Novartis schreibt einen Jahresgewinn von 9,6 Mrd Dollar

Daniel Vasella
Daniel Vasella, ehemaliger VRP Novartis. (Foto: Novartis)

Die Ära von Daniel Vasella bei Novartis geht dem Ende entgegen.

Basel – Der Pharmakonzern Novartis hat im Geschäftsjahr 2012 einen leichten Rückgang beim Umsatz sowie beim Kernergebnis hinnehmen müssen. Der Reingewinn fiel dagegen höher aus. Ein wieder anziehendes Wachstum erwartet der Konzern für 2014. Zudem kommt es zum Wechsel an der Führungsspitze: Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella wird sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen.

Der Netto-Konzernumsatz des Basler Pharmakonzerns sank im abgelaufenen Jahr um 3% auf 56,67 Mrd USD, wie der Pharmakonzern am Mittwoch mitteilte. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) konnte der Umsatz dagegen gehalten werden.

Das operative Kernergebnis verminderte sich um 5% auf 15,16 Mrd USD. Der Kern-Reingewinn nahm ebenfalls um 5% auf noch 12,81 Mrd ab. Dagegen verbesserte sich der ausgewiesene Reingewinn um 4% auf 9,62 Mrd USD und das operative Ergebnis stieg um 5% auf 11,51 Mrd USD.

Quartalsumsatz kaum verändert
Auch für das vierte Quartal veränderte sich der Netto-Umsatz mit 14,83 Mrd USD nicht mehr. Das Betriebsergebnis nahm um 88% auf 2,48 Mrd USD deutlich zu. Der Quartalsreingewinn erreicht 2,08 Mrd (+72%). Im Vorjahr war das Schlussquartal unter anderem massiv durch a.o. Belastungen infolge Stellenabbau sowie Abschreibungen und Wertberichtigungen geprägt.

Divdende von 2,30 Franken je Aktie
Novartis schlägt den Aktionären für das Berichtsjahr die Ausschüttung einer Dividende von 2,30 (VJ 2,25) CHF je Aktie vor.

Mit den Gewinnzahlen liegt Novartis am oberen Ende der Markterwartungen. Die Schätzungen für das operative Kernergebnis lauteten im Schnitt (AWP-Konsens) auf 15,03 Mrd und für den Kerngewinn auf 12,71 Mrd bzw. 5,23 USD je Aktie. Für den Konzernumsatz hatten die Analysten einen Wert von 56,60 Mrd USD erwartet.

Spürbare Generiakonkurrenz
In seinem Hauptgeschäft Pharma musste Novartis einen Umsatzrückgang um 1% (+2% zu kWk) auf 32,15 Mrd USD hinnehmen. Mit Volumensteigerungen hätten die negativen Auswirkungen der Generikakonkurrenz mehr als wettgemacht werden können. So ist der Patentschutz für den Topseller Diovan in den USA Ende des dritten Quartals ausgelaufen. Das operative Ergebnis der Division Pharmaceuticals erhöhte sich um 16% (+19% kWk) auf 9,6 Mrd USD.

Der Nettoumsatz der Division Alcon stieg um 3% (+5% kWk) auf 10,2 Mrd USD. Dazu trugen zur Hauptsache Umsatzsteigerungen in den Bereichen Augenchirurgie, ophthalmologische Pharmazeutika und Vision Care bei. Das operative Ergebnis von Alcon belief sich auf 1,5 Mrd USD (0%, +6% kWk).

Umsatzeinbussen bei Generikasparte Sandoz
Die Generikasparte Sandoz verringerte den Nettoumsatz um 8% (–4% kWk) auf 8,7 Mrd USD. Umsatzeinbussen fielen vor allem bei den Retail-Generika und den Biosimilars in den USA sowie in Deutschland an. Das operative Ergebnis von Sandoz sank um 23% (–24% kWk) auf 1,1 Mrd USD.

Bei Vaccines and Diagnostics ging der Umsatz um 7% (-4%kWk) auf 1,9 Mrd USD zurück und die Division wies einen operativen Verlust von 250 Mio USD aus.

Qualitätsprobleme belasten
Consumer Health verzeichnete einen Umsatzrückgang um 19% (–16% kWk) auf 3,7 Mrd USD. Dieser war in erster Linie auf das Ausbleiben der Lieferungen des US-Produktionsstandorts in Lincoln, Nebraska, zurückzuführen. Das operative Ergebnis sackte um 93% (–89% kWk) auf 48 Mio USD ab, wofür die Ursache ebenfalls in den Lieferausfällen in Lincoln und den Kosten im Zusammenhang mit der Behebung der dortigen Situation lag.

Allerdings habe man «solide» Fortschritte bei der Behebung der Qualitätsprobleme gemacht, versicherte Novartis in der Mitteilung. Im Lincoln werde die kommerzielle Produktion für eine beschränkte Auswahl von Produkten in der ersten Jahreshälfte 2013 wieder aufgenommen. Zudem seien in den drei nordamerikanischen Sandoz-Standorten Fortschritte erzielt worden: So sei der Konformitätsstatus des Standorts in Broomfield, Colorado, durch die FDA angehoben worden.

