Wachstum neben dem Onlinehandel vor allem auch von Hamsterkäufen im Vorfeld sowie zu Beginn des Lockdowns. Das liess die Umsätze in den Industriestaaten stark anziehen. Darüber hinaus trugen auch einzelne Produktkategorien zum Zuwachs bei.

Mit der Coronakrise ging nämlich allgemein eine deutliche Verlagerung des Konsums von ausser Haus und unterwegs hin zum Konsum zuhause einher. So waren Milchprodukte, Fertigspeisen, Kaffee für zuhause oder Vitamine vermehrt gefragt. Umgekehrt litten unter den geschlossenen Restaurants und fehlenden Impulskäufen die Belieferung der Gastronomie mit Nestlé Professionals, das Wassergeschäft sowie der Verkauf von Süsswaren.

Geringere Werbeausgaben
Auf die Veränderungen im Zuge der Krise reagierte Nestlé auch in der Werbung: So gab der Konzern lockdownbedingt weniger für Werbeaktionen in den Läden aus und steckte dafür mehr Geld in die digitalen Kanäle. Für Nestlé ein lohnender Tausch: Infolge der niedrigeren Medientarife habe sich auch die Konsumentenreichweite erhöht, heisst es in der Mitteilung.

Die Einsparungen in der Werbung sowie niedrigere strukturelle Kosten glichen bei dem Konzern höhere Kosten infolge der Pandemie sowie höhere Rohstoffkosten aus. Massnahmen etwa zum Schutz der Mitarbeitenden oder Prämien und Zuschüsse an Angestellte kosteten Nestlé 290 Millionen Franken. Zudem übernahm die Gruppe Kosten in Höhe von 120 Millionen für Mitarbeitende und Anlagen, die von Stilllegungen während der Lockdowns betroffen waren.

Unter dem Strich blieb schliesslich vom Umsatz mehr als bereinigter Betriebsgewinn übrig: Die entsprechende Marge erhöhte sich von 17,1 auf 17,4 Prozent. Hier rechnet Nestlé jeweils Restrukturierungskosten und weitere sonstige Kosten heraus. Auf Stufe Reingewinn spülten die Verkäufe von Unternehmensteilen zusätzliches Geld in die Kasse, somit erhöhte sich das Nettoergebnis um 18 Prozent auf 5,9 Milliarden.

Ausblick angepasst
Für das Gesamtjahr erwartet das Nestlé-Management weiteres Wachstum – wenn auch weniger als bislang in Aussicht gestellt. Neu soll der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern organisch noch zwischen 2 bis 3 Prozent zulegen. Zuvor war Nestlé davon ausgegangen, das organische Wachstum (2019: +3,5%) und die operative Marge (17,6%) weiter verbessern zu können.

Mit der neuen Prognose gibt sich der Konzern etwas vorsichtiger als bisher, aber immer noch selbstsicherer als seine Konkurrenten: Die französische Danone und die britische Unilever hatten ihre Jahresprognosen nach dem ersten Quartal ersatzlos kassiert. (awp/mc/pg)

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