Krise? Welche Krise? Nestlé zeigt sich in Topform

Mark Schneider
Nestlé-Konzernchef Mark Schneider. (Foto: Nestlé)

Vevey – Nestlé ist kaum zu bremsen: Auch während der Coronapandemie decken sich die Konsumenten kräftig mit Kaffee, Katzen- und Hundefutter sowie Vitaminen aus der Küche des Konzerns ein. Selbst in China belebt sich die Nachfrage wieder. Für das Gesamtjahr hebt der Konzern nun die Erwartungen an.

Während die Unsicherheit rund um Corona von Tag zu Tag wieder zunimmt und Konkurrenten rückläufige Umsätze vermelden müssen, überraschte Nestlé am Mittwoch mit einem starken dritten Quartal. Um fast fünf Prozent ist der Nahrungsmittelkonzern von Juli bis September organisch gewachsen – und hat damit nicht nur die beiden Vorquartale, sondern auch die optimistischsten Erwartungen übertroffen.

Dabei kommt dem Hersteller von Nespresso-Kaffee und Cailler-Schokolade seine breite Aufstellung zugute. Wenn die Konsumenten weniger unterwegs sind und dort konsumieren, bestellen sie die Nestlé-Produkte eben online. So schossen die Online-Umsätze in den ersten neun Monaten um knapp die Hälfte in die Höhe. Und während Wasser und Schokolade unter dem Einbruch des Ausser-Haus-Geschäfts leiden, sind Vitamine sowie Hunde- und Katzenfutter umso gefragter.

Rückkehr zu Wachstum in China
Dazu ist Nestlé weltweit präsent. Als die Coronakrise zu Jahresbeginn in China ihren Anfang nahm, kompensierten Hamsterkäufe in den Industrieländern die daraus folgenden Umsatzrückgänge.

Inzwischen allerdings erwacht mit der konjunkturellen Erholung auch im Reich der Mitte die Konsumlust zusehends wieder. Im dritten Quartal schaffte es Nestlé dort zurück in die Wachstumszone. China ist der zweitgrösste Markt für Nestlé, vor der Krise wurden dort rund 8 Prozent der Gruppenumsätze erwirtschaftet. Insgesamt stabilisierten sich die Umsätze in der ganzen Region Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika nach neun Monaten (0,0%).

Das ungebrochen stärkste Wachstum erzielte Nestlé derweil in Nord- und Südamerika (AMS: +5,1%), aber auch in Europa (Emena: +2,9%) ging es aufwärts.

Zuversicht und Vorsicht
Für das Gesamtjahr sieht sich Nestlé damit mehr als auf Kurs. Das Management um CEO Mark Schneider stellt nun bis Jahresende ein Wachstum von um die drei Prozent in Aussicht. Anlässlich der Halbjahreszahlen hatte sich Nestlé noch etwas vorsichtiger gezeigt und Zuwächse zwischen 2 und 3 Prozent prognostiziert.

Selbst die nun optimistischere Prognose gilt allerdings unter Branchenbeobachtern als eher vorsichtig: So ist Nestlé in den ersten neun Monaten bei einem Umsatz von rund 61,9 Milliarden Franken aus eigener Kraft um 3,5 Prozent gewachsen. Damit läge auch noch eine Verlangsamung drin, sollte das Ausser-Haus-Geschäft angesichts der wieder steigenden Coronainfektionen wieder stärker unter die Räder kommen. Auch der Zeitpunkt des chinesischen Neujahresfest könnte das Tempo im vierten Quartal eher dämpfen.

Umbau auf Kurs
Von seinem vor der Krise ausgegebenen Ziel, das organische Wachstum gegenüber 2019 (+3,5%) weiter zu verbessern, ist der Konzern jedenfalls trotz Krise nicht mehr allzu weit entfernt. Das stimmt auch in Bezug auf die Mittelfristziele zuversichtlich. Dabei strebt Nestlé mittlere einstellige Wachstumsraten an.

Um das zu erreichen, baut Konzernchef Schneider Nestlé kräftig um. In Bereichen mit starkem Wachstum wie dem Gesundheitsmarkt kauft der Konzern zu und trennt sich dafür von weniger dynamischen Bereichen. So wird ein Verkauf des Wassergeschäfts in Nordamerika sowie des Yinlu-Geschäfts mit Erdnussmilch und Reisporridge-Konserven in China geprüft. Beide Prüfungen sollen Anfang 2021 abgeschlossen sein, wie Nestlé am Mittwoch erneut bekräftigte.

Zahlreiche Übernahmen im Gesundheitsmarkt
Auf der anderen Seite hat Nestlé erst kürzlich den Kauf des auf Lebensmittelallergien spezialisierten US-Biopharmaunternehmen Aimmune abgeschlossen. Es ist eine von mehreren Übernahmen im Gesundheitsmarkt. Für Nestlé hat sich das Engagement im Gesundheitsmarkt bislang bezahlt gemacht: Die Tochter Nestlé Health Science ist in den ersten neun Monaten mit zweistelligen Raten gewachsen.

Trotz der guten Aussichten konnten sich die Nestlé-Titel am Mittwoch dem Abwärtssog an der Schweizer Börse nicht entziehen. Während der Leitindex SMI am Mittwoch mit einem Minus von 1,5 Prozent aus dem Handel ging, schlossen Nestlé um 0,8 Prozent tiefer auf 106,54 Franken. (awp/mc/pg)

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