Rückgang des operativen Kernergebnisses 2013 erwartet
Für das Jahr 2013 rechnet Novartis zu konstanten Wechselkursen mit einem Nettoumsatz auf dem Niveau des Jahres 2012, wie der Konzern weiter mitteilte. Aufgrund von Generikakonkurrenz sowie weiteren Investitionen in Neueinführungen dürfte 2013 das operative Kernergebnis des Konzerns bei konstanten Wechselkursen voraussichtlich einen Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich aufweisen.

Für die Jahre 2014 und 2015 geht Novartis dann aber von Umsatz-Wachstumsraten bei konstanten Wechselkursen mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. In diesen Jahren dürften die Einflüsse der Generikakonkurrenz auf den Konzern auf etwa 2-3% der Gesamterlöse zurückgehen, so die Erwartungen.

Reinhardt löst Vasella ab
Nach 17 Jahren in leitender Führungsposition als CEO und später Präsident des Verwaltungsrats wird sich Daniel Vasella an der nächsten Generalversammlung vom 22. Februar 2013 nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stellen. Vasella wird zum Ehrenpräsidenten des Verwaltungsrats ernannt.  Wie der Pharmakonzern mitteilte, wird Jörg Reinhardt mit Wirkung zum 1. August 2013 als neuer Director und designierter nicht-exekutiver Präsident des Verwaltungsrats vorgeschlagen. Bis zu seiner definitiven Amtsübernahme wird Ulrich Lehner, gegenwärtig Vizepräsident, den Verwaltungsrat ad interim leiten.

Der langjährige frühere Novartis-Mann Reinhardt ist derzeit noch Vorsitzender des Vorstands von Bayer HealthCare und Mitglied im Executive Council von Bayer. Die Deutschen teilten in diesem Zusammenhang mit, dass er seinen im Sommer 2013 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Seinen aktiven Dienst bei Bayer werde Reinhardt am 28. Februar 2013 beenden.

Comeback eines Novartis-Urgesteins
Reinhardt ist deutscher Staatsbürger und stiess 1982 zu Sandoz Pharma. Dort war er in verschiedenen Positionen mit zunehmender Verantwortung im Bereich Forschung und Entwicklung in der Schweiz tätig; 1994 übernahm er die Position des Head of Development. Nach der Fusion zu Novartis 1996 war er Head of Preclinical Development und Project Management von Novartis und dann ab 1999 Head of Pharmaceutical Development.

Von 2006 bis 2008 war er Leiter der Division Vaccines and Diagnostics. 2008 erreichte er als Chief Operating Officer die Spitze seiner persönlichen Karriereleiter bei Novartis und leitete in dieser Rolle das Tagesgeschäft des Basler Konzerns. Diese Position hatte er bis Ende Januar 2010 inne.

Reinhardt wurde lange als Kronprinz für die Spitze der Novartis-Geschäftsleitung gehandelt. Als Daniel Vasella im Januar 2010 indes als Konzernchef zurücktrat und damit sein umstrittenes Doppelmandat abgab, kam jedoch für viele überraschend der Amerikaner Joe Jimenez zum Zuge, der bisherige Leiter der Pharma-Sparte. Reinhardt verliess in der Folge den Pharmakonzern – bis zu seinem heute angekündigten Comeback.

Vasella: Nach 25 Jahren ist Schluss
Vasella kommentierte seinen Rücktrittsentscheid folgendermassen: “Novartis befindet sich auf solidem Kurs, um die Volatilität und die Unsicherheiten des heutigen Wirtschaftsumfelds zu meistern. Ich habe Vertrauen in die Führungsstärke von Joe Jimenez und seinem Spitzenteam, in die Strategie des Unternehmens mit seinem Engagement für Innovation und in die Ausrichtung auf die Stärkung von Novartis als eines der führenden Unternehmen im Gesundheitssektor. Deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen, dass für mich nach 25 Jahren im Unternehmen der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um für eine reibungslose Nachfolge zu sorgen.»

Sein Vize Ulrich Lehner nimmt den Entscheid Vasellas «mit Bedauern» entgegen; er habe bei der Gestaltung der heutigen Gesundheitsbranche eine beispiellose Rolle gespielt. Dank seiner Vision und Führungskompetenz habe sich Novartis zu einem der angesehensten Unternehmen entwickelt.

Drei weitere VR-Vorschläge
Neben Reinhardt werden der kommenden Generalversammlung auch Verena Briner, Charles Sawyers und William Winters ebenfalls zur Wahl in den Verwaltungsrat von Novartis vorgeschlagen. Und wie bereits bekannt gegeben, werde sich Marjorie Yang nicht zur Wiederwahl stellen.

Briner ist Titularprofessorin für Innere Medizin an der Universität Basel, ferner leitet sie als Chefärztin die Medizinische Klinik und das Departement Medizin des Luzerner Kantonsspitals. Sawyers ist ein US-amerikanischer Onkologe am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York und Professor an der Graduate School of Medical Sciences an der Weill-Cornell University. Er wird auch als einer der Co-Entwickler des Novartis-Krebsmedikaments Glivec genannt. Winters schliesslich ist CEO und Chairman von Renshaw Bay, einem Asset-Management-Unternehmen für alternative Anlagen sowie Beratungsunternehmen. (awp/mc/pg)

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