Nestlé prüft Verkauf des Wassergeschäfts in Nordamerika

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(Foto: Nestlé)

Vevey – Nestlé prüft den Verkauf einiger US-Wassermarken. Die Westschweizer wollen sich auf edles Mineralwasser konzentrieren, also auf bekannte Premium-Marken wie Perrier oder San Pellegrino.

Der Lebensmittelkonzern richte das Wassergeschäft strategisch neu aus, teilte Nestlé am Donnerstagabend mit. In Zukunft liege der Fokus auf internationalen Marken, Premium-Mineralwasser sowie auf „funktionellem Wasser“ mit gesundheitsfördernden Zusätzen. Dafür zieht Nestlé auch Zukäufe in Betracht.

Für das Wassergeschäft in Nordamerika werden hingegen strategische Optionen geprüft. Die Prüfung werde Anfang 2021 abgeschlossen. Explizit erwähnt wird ein möglicher Verkauf des Geschäfts in der Region – die internationalen Marken ausgenommen.

Das zur Disposition gestellte Geschäft generierte 2019 einen Umsatz von rund 3,4 Milliarden Franken. Das gesamte Wassergeschäft bringt 7,8 Milliarden auf die Waage.

Fokus auf Premium-Geschäft
Auf den Prüfstand gestellt werden regionale US-Quellwassermarken wie Poland Spring, Deer Park oder Ozarka, der Getränkelieferservice ReadyRefresh sowie die Marke Nestlé Pure Life. Dieses Geschäft passe nicht mehr zur neuen Strategie, erklärte Nestlé.

Der Konzern setzt stattdessen voll auf das weitere Wachstum der Marken Perrier, San Pellegrino und Acqua Panna. Auch Pure Life solle ausserhalb der USA weiter ausgebaut werden.

Zudem soll das Sortiment bis 2025 CO2-neutral werden. Die Quellengebiete will Nestlé vollständig regenerieren. Das sei Teil der selbstauferlegten neuen Nachhaltigkeitsverpflichtungen.

Keine Überraschung
In Analystenkreisen kommen die News gut an, auch wenn die Pläne nicht überraschen. Schliesslich sei ein Umbau des weltweiten Wassergeschäfts bereits vergangenen Oktober angekündigt worden, schreibt Virginie Roumage von Bryan Garnier. Und in den vergangenen Tagen wurden Gerüchte zu einem Verkauf des nordamerikanischen Wassergeschäfts laut.

Der Ausstieg aus diesem Geschäft sei ein sinnvoller Schritt, meint ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Mit den eigenen Marken sei Nestlé die Preisdifferenzierung zu den Billigmarken nie gelungen. Schwendimann hat sich bereits vor Jahren gewundert, weshalb sich der Konzern überhaupt auf einen Preiskampf eingelassen habe.

Nestlé trete mit den jüngsten Ankündigungen zum Umbau verschiedener Einheiten den Beweis an, dass man den Fokus stärker auf Aktionärswert legen wolle, schreibt Andreas von Arx von BaaderHelvea. Da werde auch das Wassergeschäft nicht verschont, welches vor wenigen Jahren noch als Kernkategorie eingestuft worden war. Von Arx rechnet mit weiteren Transformationsschritten, etwa zu Themen wie dem europäischen Süsswarengeschäft, der US-Tiefkühlkost und gar eines Tages zur L’Oréal-Beteiligung. (awp/mc/pg)

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