Tamedia stärkt mit Kauf von Goldbach Group Rolle als Werbevermarkter

Christoph Tonini
Tamedia-CEO Christoph Tonini. (Foto: Tamedia)

Zürich – Die Zürcher Mediengruppe Tamedia will die Medienvermarkterin Goldbach Gruppe übernehmen – zu einem Kaufpreis von 216 Mio CHF. Daraus soll einer der reichweitenstärksten Vermarkter der Schweiz entstehen.

Das Ziel ist dabei klar: Tamedia und Goldbach wollen ihre Stellung im Schweizer Werbemarkt gemeinsam ausbauen und zu einem der reichweitenstärksten Vermarkter der Schweiz werden. Zudem wollen sie die Auslandsgeschäfte im deutschsprachigen Raum vorantreiben. Tamedia-Chef Christoph Tonini sprach von einer „echten Chance für den Schweizer Werbemarkt“.

Trotz der Vereinigung des laut Goldbach-CEO Michi Frank „erfolgreichsten Medienhauses mit der grössten Reichweite im Print und in der digitalen Reichweite der gesamten Schweiz“ mit der „grössten und erfolgreichsten Vermarkterin von TV und Digitalem Video im Schweizer Markt“ soll Goldbach auch weiterhin als eigenständiges Unternehmen am Markt auftreten.

„Preis ist nicht brillant“
Die Tamedia hat am Freitag ein öffentliches Kaufangebot für die Goldbach Group AG zu 35,50 CHF pro Aktie vorangemeldet. Sie will sämtliche der über 6 Millionen ausgegebenen Aktien der Werbevermarkterin übernehmen. Damit beläuft sich der Kaufpreis, der in bar entrichtet werden soll, auf 216 Mio CHF.

Die gebotenen 35,50 CHF pro Titel beinhalten keine Übernahmeprämie. Goldbach-VRP Jens Alder beurteilt den Preis weder als „brillant“ noch als „berauschend“, aber für „vertretbar“. Die Goldbach-Aktien hatten am Donnerstagabend bei 35,75 CHF das Stück geschlossen.

Im Bezug auf den EBITDA von Tamedia sagte Tonini, dass dieser dank der Akquisition von Goldbach um 33 Mio CHF jährlich steigen solle. Die EBIT-Marge des Tamedia-Konzerns werde sich voraussichtlich leicht um „einige“ Basis-Punkte verbessern.

Alles aus einer Hand anbieten
Tamedia und Goldbach wollen auf Basis ihrer Reichweite für ihre Kunden neue Technologien und innovative Werbeformen entwickeln. Zudem soll gemeinsam mit der Neo Advertising AG, an der Tamedia eine Mehrheitsbeteiligung hält, das Aussenwerbegeschäft vorangetrieben werden.

So können sie gemeinsam die gesamte Werbepalette aus einer Hand anbieten. „Das macht sonst niemand, auch nicht Admeira“, sagte Tonini, der aus den Wachstums-Ambitionen von Tamedia keinen Hehl macht. Admeira ist eine Vermarktungsplattform von SRG, Swisscom und Ringier.

Mit dem Zusammengehen mit Goldbach werde man ausserdem von der Reichweite her vergleichbar sein mit den amerikanischen Platzhirschen Facebook und Google, die auch hierzulande bisher die Pole Position innehatten, erklärte Tonini.

Investition in die Zukunft
Die Goldbach Gruppe, die rund 340 Mitarbeitende in der Schweiz, Deutschland und Österreich beschäftigt, soll am bisherigen Standort in Küsnacht ZH weitergeführt werden. CEO von Goldbach bleibt Michi Frank, der Mitglied der Unternehmensleitung von Tamedia wird. Auch zu einem Personalabbau soll es laut Tonini nicht kommen: „Wir wollen nicht Kosten abbauen, sondern in die Zukunft investieren“.

Bis die Übernahme fix ist, braucht es noch einige Schritte. So muss beispielsweise die Eidgenössische Wettbewerbskommission die Übernahme noch prüfen. Tonini ist aber zuversichtlich, dass dies bis Ende Februar/Anfang März abgeschlossen sein wird. Die eigentliche Übernahme erfolgt dann im April. Kommt sie zustande, soll Goldbach von der Schweizer Börse dekotiert werden.

Analysten sehen auch Risiken

Bei den Analysten stösst die Übernahme nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. In einem Kommentar erklärt die Zürcher Kantonalbank, dass Goldbach innerhalb des viel grösseren Tamedia-Konzerns einiges an Dynamik einbüssen könnte. Ausserdem kritisiert die Bank die fehlende Übernahmeprämie. Man sehe den fairen Wert der Goldbach-Aktie bei 45 CHF, das Angebot von Tamedia sei also recht bescheiden.

An der Börse reagierte derweil der Kurs der Tamedia-Valoren positiv auf die Ankündigung: Die Aktie stieg um 5,4%. Goldbach (-0,3% auf 35,65 CHF) gaben im Gegensatz etwas nach in Richtung des von Tamedia gebotenen Preises. Der Gesamtmarkt gemessen am SPI schloss 0,23% tiefer. (awp/mc/pg)

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