Novartis will Portfolio mit weiterem Milliarden-Zukauf stärken

Novartis will Portfolio mit weiterem Milliarden-Zukauf stärken
Novartis-CEO Vasant Narasimhan. (Foto: Novartis)

Basel – Novartis setzt seine Einkaufstour fort. Für annähernd 10 Milliarden US-Dollar will der Pharmakonzern das US-Biotech-Unternehmen The Medicines Company übernehmen. Die Spitzen der beiden Unternehmen hätten sich bereits geeinigt, teilte der Pharmariese am Sonntagabend mit. Es wäre die fünfte Übernahme in den vergangenen zwei Jahren.

Der Zukauf bietet dem Basler Unternehmen die Chance, sein Herz-Kreislauf-Portfolio um einen potenziellen Blockbuster zu erweitern, erklärte Novartis-Chef Vas Narasimhan während einer Telefonkonferenz. The Medicines wird in den kommenden Wochen in den USA den Zulassungsantrag für sein cholesterinsenkendes Inclisiran einreichen. In der EU soll dies im ersten Quartal 2020 geschehen.

Fünfte Milliarden-Übernahme in den letzten zwei Jahren
Ein offizieller Übernahmeantrag ist zwar noch nicht unterbreitet, Novartis hat aber bereits die geplanten Detail veröffentlicht. Man werde den Medicines-Aktionären 85 US-Dollar je Aktie anbieten. Finanziert werden soll der Zukauf durch Barmittel und kurz- sowie längerfristige Darlehen. Wenn alles glatt läuft, könnte die Transaktion im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden.

Der Zukauf wäre dann die fünfte Milliarden-Übernahme seit Oktober 2017. Für den seit Anfang 2018 amtierenden CEO Narasimhan ist es Übernahme Nummer vier. So hatte der Konzern im Oktober 2017 den Zukauf der französischen Advanced Accelerator Applications für knapp vier Milliarden Dollar angekündigt. Es folgten Avexis für annähernd neun Milliarden, Endocyte für gut zwei Milliarden und Xiidra für 3,4 Milliarden.

Möglicher Mega-Blockbuster
Wie der Novartis-CEO weiter erklärte, dürfte Medicines Kandidat Inclisiran das wachsende Geschäft von Novartis mit seinem Herzinsuffizienz-Medikament Entresto sehr gut ergänzen. Konkret richtet sich Inclisiran an Patienten, bei denen sogenannte Statine eher schlecht wirken.

Das Mittel des US-Unternehmens basiert gemäss Novartis auf einer relativ neuen Technologie, die die molekularen Botenstoffe des Körpers, die so genannte RNA, nutzt, um Gene abzuschalten, die eine Rolle bei einer Krankheit spielen. Konkret handelt es sich dabei um einen sogenannten PCSK9-Hemmer. Sie kommen in der Behandlung erhöhter Cholesterinwerte zum Einsatz, wenn andere lipidsenkende Therapien nicht ausreichend wirksam oder nicht möglich sind.

Laut Narasimhan könnte Inclisiran in ein paar Jahren einen echten Umsatzschub sehen und zu einem «Mega-Blockbuster werden». Sein Optimismus basiert auf verschiedenen Punkten. So soll etwa die Zahl der Mitarbeiter, die das Herzmittel Entresto verkaufen, erhöht werden. Sie sollen die Ärzte nämlich gleich auch auf das mögliche neue Mittel im Novartis-Portfolio vorbereiten und damit den Absatz ankurbeln. Darüber hinaus stehen 2024 noch weiterer Daten zu dem neuen Mittel an, die dann die Wirksamkeit nochmals untermauern könnten.

Analysten eher zurückhaltend
Zahlreiche Analysten haben sich derweil eher verhalten geäussert. Immerhin hätten Sanofi zusammen mit Regeneron und auch Amgen bereits Mittel auf dem Markt, die diesen Ansatz ebenfalls verfolgten – beide seien eine Enttäuschung, heisst es in einem Kommentar. Gleichzeitig sei der Schritt strategisch nachvollziehbar.

Ergänzende Zukäufe für weiteres Wachstum
Generell passen die Pläne in die Strategie, die der Novartis-Chef seit seinem Amtsantritt verfolgt hat. So stärkt er mit den verschiedenen Akquisitionen das Arzneimittelportfolio mit neuen Produkten und Technologien. Wie er gegenüber den Analysten betonte, soll der Zukauf zum Schutz gegen die zu erwartende Umsatzerosion durch auslaufende Patente dienen.

An der Börse fiel die Reaktion zunächst verhalten aus, am Nachmittag nahm die Kursentwicklung dann aber Fahrt auf. In einem insgesamt festeren Markt legten Novartis-Aktien bis Handelsschluss um 1,2 Prozent zu. Der SMI kletterte um 0,96 Prozent nach oben. (awp/mc/pg)

Novartis
The Medicines Company

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