PMI: Industriekonjunktur durch Frankenaufwertung gestoppt

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(Bild: © christian42 - Fotolia.com)

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Zürich – Im Januar sank der procure.ch Purchasing Managers› Index (PMI) um 5.3 Punkte. Dies ist der stärkste Indexrückgang seit November 2008. Offensichtlich haben sich die Aussichten mit der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) unmittelbar eingetrübt.

Mit einem Wert von 48.2 Punkten kam der PMI unterhalb der Wachstumsschwelle zu liegen. Alle Subkomponenten gaben nach. Der Auftragsbestand wurde deutlich kleiner, die entsprechende Subkomponente brach um 9.4 Punkte ein und notierte mit 44.2 Zählern ausserhalb der Wachstumszone. Zudem kauften die Unternehmen weniger ein («Einkaufsmenge» sank um 6.4 Punkte auf 44.8 Zähler), bauten die Lagerbestände ab («Lager Einkauf» und «Lager Verkauf» notieren unterhalb der Wachstumsschwelle) und verringerten den Personalbestand geringfügig. Den unmittelbar stärksten Einfluss hat die Frankenaufwertung jedoch auf die Teuerung: «Einkaufspreise» stürzte um 26.7 Punkte auf einen historischen Tiefststand von 21.2 Zähler ab. Demnach dürfte das Preisniveau hierzulande deutlich sinken.

In der Januar-Umfrage (Zeitraum: 19.1. bis 27.1.) sind zudem Spezialfragen zu den detaillierten Auswirkungen der Aufhebung der Wechselkursuntergrenze gestellt worden:

SNB-Entscheid hat die Industrie überrascht – Unternehmen waren nicht abgesichert
Drei Viertel der befragten Unternehmen waren am 15. Januar nicht gegen eine Aufwertung des Frankens zum Euro abgesichert. Nur jedes fünfte Unternehmen nutzte die Möglichkeit, sich mittels Finanzprodukten abzusichern. Offenbar rechneten die wenigsten Unternehmen mit einer Aufgabe der Wechselkursuntergrenze durch die SNB. Entsprechend stark negativ sind die Unternehmen von der sprunghaften Währungsaufwertung getroffen worden.

Unternehmen rechnen nicht mit baldiger Abwertung des Frankens
Nur 48% der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass sich der Franken innert eines Jahres wieder abwerten wird. Die knappe Mehrheit der Unternehmen unterlegen demgegenüber in ihrer Planung, dass der Franken-Euro-Kurs noch mindestens ein Jahr lang nahe der Parität verharren wird. Im August 2011, als wir diese Frage zuletzt gestellt hatten, gingen noch beinahe zwei Drittel der Unternehmen von einer Abwertung innert eines Jahres aus (und sie sollten damals aufgrund der Einführung der Wechselkursuntergrenze durch die SNB Recht behalten).

Euro ist im Einkauf bereits heute wichtiger als der Franken
Schweizer Unternehmen kaufen schon heute mehr in Euro (45%) ein als in Franken (42%). Auf US-Dollar lauten knapp 10% der Einkäufe. Kein Unternehmen kauft ausnahmslos in Franken ein. Demnach verfügen sämtliche befragten Unternehmen über eine «natürliche» Absicherung, sprich sie profitieren von günstigeren Einkaufspreisen. Gemäss unserer Hochrechnung spart die Industrie im Einkauf dank der Frankenaufwertung von 18% rund CHF 13 Milliarden.

Der EUR-Anteil im Einkauf dürfte zudem weiter steigen: Zwei Drittel der Unternehmen planen gemäss der aktuellen Umfrage den Fremdwährungsanteil zu erhöhen. Damit dürfte sich ein Trend fortsetzen. Alleine im Vergleich zur letzten Umfrage im Jahr 2011 hat der Euro-Anteil um 2 Prozentpunkte zugenommen.

Euro ist auch bei den Verkäufen bedeutend
Knapp die Hälfte der Verkäufe wird in Schweizer Franken fakturiert (46%), 39% in Euro und 11% in Dollar. Hochgerechnet schmälert eine Frankenaufwertung von 18% die Verkaufserträge um beinahe CHF 31 Milliarden.

Wechselkursverlust beträgt geschätzt 18 Milliarden
Der Verlust im Verkauf überwiegt demnach die Einsparungen im Einkauf bei Weitem: Hochgerechnet beträgt das Minus rund CHF 18 Milliarden. Dieser Wert entspricht rund 3% der nominalen Wertschöpfung bzw. 5% des Bruttoproduktionswerts der hiesigen Industrie.

Unternehmen reagieren bereits
85% der Unternehmen haben bereits konkrete Massnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der Frankenaufwertung zu mildern. Die am häufigsten genannten Massnahmen sind, dass das Gespräch mit den Lieferanten gesucht werde bzw. Preisnachlässe eingefordert würden. Rund 70% der Antworten tendieren zu solchen Massnahmen. 16% der befragten Unternehmen gewähren ihren Kunden Preisnachlässe oder verrechnen Verkäufe zu «günstigen» Wechselkursen. Etwas mehr als jedes zehnte Unternehmen (14%) plant eine Verlagerung ins Ausland oder hat unmittelbar einen Investitions- bzw. Einstellungsstopp verhängt. (Credit Suisse/mc/ps)

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